EHEMALIGE u HEUTIGE GASTSTÄTTEN, WIRTSCHAFTEN etc. in KOHLSCHEID
Die Sammlung ist im Aufbau
Zusammengestellt von Erich Hallmann letzte Aktualisierung: 10. Februar 2026
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einige zum Thema passende Aufsätze, Erläuterungen, Anmerkungen
zu den einzelnen Gaststätten:
Standorte und dort angesiedelte Gaststätten
Ortsgruppe einfach anklicken letzte Aktualisierung: 15.02.2026
*KO13 Alt Bayern, Markt 18, Gastwirtschaft, erste gefundene Erwähnung 1879, Eigentümer bzw. Wirt J Boymans. Ab 1890er Jahre Eigentümer und Wirte aus Familie Engels bis 1933, Fleu bis Ende 1940er, Josef Engels bis 1964, Bodden – kurzzeitig mit Engels zusammen (¾ Jahr),– großer Umbau, Saal wurde in Zimmer unterteilt, (1965–1993) Alfred Kiesling, ???? Neitzel, ???? Rossignol, ????? Fröschen (Café), bis ?????. Leerstand bis ????. Neuer Name: NOAH ab ????? - Betreiber ???? Kunz
Die Geschichte der Gaststätte „Alt Bayern“ in Kohlscheid
Ein traditionsreicher Treffpunkt am Markt 18
Einleitung
Die Gaststätte „Alt Bayern“ gehört zu den ältesten und bestdokumentierten Lokalen Kohlscheids. Über mehr als 140 Jahre war sie Vereinslokal, politischer Treffpunkt, Sportzentrale, Ort der Frühschoppenkultur. Kaum eine andere Wirtschaft taucht über viele Jahre hinweg so häufig in Zeitungen, Vereinsunterlagen oder Zeitzeugenberichten auf.
Um es vorweg zu nehmen, außergewöhnlich war die Gaststätte zu jeder Zeit. Ein kleines Beispiel - während die anderen den Montag als Ruhetag deklarierten, war Alt Bayern montags geöffnet.
- Die Frühzeit (1870er–1890er)
Die Gaststätte ist im Gegensatz zu vielen anderen nicht mit dem Namen des Eigentümers benannt, sondern nach einer Landschaft und Erinnerung an „gute alte Zeiten“ in diesem Land.
Wem das eingefallen war und wer das Haus gebaut hatte, konnten wir nicht mit Sicherheit in Erfahrung bringen.
In der alten Zeitung „Beobachter an der Wurm“ vom 21 Januar 1880 gibt es die Anzeige die unterschrieben ist von dem Wirt J. Boymans. Dieser Name ist uns bekannt aus der Gaststätte im Köhlerhof.


Die Wirtsfamilie Engels
Alltag, Feste und Kultur – Erinnerungen aus erster Hand
Josef Engels Junior:
Unsere Wirtschaft bot jeden Tag Geselligkeit
Nur ein Abend im Jahr war geschlossen: „Heiligabend – da haben wir als Familie vor dem Ofen in der Gaststube Weihnachten gefeiert.“
Ich habe zu Stoßzeiten in den Jahren 1960/70 mitgeholfen. Natürlich habe ich so allerlei im Alltag eines Wirtes mitbekommen. Ich habe mich aber doch für den Beruf des Kaufmanns entschieden.
Die Unterbrechung für meinen Vater als Wirt kam mit der Verpflichtung Polizist zu werden.
Die verpflichtung hatte der damalige Nazi, W. Zimmermann, der später auch Bürgermeister war, veranlasst. Wir waren nun im Raum Baal. Dort lernten wir natürlich alle Landwirte und Bauern kennen, was uns in der schlechten Zeit nachher zugute kam. Noch vor Kriegsende kamen wir nach Kohlscheid zurück.
In der Zwischenzeit führten andere Wirte die Gaststätte. Das Haus blieb aber unser Eigentum.
Aus den letzten Tagen der Kriegszeit vor der amerikanischen Besatzung erinnere ich eine Geschichte: Einmal kamen Regimegegner in die Wirtschaft. Nach kurzer Zeit kam mein Vater in die Küche und sagte zu meiner Mutter: „Die kalle adworm jäje die Nazis en jäje de Hitler“ (Die reden wieder gegen die Nazis und gegen Hitler). Er hatte Angst, dass es Schwierigkeiten geben könnte, und für die Wirtschaft etwas Negatives hängen bleibt. Dann ging er wieder zur Theke und wies die Leute an, aufzuhören und sofort zu gehen. Dabei waren der Leonard C aus der Südstraße und der Kommunist S und noch ein K, der machte aber mehr Blödsinn.
