Pannesheider Geschichten zweiter Teil



Teil 2 von 3
Pannesheider Geschichten von Therese Schiffgens 

Anregung mit zu forschen und zu berichten

Liebe Besucherinnen und Besucher,
Auch Teil 2 soll Ihnen Spaß machen und Sie gleichzeitig zur Mitarbeit bitten.
Therese Schiffgens sammelte Pannesheider Geschichten. 1983 wurden sie in den Pfarrbriefen der Pfarre St. Barbara veröffentlicht. Die Pannesheider waren damals über vieles sehr erstaunt und wir heute auch wieder.
Die Geschichtsfreunde und Heimatkundler des Heimatvereins haben entgegen der Gepflogenheiten die Texte ungeprüft  übernommen; lediglich etwas übersichtlicher gegliedert. Deshalb finden Sie Anmerkungen und Fragen passend zu jedem Thema in der rechten Spalte.
Wenn Sie als Bestätigung oder Ergänzung etwas wissen, dann kontaktieren Sie uns bitte. Wir werden Ihr Wissen dann in den Bericht einbringen, damit er immer "perfekter" und "kompletter" wird.  
Ein Wort zu den Fotos - die Bilder aus dem Originalbericht konnten wir nicht zeigen. Als Ersatz haben wir neue oder andere alte Fotos in die Anmerkungsspalte gebracht. Sie wissen - wenn Sie alte Bilder von Pannesheider oder Kohlscheider Ansichten besitzen, dann freuen wir uns über jede Genehmigung oder Spende.
Nun viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Forschen in Ihren Quellen.

links ist der Text von Therese Schiffgens aus 1983/84
rechts in gepunktetem Rahmen sind die Anmerkungen und Fotos:

Die Hubertuskapelle

An dem Platz vor dem Ehrenmal, wo sich heute die alte Linde erhebt, stand vor etwa 400 Jahren eine Kapelle, die dem hl. Hubertus geweiht war: Die Hubertuskapelle. St. Hubertus ist bekanntlich der Patron der Jäger, also auch der Hunde. Unsere frommen Vorfahren verehrten ihn als Schutzpatron für das gesamte Vieh. Wenn ein Hund von Tollwut befallen war oder sonst ein Tier krank geworden war, brachte man es zur Hubertuskapelle. Das Pannhaus war im Besitz eines sogenannten Hubertusschlüssels. Es war ein etwa 20 cm langer Eisenstab, der unten einen Griff hatte und oben in vier sternförmigen Zacken und einer Rundung endete. Die Spitze wurde glühend gemacht und den kranken Tier auf die wunde Stelle gedrückt, meist unter dem Gebet eines Priesters. Vorfahren von Frau Adele Rothkranz, die Familie Pannhausen, die die Betreuung der Kapelle übernommen hatte, besaß eine Anweisung über den Gebrauch des Hubertusschlüssels. Diese etwa 400 Jahre alte Urkunde, welche in altdeutscher Sprache geschrieben ist, und der Hubertusschlüssel befinden sich heute noch im Besitz von Frau Adele Rothkranz.
Man bat auch die Bauern, in die Bruderschaft des hl. Hubertus einzutreten und einen jährlichen Zins zu zahlen.
Der hl. Hubertus, geboren um 655 in Cervvueren bei Brüssel, war Bischof von Maastricht und Lüttich. Er starb am 30. Mai 727.

Hubertuskapelle 2022

Hubertusstatue

Hubertuskapelle, Hubertusstatue

Die Hubertuskapelle steht heute unten im Amstelbachtal auf Horbacher Gebiet. Sie wird aber unterhalten und gepflegt von den Pannesheidern. 

Das Pannhaus

Wenden wir uns jetzt dem Pannhaus zu, im Volksmund Pannes oder Pannhuys genannt.  
Ende des 16. Jahrhunderts wurde das alte Pannhaus erbaut. Die früher strohgedeckten Fachwerkbauten fielen einem Brand zum Opfer. Die heutigen Grundmauern sind aus Bruchstein, das übrige Bauwerk wurde in Backstein errichtet. Die Jahreszahl 1710 und die Namen: Bernhard Vaessen – Maria Meyer
sind heute noch über den Hauseingang in einem Blaustein ersichtlich.
Das heutige, gut erhaltene Pannhaus ist ein Schmuckstück für Pannesheide und dient als Privatwohnung. Es steht unter Denkmalschutz.

Pannhaus ist ein niederdeutsches Wort für Brauhaus
Die Maische wurde mit Stangen, woran pfannenartige Schaufeln befestigt waren, umgerührt. Das Pannhaus und die nähere Umgebung nannte man auch am helige Hüsje (Heilgenhaus). Der Name entstand wegen der nahegelegenen Hubertuskapelle.
Im Jahre 1741 bewohnte Herr Matthias Kockelkorn das Pannhaus, der gleichzeitig zur Brauerei ein gutes und bekanntes Fruchtgeschäft hatte (Getreide).
Pannhaus Pannesheide

Pannhaus 2020

Das Gebäude ist mehrmals umgebaut und mit Applikationen versehen worden. Auf dem Bild sind der weiß verputzte Teil und der Teil mit dem Torbogen mit der Backsteinmauern zu sehen. Vor dem Querbau ist eine Garage gebaut worden.