Zuletzt waren wir auch noch evakuiert. Meine Mutter und ich kamen nach Helixfeld. Mein Vater blieb in Kohlscheid. Nach dem Krieg wohnten meine Großmutter und Tante auch bei uns. Geschlafen haben wir die erste Zeit in der Wirtschaft.
JE beschreibt den Alltag im Alt-Bayern so:
Eigentlich war das ganze Jahr über immer etwas los. Wenn Kirmes war, dann kamen sie aus den umliegenden Ortschaften. An den kirchlichen Festen wie Fronleichnam, Ostern wurden immer ausgedehnte Frühschoppen gehalten.
Der Frühschoppen war eigentlich jeden Tag. Morgens kamen die Invaliden zum Skatspielen , mittags die Pausenmacher und die Selbstständigen, abends kamen die Leute zu ihren Treffen.
Konflikte mit Gästen gab es kaum. Wenn jemand nicht bezahlte, kam er nachher um den Deckel zu zahlen. Wenn Betrunkene von Blaschek kamen, dann bekamen die nichts zu trinken. Bei Blaschek gab es ab und zu mal eine Schlägerei. Als Schläger bekannt war der Bäckeje Matschö. Der kam einmal Wut entbrannt mit der Mistgabel in den Saal der Tonhalle hinein gestürmt. Zu uns kamen solche Zeitgenossen nicht.
Die Situation in der Nachbarschaft - Die Tonhalle war neben der Kirche, gegenüber waren Blaschek, später Kersebaum, heute Oscars.

Rechts das eckige Gebäude von "Alt Bayern", gegenüber lagen das Kino und die Wirtschaft Blaschek. Das Haus mit dem Torbogen war der Köhlerhof. Hinten im Bild war die Gaststätte "Vier Jahreszeiten". Das Viertel war ein lebendiger Kneipenknotenpunkt.
Foto: Sammlung Heimatverein Kohlscheid
Ab wann in der Südstraße die Kanalisation besteht, ist mir nicht bekannt aber dem Gedächtnis nach gab es in unserer Wirtschaft immer schon getrennte Toiletten. Anmerkung EH: 1934 wurde der obere Teil der Südstraße an das Kanalnetz angeschlossen.
Mein Vater war Geschäftsführer vom KBC. Vor dem Krieg wurde für die Spieler auf dem Hof eine Waschgelegenheit gebaut. Das war ein Wasserrohr mit vielen Auslässen. Nach dem Krieg wechselte der KBC wegen unbekannter Unstimmigkeiten das Vereinslokal.
Nach einem misslungenen Versuch der Einarbeitung eines Verwandten durch meinen Vater wurde die Gaststätte 1965 an Alfred Kießling verpachtet. Er hörte als Wirt 1993 auf.
Kurze Zeit später verkaufte ich das Haus an die Sparkasse.
Vereinsleben pur seit Ende des 19 Jahrhunderts
Ab diesem Zeitpunkt wird Alt-Bayern zu einem der wichtigsten Vereinslokale Kohlscheids.
Karneval und Gesellschaften
Bereits 1879 wird das Lokal unter dem Namen „Alt-Baiern“ erwähnt. Es liegt damals im Herzen Kohlscheids, direkt am Marktplatz. Karneval spielte eine große Rolle:
„Am heutigen Karnevalssonntag … in der Restauration Alt-Baiern ist Ball. Maskierten ist an allen Fastnachtstagen der Zutritt nicht gestattet.“
1879 23.2.;Am heutigen Karnevalssonntag hat der Kohlscheider Sängerverein in der Restauration Villa Wilsberg ein Konzert mit "theatralischen Aufführungen". der Volksverein veranstaltet in seinem Lokal ein Konzert, in der Restauration Alt-Baiern ist Ball. Maskierten ist an allen Fastnachstatagen der Zutritt zu diesen Gaststätten nicht gestattet, so auch nicht in den Gaststätten von Josef Remy in Kämpchen und bei J.J. Leuchter in Vorscheid.