Pannhaus Querbau

Pannhaus Querbau in der Schlack

Schlußstein

Pannhaus Schlußstein

 Anmerkung zum Schlußstein: Die   Jahreszahl ist 1718

Der Überfall der Bockreiter

Da er ein sehr kluger und reicher Geschäftsmann war, hatten die Bockreiter den bösen Plan gefasst, das Pannhaus zu überfallen. Sie warteten eine Gelegenheit ab, wo der Herr Kockelkorn auf einer mehrtägigen Geschäftsreise ins Jülicher Land unterwegs war. Eine ausgesuchte Bockreiter-Bande überfiel zu dieser Zeit das Pannhaus und hinterließ Grauen und Schrecken. Nach Überwältigung der Knechte, die sich bis zum äußersten verteidigt hatten, forderte die Bande unter Bedrohung die Besitzerin auf, das Geld herauszugeben. Neben etwa 4oo Reichtalern erbeuteten sie noch eine Menge Leinwand und Getreide. Die Beute wurde
im Heydener-Wald verteilt.
Die arme Frau jedoch hat sich zu Lebzeiten nicht mehr von diesem Schock erholt.

 Bockreiter

 1741 wurde das Pannhaus von den  Bockreitern heimgesucht. siehe Bericht  Bockreiter in Pannesheide

Haus Dumont

In unmittelbarer Nähe vom Pannhaus, hinter alten Kastanienbäumen, befindet sich ein schönes altes Patrizierhaus. Es ist im Besitz von Dr. Bruno Beck. Erbaut wurde das Haus um 1702.  Es hat einen schönen Barockgiebel. Zur napoleonischen Zeit war das Haus zeitweise von den Franzosen besetzt.
In Pannesheide und Umgebung befanden sich mehrere kleine und mittlere Kohlenschächte, so auch gegenüber von Dr. Becks Haus. Schrauben an der Front dienten zur Befestigung der Kohlenfuhrwerke. Die Ankerfe1der, die heute noch zu sehen sind, weisen daraufhin dass dort zu jener Zeit das Verwaltungsgebäude der Grube war. Das Haus kam später in Privatbesitz der Familie Herry, die aus Belgien stammte und ging durch Einheirat in den Besitz der Familie Dr. Beck über.
Es steht unter Denkmalschutz.

 Haus Dumont 2020                                  

 Heute ist es in Besitz der Witwe Beck. Bei  den Daten und Fakten zur Erbauung des  Hauses ist noch Recherchbedarf. Wer kann  helfen?


Haus Rütters und die Dorfschänke

Eine erwähnenswerte Vergangenheit hat auch das Haus Heinrich Rütters, Pannesheider Straße 136. Es wurde erbaut Anfang des 17. Jahrhunderts.
Hier befanden sich zur damaligen Zeit  eine Schirmfabrik, Senffabrik, Wirtschaft mit Tanzsaal und zuletzt eine Bäckerei und ein Lebensmittelgeschäft.
Die vier Häuser gehörten in der damaligen Zeit zusammen. Am 28. November 1868 wurde das ganze Anwesen in vier Loose (zu der Zeit so genannt) verkauft.
Die heutige Gaststätte „Dorfschänke“ wurde 1871 von Karl Dumont erbaut.
Zur damaligen Zeit fanden dort Versteigerungen statt und notarielle Sachen wurden dort bearbeitet.

früher Haus Rütters, Pannesheider Str. 136, 2020

Dorfschenke 2022

Der alte Zoll

befand sich in der Gaststätte Krauthausen, genannt "Zum alten Zoll“  (heute „Montana-Bar“). Im übernächsten Haus heute bewohnt von Familie Vossen, war eine Schmiede. Die Mauer und der Torbogen im Hof, der zur Schmiede führte, war noch bis zum Bau des neuen Hauses vorhanden.

  Rechts Krauthausen /Montanabar 2022

Die Roermonder Straße

Im 17. Jahrhundert nannte man die heutige Roermonder Straße Ponksteweg (die Straße, die zum Pontor führte), danach hieß sie Steinweg oder Weg.
Am 22. Mai 1783 erhielt der Abt von Klosterrath die kaiserliche Genehmigung zum neuen Straßenbau. Durch den gesteigerten Kohlenabsatz war diese Straße erforderlich, die mit einem hohen Kostenaufwand verbunden war. Die Kosten beliefen sich auf 5o.ooo pattacous  (12o.ooo Lütticher Gulden), beliehen wurden zwei Lütticher Bankhäuser.
Die Breite der Straße wurde auf 46 Fuß St. Lambertsmaß festgesetzt, (13,34 m).
Man errichtete mehrere Zollschranken um dort Wegegeld zu erheben. In Pannesheide wurde eine halbe Barriere eingerichtet. Das Wegegeld wurde nach einer bestimmten Zollordnung erhoben und diente zur Tilgung der Schulden. Ende des Jahres 1786 wurde die Steinstraße ihrer Bestimmung übergeben.
Um die Jahrhundertwende 18oo wurde eine neue große Heerstraße gebaut (die heutige Roermonder Straße), da der alte Steinweg den Ansprüchen unter der Herrschaft Napoleons nicht mehr genügte. Die Straße führte von Aachen nach Roermond. Sie war mit Pflastersteinen gedeckt, im Volksmund pavae genannt - aus der französischen Sprache le pave- der Pflasterstein -

 quer ist die Roermonder Straße

Die Roermonder Straße und das Zollamt 1954 Tram Linie 16

Der Hof Vest

Etwa 5o m von der Roermonder Straße entfernt, hinter den Stallungen des Bauernhofes Vest, war ein Kohlenschacht. Zwei Schächte sind u.a. heute noch beim Landesoberbergamt Nordrhein Westfalen verzeichnet. 1842 war die Gründung des Pannesheider Bergwerksvereins .
Bild Fronleichamsprozession:
Herr Pastor Johannes Flöck und Herr Pater Meinulf Landmann beim Zelebrieren der Fronleichnamsprozession 1950 auf dem Bauernhof Vest.
Bild Vest
Wenden wir uns jetzt dem Bauernhof Vest zu. Der Hof wurde 1786 erbaut von Martinus Vashen und Anna Maria Kuckelkorn. Der Name und die Jahreszahl sind im Torbogen und über der Haustür in Blaustein eingehauen. Ebenfalls sind die Initialen in einem Eisenring am Tor eingraviert.
Der Hof ist eine geschlossene fränkische Bauart.
19oo wurde der Hof von der Familie Wilhelm Vest erworben (die heutige Besitzerin ist Frau Witwe Maria Vest).
Der Hof hat eine reiche geschichtliche Vergangenheit. Heute befindet sich noch im Keller ein 3o m tiefer Brunnen, der noch halb gefül1t ist. Auch ist ein Backofen im Keller, der noch zu verwenden ist. Deswegen konnten in Kriegsgefahr die Bewohner des Hofes im Keller ihr Brot backen und sich so ernähren.
Die Räucherkammer (et Stauches) ist auch noch erhalten. Die rußgeschwärzten Balken und der Kamin sind noch Zeugen der Vergangenheit. Da der Hof sich an der Hauptstraße befindet, diente er zu Kriegszeiten als Wehrhof. Dort wurden die Soldaten gespeist und die Pferde getränkt. In der Zeit des Nationalsozialismus (1931 - 45) wurde jeder Hof, der mindestens 12o Morgen Land besaß, zum Erbhof bestimmt. Der jüngste Sohn erhielt den Hof so war auch der Bauernhof Vest ein Erbhof.
Während des 2. Weltkrieges war ein serbischer Gefangener auf dem Hof untergebracht. Der Hof steht unter Denkmalschutz und ist angemeldet beim rheinischen Amt für Denkmalpflege in Bonn. Er repräsentiert sich heute noch a1s sehr gut erhaltenes und schönes Anwesen.

 Hof Vest

 Hof Vest Schlußstein

Über die Autorin

Therese Schiffgens war in Pannesheide sehr aktiv. Sie kannte viele Leute, unter anderem aus ihrer Arbeit in der Pfarrgemeinde und im Kirchenvorstand. Beruflich war sie als Schneiderin unterwegs. Sicherlich gab die freundschaftliche Verbindung zu der Lehererin Adele Rothkranz den Anstoss, die Geschichten aufzuschreiben. 

Liebe Besucher der Seite, 
es war wieder einmal eine Gemeinschaftsarbeit. Herr Pfarrer Thoma hatte die Idee, diese Geschichten aus den alten Pfarrbriefen zu veröffentlichen. Er gab die Idee an den Archivar der Pfarre Christus unser Friede weiter. Er wandte sich an die geschichtsfreunde-kohlscheid.de. Gemeinsam mit dem Archiv des Heimatvereins wurden der Text neu geschrieben und Bilder gesucht oder neu fotografiert. 

Unser Dank

  • gilt Therese Schiffgens für die Sammlung und Aufschreibung der Geschichten
  • gilt dem Pfarrer Thoma für die Idee und die Genehmigung zur Veröffentlichung
  • gilt dem Archivar des Pfarrarchivs und Mitglied im heimatkundlichen Arbeitskreis des Heimatvereins Kohlscheid -Winfried Simons, der den Text aufbereitete
  • gilt Marlene Hollands für die wichtigen "Insider" Auskünfte
  • gilt Marianne Schülke, die den gesamten Text auf Fehler kontrollierte
  • gilt jetzt bereits allen Lesern die Ergänzungen, Berichtigungen und Antworten geben. 
    Bitte hier schreiben


Quellen

  • Archiv Pfarre Christus unser Friede
  • Archiv HV Kohlscheid
  • Internet, Wikipedia
  • Lexikon christlicher Kunst 1980, Herder Verlag

      Zu guter Letzt: Wenn Sie auch Geschichten über Pannesheide oder Bank oder Kämpchen und, und, und wissen, dann melden Sie sich bei uns. Wir halten gerne alles für kommende Generationen fest.

Hier könnnen Sie uns kontaktieren:

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