1895 25.2.; Ab 12 Uhr tellt sich der Karnevalszug auf dem Marktplatz auf. Zur gleichen Zeit ist im oberen Saale des Restaurants Alt-Bayern ein großes "karnevalistisches Konzert" Für 13 Uhr erwartet man den Prinzen mit Gefolge. Im Alt-Bayern gibt Prinz Gerhard für Kohlscheid die närrische Parole aus. Dann beginnt der Abmarsch. Strecke: Markt, Oststr., Hoheneichstr., bis zum Brunnen (heute Straßeneinmündung Kreutzstr.) von hier zurück zum Markt, Südstr. , Vorscheid, Kircheich, Wilsberg, Weststr., Nordstr., Klinkheide, hier Auflösung
1895 1.12.; Wegen Auflösung ihres Vereins verkauft die Kohlscheider Turngemeinde im Vereinslokal Josef Engels sen. ihre Fahne, den Fahnenschmuck, den Barren, das Reck, und weitere Geräte.
1899: Gründung eines Theatervereins
1899 10.9.; In der Gaststätte Alt-Bayern des Josef Engels jr. Wird der "Kohlscheider Humoristische Theaterverein" gegründet. ………Im oberen Saal entsteht der „Kohlscheider humoristische Theaterverein“.
Dieses Muster bleibt: Alt-Bayern ist Bühne, Vereinsheim und politischer Treff gleichermaßen.

Nebenan hatte Frau Baumanns ihr Lebensmittelgeschäft. Im Krieg wurde das Haus beschädigt. Franz Hütten, der bei Hensen als Bauleiter beschäftigt war, hatte das Haus nebenan neu gebaut. Heute befindet sich darin der Eissalon.
Der Saal oben ging über die gesamte Fläche. Nach dem Krieg wurden dort Zimmer gebaut. Alfred Kießling hat auch oben seine Wohnung. Anfangs vermietete er auch Zimmer. Foto: Sammlung Heimatverein Kohlscheid
Heimstätte des Kohlscheider Ballspiel-Clubs (KBC)
1919 Nach dem Ersten Weltkrieg hat der KBC, Vorgänger des heutigen Fußball-Traditionsvereins das neue Vereinsheim bei "Engels auf dem Markt.“ (JA1919) Der Verein nutzt die Wirtschaft für Versammlungen und Feiern.
Politik hält Einzug
1910–1917: "Alt Bayern" Zentrum der Arbeiterbewegung
Der „Unterstützungsverein Kohlscheid“ der SPD hält sonntags Kassenstunden bei Engels ab – regelmäßig, organisiert, gut besucht.
1912 Matthias Schlösser. Funktionär der SPD und des Alten Verbandes, ist erster Vorsitzender beim Unterstützungsverein Kohlscheid. Schriftführer ist Johann Leisten. Die Mitglieder des Vereins wohnen in Kohlscheid. Klinkheide, Bardenberg, Morsbach, Horbach und Richterich. Auch die verstreuten Wohnplätze bestätigen, daß der Verein eine SPD-Organisation ist. Er hat jeden Sonntag seine Kassenstunden in der Wirtschaft von Josef Engels am Markt; die Kassengeschäfte führt der Bergmann Wilhelm Meurers Kesselesstraße 26.
Ende Juli verfügte der Verein über 230.55 M bar. 1.035.26 M waren bei der Sparkasse angelegt. Von Januar bis Juli 1912 hatte er Einnahmen von 1.038.55 M und Ausgaben von 1.639,05 M.
1930: Reaktivierung des Kriegervereins;
60 Männer kommen zu einer Versammlung im Alt-nBayern – ein beeindruckender Wert für diese Zeit.
Bereits im Dezember findet die nächste Sitzung wieder dort statt, nun unter dem neuen Pächter Jakob Schmitz, später Fleu. Der Kriegerverein nutzt das Lokal mehrfach – zunehmend politisch gefärbt.
Ein Bericht von 1933 zeigt die Stimmung jener Jahre:
„Kamerad Ochs schildert das Erwachen des deutschen Volkes. Die Anwesenden erneuern das Treuegelöbnis zur Regierung und singen das Deutschlandlied.“
Die Gaststätte wird zum Spiegel der politischen Entwicklung Deutschlands.
Gleichzeitig ist Wirt Matthias Fleu auch kommunalpolitisch aktiv und steht 1933 auf der Wahlliste.
Die Nachkriegszeit
Josef Engels übernimmt wieder 1944 das Lokal. Die Zeit der großen Bälle und Kozerte ist vorbei. Der Saal im Obergeschoß wird nur zu wenigen Anlässen genutzt.
Das Ambiente im Gastraum wurde verändert-
Ein Zeitzeugen-Zitat beschreibt das typische Alt-Bayern der 1950er:
„Die Tische weiß gedeckt, Kellner mit gesteifter weißer Jacke; zu Essen gab es wenig – Soleier. Für Kohlscheid war das Alt Bayern ein „gehobenes Lokal“.
Josef Engels erschien in den nächsten 20 Jahren seines Berufs als Wirt immer korrekt, akkurat und - vielleicht etwas steif - gar nicht locker. Bald kursierte für ihn der Spitzname : „Et Korsettemännche". Groß geschadet hat ihm das aber nicht. Seine Gäste erwarteten von ihm diese Haltung. Launenhaftes und flapsiges Verhalten entsprach nicht ihrer Erwartung.
1964 zog der neu Wirt Alfred Kießling ein. Der Gastraum bleibt bei der Übergabe und die Jahre danach weitgehend unverändert.

Auf dem Foto fehlt der schwere Vorhang als Windschuhtz im Eingang. Engels hatte einen Tisch vor der Theke. Das hatte Alfred Kießling umgehend geändert. Er wußte wieviel Platz vor der Theke sein musste.

Der Kasten mit den Blumen (Philidendron) hatte bei Alfred Kießling nicht lange Bestand. Die 6er Tische waren zum Kartenspielen zu groß. So gab es fast nur noch 4er Tische.

Alfred Kießling übernimmt 1965 das Traditionslokal.
Alfred Kießling war im Ledigenheim als Arbeiter bei EBV. Er kam aus dem Fränkischen. Nebenbei kellnerte er auf der Burg Wilhelmstein. Hier lernte er den Gastbetrieb von der Pieke auf.
Viele Kohlscheider lernten ihn dort als flinken, fleißigen und originellen Kellner kennen. Seine spätere Frau, Else Kersebaum, war auch auf der Burg im Kellnerdienst.
Irgendwann kam die Situation - Alt Bayern suchte einen neuen Wirt. Das war die Gelegenheit für die beiden.

Er versprach –
Alt-Bayern bleibt bekannt für „gepflegte erstklassige Getränke“ – Bitburger, Hannen Alt, Sester Kölsch, Weihenstephan.
Er lieferte viel mehr -
Wohlfühlort für viele Grüppchen, außergewöhnlichen Service für besondere Stammgäste und vor allem Originalität.

Anzeige in der Festschrift vom KBC zum 70 jährigen Jubiläum; Über die ganzen Jahre war der Skatclub bei Alfred zu Hause. Viele Turnier wurden ausgerichtet und für die Mitglieder standen zu festen Zeiten die Vierer Tische parat.
Für viele Stammgäste gab es besonderen Service.
Einige der alten Rentner konnten ihr Bier nicht mehr so kalt trinken. Für sie gab es den Bierstaucher. Ein kleines Behältnis, ähnlich einem Reagenzglas mit Bügel, zum Einhängen in das Bierglas, gefüllt mit warmem Wasser. Alfred kannte schnell die "Temperiert Trinker".
Für eine Stammgästin wurde ein Spezialgetränk eingekauft. Anjola – eine besondere Ananas-Limonade in einer Flasche in Form einer Ananas..
Für die Knobler wurden die Privatbecher weggestellt.
Ein altes Ehepaar kam jeden Freitagabend. Für sie wurde der Stammplatz freigehalten, nämlich dort, von wo aus sie alles einsehen konnten.
Ein Gast kam jeden Abend um 22.30h, er trank vier Bier und für ihn war die Schachtel Zigaretten der Marke Astor für den nächsten Tag parat.
Else führte für Kohlscheid etwas Besonderes ein. In der Winterzeit bot sie Muscheln an. Überhaupt gab es etwas mehr im Angebot als früher und in anderen Wirtschaften. Landjäger und selbstgemachte Frikadellen.
Alfred und Else hatten auch ein gutes Gespür für die Anstellung der Kellner. Allesamt kannten auch sie die verschiedenen Eigenheiten der Gruppen von Gästen. Das Trinkgeld stimmte, und so blieben sie über eine lange Zeit. Auch sie prägten in ihren Kellnerjacken und mit ihrem Können das Ansehen von „Alt Bayern“.
Zu nennen sind die Herren Wirtz und Herbst, die schon bei Josef Engels tätig waren und dann die Herren Langohr und Prömper und nicht zuletzt die junge Frau Liesel ?. Für Liesel war jeder Gast, ob alt, ob Jung: „Mein Gold“.
Klassischer Spruch von Kellner Prömper: „Drei achtzig – die Sache macht sich. Die meisten geben vier.“ Oder beim Servieren einer Frikadelle: „Senf ist drin“.
Einige Zeit nach Elses Tod gab es eine neue Wirtin. Alfred hatte Brigitte als neue Gefährtin. Auch sie lernte schnell die Eigenheiten der Wirtschaft kennen und wurde schnell akzeptiert.
Zu erwähnen sind noch zwei wichtige Bestandteile des Programms von Alt Bayern.
Der Frühschoppen der Selbständigen
Wilfried Bücken, selbstständiger Handwerker machte zur festen Zeit bei Alfred eine kleine Pause. Und das taten einige Selbstständige genauso. Dieser Frühschoppen entwickelt sich zur Börse für Problemlösungen. Vergleichbar mit den Beziehungen auf Golfplatz. Der Unterschied - Hilfe kam häufiger und sofort. Der LKW oder eine Maschine wurden mal eben für ein paar Stunden verliehen, Arbeitslösungen ausgetauscht, bei Terminschwierigkeiten kleine Arbeiten übernommen usw. alles im gegenseitigen Austausch.
Nicht zu vergessen die Auffrischung der guten Laune durch das eine oder andere Witzchen, vorwiegend vom Milchhändler, von dr schwazze Fränz.
Und dann noch der
Remmidemmi vor Karneval
Ohne Absprache oder Vorbereitung begann Mitte Januar an einem Freitagabend die Karnevalszeit. Einer fing an zu singen, zum Beispiel: Es lagen die alten Germanen zu beiden Ufern des Rheins. Den weiteren Text darf man heute ohne Strafverfolgung nicht mehr schreiben. Damals führte der Refrain dazu, ins Grölen zu verfallen.
Nach einigen weiteren Liedern holt der Metzger Jakob Hütten seinen Quetschbüll (Ziehharmonika) Es wurde immer doller. Neben dem Waschbecken auf dem Weg zum Klo gab es einen Abfalleimer. Er war ca. 70 cm hoch, mit einem Fußpedal für den Deckel. Dieser Eimer wurde zur Theke geholt. Er eignete sich sehr als Musikinstrument. Es dauerte nicht lange, der Eimer war kaputt. Alfred war sauer, sagte aber nichts, weil die Gäste gerade sehr gut drauf waren. Nach einiger Zeit fand sich auch jemand, der das reparierte. Alfred machte eine strafende und eine verzeihende Bemerkung. Alles war ok, es konnte weitergehen. Letztendlich feierten nicht nur die Thekensteher sondern die ganze Wirtschaft. Und das ging über einige durstige Stunden lang.
Alfred hatte immer Spaß an dem, was in seiner Wirtschaft vor sich ging. Aber ein großer Teil seiner Seele hing auch an der Kasse im Thekenschoß.
Prägend war ein Schild an der Wand hinter der Theke: Das Schild versprach bei flüchtigem Lesen Großzügigkeit. Es zeigte Alfreds Humor und Schlitzohrigkeit: Morgen Freibier
Wenn ein Fremder kam, ob alleine oder von einem Gast mitgebracht, dann kam es auf die Sympathie an, die Alfred diesem Gast zuschrieb, ob er bedient wurde und bekam, was er bestellte oder nicht. In vielen Fällen mussten die neuen Gäste erneut oder sogar viel öfter bestellen. Wer bleiben wollte, musste Ausdauer beweisen, oder aber „das Handtuch werfen“.
So funktionierte das Aufnahmeritual.
Alfred war nicht der große Rundenschmeisser auch nicht der Antialkoholiker, Im Gegenteil - über die vielen Stunden von 10 Uhr morgens bis nachts um 12, ein Uhr, löschte er den Durst auch mit dem ein oder anderen Bierchen. Letztendlich führte das zu dem Schluss. Seine Füße wollten nicht mehr mitmachen.
Wir Gäste haben das sehr bedauert. Es gingen ein Stückweit Lebensqualität und vor allem viele Beziehungen verloren.
Niemand hat die Kneipe so genannt, aber sie fühlte sich an wie ein Club mit Alfred als absolutem Chef.
Wer von ihm akzeptiert wurde, fühlte sich aufgenommen in den erlauchten Kreis der „Mitglieder“.
Der Wirt Alfred Kießling war als Original im Umkreis von Kohlscheid bekannt.
In dieser besonderen Atmosphäre konnte auch etwas für Kohlscheid Wichtiges entstehen.
Entstehung der Mafia
Dieser Absatz wurde aus Erzählungen von Herbert Topa und Wilfried Bücken, beide Handwerksmeister, zusammengefügt.
Herbert Topa:
Die Entstehung der Mafia hing mit dem Karneval zusammen.
(1979) Nach einer Versammlung der Friseur Innung gingen Hans Müller und meine Frau und ich bei Alfred Kießling noch ein Bier trinken.
An der Thekenecke stand der Günter Schmelter und klagte sein Leid. Sein Kindheitstraum - er möchte Prinz werden. Er hatte schon allerlei vorbereitet. Die im Karneval Tätigen von der CDU hätten ihn aber abgeschossen. Die wollten ihn als Prinz nicht unterstützen. Die Gründe waren mir aber nicht bekannt. Es muss wohl einen Brief geben, der bei Günter Schmelter viel Frust verursacht hatte. Er war richtig verzweifelt. Er hört icht auf zuklagen: Er hätte keine Begleitung, die Dorfspatzen würden nicht mitmachen usw.
Wir hörten uns das einige Zeit an. Da schlug ich vor: „Alfred, dann machen wir das hier. Wir führen dich hier ein als Prinz und dann machen wir eine Mafia, die dich beschützt“!
Am nächsten Morgen ging das Telefon: Wir haben uns gestern kennengelernt, Herbert, ist das wahr, was du gestern gesagt hast? Ich ließ wiederholen, was ich gesagt haben sollte. Ich versicherte, dass es kein Problem sei, den Gedanken mit dem Wirt Alfred weiter zu spinnen.
Umgehend rief ich Wilfried Bücken an. Der reagierte mit: Das machen wir.
Alfred wollte in den nächsten Tagen die Stammgäste ansprechen. Wir mussten ein Kostüm besorgen.
Die Frau von Wilfried ist Holländerin. Sie kannte die Karnevalsgeschäfte in Holland. Ein weißer Schal und sonst noch was.
Wilfried Bücken:
Der Günther Schmelter war die Ursache für die Mafia. Günter war Polizist. Er wurde auserkoren als Prinz und die Mafia wurde an einem Samstagmorgen als Prinzenbegleitung gegründet. Dabei waren der Böckens Hein, Lutz Göbbels, Herbert Topa.
Samstags wurde bis 12 Uhr gearbeitet und um halb ein traf man sich beim Alfred.
Die Kostümfrage - Schwarzer Anzug - einer hatte keinen, einer hatte zwei, Problem gelöst.
Während der nächsten Woche mussten Bibis und Fliegen und ein weißer Schal, damals noch einen Strickschal, gekauft werden. In Kirchrath gab es einen riesigen Karnevalsladen. Wir kauften auch weiße Gamaschen und Maschinenpistolen. Es wurde gekauft, das Geld wurde vorgestreckt.
Polizist Schmelter hatte die Aufgabe aus dem Polizeifundus Original Halfter zu besorgen. Wir hatten ein kleines Kostüm und Alfred musste die Leute zusammenbekommen.
Herbert Topa:
Kurz darauf ging es an einem Sonntagmorgen schon los. Alfred hatte einen Aushang:
Sonntagmorgen 11:00 Uhr Prinzenvorstellung.
Es wurden Zigarren und Rosen besorgt. Ich kannte die wenigsten aus der Truppe, die Alfred aktiviert hatte. 11 Uhr kam Phillip Dahlmanns und wir wussten nicht was passiert, wie der Ablauf sein sollte. Ein Sprecher war nicht vorher bestimmt worden. Phillip machte die Begrüßung. Der Hein Dickmeis hat mit uns was improvisiert gesungen.
Hans Gerstmann stand mit einem Geigenkasten da. Ich kannte den Hans nur wenig. Er spielte die Nummer: „Gib dem Bub die Geige nicht“. Er tippte er auf den Kasten, da fiel ein Maschinengewehr heraus. Das passte zur Mafia.
Um zwei Uhr kam der Prinz Günther Schmelter von Herzogenrath mit Gefolge.
Der Rechtsanwalt Esser aus dieser Truppe nahm nachher Kontakt mit uns auf und schlug vor, das auszubauen. Wir sollten nächstes Jahr zu ihrer Veranstaltung kommen. Wir sind aber schon im selben Jahr in Herzogenrath aufgetreten. Wir wurden überschwänglich gefeiert.
Nach Karneval schlief die Sache ein.
Aus Herzogenrath kamen aber immer mehr Anfragen. Das gab Auftrieb und wir wurden „Die Mafia“.
Unser Repertoire wurde immer größer, wir sangen immer besser. Dickmeis hatte uns richtig gut gemacht. Er wollte einen mehrstimmigen Chor. Für Karneval war das nicht nötig. Aber er wollte das so. Und das war gut so, denn wir sangen mittlerweile nicht nur zu Karneval. Die Mafia singt zum Beispiel kurz vor Karneval in der Nikolauskirche die berühmte Messe auf Öcher Platt.
Viele Jahre lang wurde jedes Jahr ein Ehrenmafiosi gesucht. Das war immer eine Person, die für den Ort Kohlscheid viel ehrenamtlich und gemeinnützig geleistet hat. Einer der ersten war Josef Aretz, der ja viel zu Kohlscheid geschrieben hat. Dieter Topa, mein Bruder, bekam den Orden weil er kostenlos den Karnevalswagen bemalt hatte.
Die Idee hatte ich von dem Wirt Ed Förster aus Richterich. Meine Frau ist aus Richterich. Wir gingen öfters sonntags nachmittags wegen der vielen Kunden, die aus Richterich kamen dort ein Bier trinken. Bei Ed Förster gab es einmal eine solche Mafia, die einen Prinzen „beschützt“ hatte.
Wilfried Bücken
So kamen wir mit dem Prinzen in die vielen Wirtschaften. Wir wurden immer bekannter und besser.
Hein Dickmeis hat sich durchgesetzt: Ich bringe Euch das Singen bei. Geprobt wurde im Jugendheim neben der Kirche. Wir waren ein Chor von 15 bis 18 Männer.
Wir traten auf und sangen ohne Bezahlung. Wir sangen in Altersheimen, in Schulen und bei Vereinen, die nicht viel Geld hatten. Wir bezahlten alles selber – Kostüme, Noten usw.
Jahrzehnte waren wir ein Stammtisch. Jetzt ist es ein eingetragener Verein, aber kein Karnevalsverein.
Am Karnevalssamstag gibt es immer noch in St. Katharina die Messe auf Platt.
Hein Dickmeis war die treibende Kraft. Musikalisch waren Jakob Hütten und von Bardenberg der Hein Mever sehr wichtig.
Unser Vereinsleben war schön. Montags war Stammtisch beim Alfred. Wir trafen uns ohne vorherige Nachfrage und und und.
Es kam vor, dass der Kevesch Will nachts anfing Kartoffel zu schälen und in der Küche der Wirtschaft zu kochen.
Wir hatten ja zwei musikalische „Hütten“ in unseren Reihen. Der eine setzte sich an die Orgel und der andere holte zu Hause den „Quetschbüll“. Und er brachte aus der Metzgerei eine Platte mit Wurst mit.
Seit der Coronazeit singe ich nicht mehr mit. Der Verein war durch Corona aber auch weil neue Ideen da waren, im Wandel.
Ich habe die Auftritte immer sehr gerne mitgemacht und bleibe der Mafia immer verbunden.
Die Mafia hatte viele Jahre bei Alfred das Vereinslokal. Hier trafen wir uns vor und nach den Auftritten. Wir waren also sehr oft bri Alfred.

1984 feierte Alfred mit seinen Gästen „20 Jahre“
1993 war dann Schluss für die Gäste und für Alfred Kiesling
Er zog mit Brigitte in ein kleines Dorf in die Eifel.

1994 Verkauf des Hauses an die Sparkasse
Umbau
Die Sparkasse beauftragte den Architekten Heins mit der Umgestaltung der Wirtsräume. Die Gaststätte bekam eine vollkommen andere Anmutung.
Alt Bayern wurde zum Bistrot. Der Eingang wurde verlegt von der Ecke zu Türe Markt. Die Theke wurde versetzt. Der Gastraum wurde neu gestaltet. In der oberen Etage wurde eine Küche eingerichtet.
Für den kommenden Absatz des Berichts fehlen noch Informationen und Bilder. Vor allem die Jahreszahlen fehlen.
Zu der Wirtin Hannelore Neitzel wissen wir einiges, aber nicht viel.
Hannelore Neitzel führte viele Jahre die Gaststätte Remy Südstraße. Nach der Neugestaltung der Gaststätte "Alt Bayern" blieben ihr ein Teil der alten Gäste aus Kämpchen treu und Alt Bayern - Gäste kamen auch wieder. Nach wie vor war montags geöffnet.
1996 In der Festschrift zur internationalen Sportwoche des KBC 1996 gibt es diese Anzeige:
Hannelore Neitzel, Bierstube,… Mittagstisch,… Gesellschaftsraum für alle Gelegenheiten,… Terrasse,…. Gutbürgeliche Küche,… Kennen Sie schon unseren Party Service? Unser Angbot für die kleine Feier (schon ab 5 Personen): Schnitzelpfanne, Stangenbrot, und Salat - pro Person: 15,- DM

Mit Hannelore Neitzel wird die Gaststätte moderner:
Mittagstisch, Gesellschaftsraum, Terrasse, Partyservice.
Rossignol, Fröschen (Café)
Zu der Wirtin Rossignol , zu dem Café Fröschen und zu der Umbenennung in „Noah`s Café“ und der neuen Bewirtung durch ? Kunz fehlen gänzlich Informationen.

Mit der Umbenennung zu „Noah’s Café“ endet eine Epoche, doch der Ort bleibt:
Markt 18 – ein Stück lebendige Kohlscheider Geschichte.
Markt
*KO14 Köhlerhof, Markt 7, Gastwirtschaft
*KO25 Fritten Fröhmer, Markt 35, Imbiss
*KO26 Matrix / Bordewin, Markt 32, Eiscafe
*KO09 Tonhalle, Markt 31, Gastwirtschaft
*KO10 Birken, Markt 7, Schankwirtschaft
*KO07 Knops, Vier Jahreszeiten, Nordstraße4, Gastwirtschaft
*KO11 Germaniasaal, Markt 49, Gastwirtschaft
*KO12 Wolter, Oststraße 41. Gastwirtschaft
*KO24 Pötgens, Oststraße Lustgarten, Trinkhalle
Bank
*B01 Bahnhofsgaststätte, Bahnstraße2, Schankwirtschaft
*B02 Krichel, Roermonder Straße 1, Gastwirtschaft
*B03 Göbbels, Haus-Heyden-Straße 103, Schankwirtschaft
*B04 Imbiss, Haus-Heyden-Straße 174, Imbiss
*B05 Sistermanns, Haus-Heyden-Straße 121, Schankwirtschaft
*B06 ? ,Banker Straße , Bar
Pannesheide
*P01 Pannhaus, Pannesheider Straße 50, Brauerei
*P03 Dorfschenke, Pannesheider Straße 61, Schankwirtschaft
*P04 Jansen, Pannesheider Straße 49, Restaurant
*P05 Grenzhof, Roermonder Straße 139,Gastwirtschaft
*P06 Gut Bau, Roermonder Straße 135, Schankwirtschaft
*P07 Krauthausen, Roermonder Straße 374, Bar
Vorscheid
*KO23 Schroiff, Südstraße 87, Resrtauration (Gasthaus, Südstraße 87, Wirt: 1906 Adam Schroiff, 1953 Hans Schroiff; Gaststätte Franken: 1964 Antionette Franken, 1985 Herschenröder Hildegard, ??? Eheleute S. und J. Klibisch, ??? Josef Martinelli ?? ; umgebaut als Wohnhaus)
1908: Der Bürgermeister beantragt für den gelernten Eisengießer und seit zwei Jahren als Wirt tätigen Adam Schroiff, (*3.3.1851) die Verleihung der Rot-Kreuz-Medaille. Schroiff war 1896 Mitbegründer und ist jetzt Kolonnenführer der Sanitätskolonne. Schroiff wurde 1883 Mitglied des Kohlscheider Kriegsvereins, dessen stellv. Vorsitzender er seit Jahren ist. Die Ehrung wird in den nächsten Jahren immer wieder beantragt. |
1909: Der Bürgermeister schlägt den Rendanten Joseph Beckers. 52 und den Gastwirt Adam Schroiff für eine Ehrung mit dem „Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen" vor. Beckers ist der eigentliche Gründer (04.03.1903) der Wehr. Als Oberbrandmeister mühte er sich unermüdlich um die Ausgestaltung und die Ausbildung der Wehrmannschaften. Auch Schroiff gehört der Wehr seit ihrer Gründung an; er ist stellvertretender Brandmeister und Führer der Steigerabteilung. Außerdem gehört Schroiff seit ihrem Bestehen der Sanitätskolonne an und ist deren Kolonnenführer. (AKo I47) Zu Adam Schroiff und Gießerei: https://geschichtsfreunde-kohlscheid.de/giessereien-in-kohlscheid/#t-1702054739542 unter dem Link Annastraße |
*KO03 Zum Aufm Kank, Forstheider Straße 62, Schankwirtschaft
*KO04 Urban, Südstraße 139, Schankwirtschaft
*KO05 Classen, Südstraße141, Gastwirtschaft
*KO30 Hauptschule Kircheichstraße 60 Saal
Rumpen Berensberg
*RB01 Ejene Bouw, Rumpener Straße 39, Restaurant
*RB02 Bindels, Rumpener Straße 115, Gastwirtschaft
*RB03 Havenith, Berensberg 16, Gastwirtschaft
*RB04 Paulinenwäldchen, Zum blauen Stein 35, Restaurant
*RB05 Kessels, Berensberger Straße 10, Gastwirtschaft
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