Radrenngeschichten in Kohlscheid und naher Umgebung



Rennklassiker in Kohlscheid 2007, Marsel Kropp an dritter Stelle

All Heil und Sturmvogel
Radrenngeschichten

Radrenngeschichten sind für uns in Kohlscheid unmittelbar verbunden mit folgenden Namen und Begriffen:
All Heil Klinkheide, Sturmvogel, Esser und Ebeling, Kropp und Kuckelkorn, Nordkurs, Bahn Holz, Berufs- und Nationalfahrer und Tour de France.
Ein Gespräch mit einigen alten Freizeitradlern brachte so viel auf den Tisch, dass es berichtet werden muss.
Zuerst noch ein Wort zu den begeisterten  Rennradfahrern. Sie trafen sich wöchentlich, um gemeinsam eine Runde zu fahren. Eine solche Runde ging zwischen 60 und manchmal über 100 Km. Manche von ihnen sind auf Mountainbike umgestiegen. Ebikes sind verpönt. Damit zu liebäugeln ist aber nicht ausgeschlossen. Neben der körperlichen Anstrengung liegt der Reiz eben auch im Erleben der Strecke.
Bei unserem Gespräch ging es hin und her. Immer mehr Radrenngeschichten kamen auf den Tisch. Marsel Kropp, Jahrgang 1967, der letzte Spross der Radfahrfamilie Kropp, lieferte weitere wichtige  Informationen. Seine sportliche Laufbahn begann sofort mit Radfahren. Mit 14 Jahren fuhr er sein erstes Rennen.


Marsel Kropp

Jacob Kropp prüft sein Rad

Nach dem Sammeln und Sichten der vielen  Informationen, nun der Reihe nach. Zuvor noch ein wichtiger Hinweis: Die Fotos und die Texte sind größtenteils aus Zeitungen und Festschriften entnommen. Leider fehlen bei vielen die Erscheinungsdaten.

Die Vereine

1919  im August, wird der Radfahrverein „All Heil, Kohlscheid”. gegründet. 1921 im Juli, wird der Verein die „Vereinigten Radfahrer Bank 1921" gegründet. 1922 erscheinen in einem offiziellen Verzeichnis aller Vereine noch die Radfahrvereine  -Frisch Auf, Südstraße-, -All Heil, Klinkheide Schulstraße-, und -Tourenclub, Markt-. 1928 wird die -Ortsgruppe Kohlscheid des Arbeiter-Radfahrerbundes Solidarität-  gegründet. Sie feiert im Januar 1929 das erste Stiftungsfest im Vereinslokal Schillings (Tonhalle). Danach gibt es keine Meldungen mehr. 1930  feiert der Radfahrverein „Frisch auf” Silvester bei Schroiff.  Das ist die letzte Information zu „Frisch auf“. 1934, All Heil richtete noch ein Rennen in Kohlscheid aus. Wann sich der Verein auflöste oder aufgelöst wurde, ist nicht bekannt. 1953 Gründung des Vereins – R.G. Sturmvogel 1953 Kohlscheid-
All Heil Kohlscheid

All Heil Klinkheide

Radfahrclub All Heil

All Heil Klinkheide; Ausflugsfahrt

Radrennen in Klinkheide

Der Verein veranstaltete natürlich auch  Rennen. Als Beispiel gilt das Rennen von November 1930. Es lief über 90 km. Für jugendliche Fahrer über 35 km. Start und Ziel war bei H. Winkens in Klinkheide. Die genaue Strecke und die Anzahl der Teilnehmer sind nicht bekannt. Welcher Aufwand für die Vorbereitung eines solchen Rennens dahinter steckt, kann man sich denken. Aber ermessen kann das eigentlich nur jemand, der schon einmal so etwas mit gestaltet hat. Absprachen und Genehmigungen einholen, Streckenposten rekrutieren, Probefahren, Absperrungen einrichten. Zeitungsmeldungen machen, Programmhefte und Plakate entwerfen und drucken lassen. Nicht zu vergessen, alle Arten von Fahrern einzuladen - Spitzenfahrer und Masse. Voraussetzung hierfür sind beste Verbindungen zu den anderen Vereinen national und international und zum Verband. Das kann der Vorsitzende nicht alleine, dafür benötigt er das beste Team. Das ist heute so und das war damals nicht viel anders. Viel anders war allerdings die gesamte Kommunikation.
Wie viele Mitglieder der Verein hatte, ist leider nicht bekannt. 

Sportliche Erfolge

Ohne erfahrene Trainer und Übungsleiter ging auch damals nichts. Im Gegenteil – auf diesem Gebiet kämpfte man ganze vorne mit. All Heil hatte wesentliche sportliche Erfolge zu verzeichnen. Es gab den Spitzenfahrer Gottfried Esser und den Berufsfahrer Karl Ebeling aus Pannesheide. (Ein weiterer Berufsfahrer, Gerd Esser kam aus Kohlscheid Rumpen und fuhr für Zugvogel Aachen.) Karl Ebeling war vermutlich mit dem Alfred Ebeling verwandt. Alfred Ebeling wird 1928 als Gewinner eines Rennens für Berufsfahrer auf der „kleinen“ Holzbahn in Heerlen genannt. Diese Spitzenfahrer waren für viele Nachwuchsfahrer Ansporn und Vorbilder.
Die große Begeisterung für den Radsport in Kohlscheid können wir nach derartigen Erfolgsmeldungen nachvollziehen: März 1929; Beim „Robert-Rüttgers-Erinnerungs-Preisrennen” siegt in der A-Klasse Gerd Esser aus Rumpen. Siegreich sind auch Karl Ebeling aus Pannesheide, Gottfried Esser und Kistermann. April 1929; Bei der Radrennfahrt „Großer Preis der Westmark” gehören aus Kohlscheid Esser und Ebeling zu den besten Fahrern. Mai 1928; 300 Fahrer starten in Köln in vier Klassen ein Pressa-Straßenrennen, das über 260 km führt. Unter ihnen sind vom „All Heil” aus Kohlscheid der Berufsfahrer Ebeling und Gerhard Esser. Esser durchfährt als erster das Zielband und wird von Dr. Adenauer und der Rennleitung begrüßt. Dabei stimmt Esser die „Kohlscheider Nationalhymne” an und singt: „Wör sönd allemole Scheeter Jonge”.
1934, „All Heil“ richtete ein Rennen in Kohlscheid aus. Im Kohlscheider Lokalanzeiger gibt der Radfahrverein „All Heil” Kohlscheid-Nord im März 1934 eine Feier zum 15-jährigen Bestehen bekannt.
Und dann noch eine Zeitungsmeldung (leider ohne Jahresangabe) zum Rennen „100 Runden im Wurmrevier“: Kohlscheid erwartet die rheinisch-westfälische Straßenfahrerklasse.
"Zum 13. Mal führt der RV „All Heil“ Kohlscheid am morgigen Sonntag seine Runden im Wurmtal durch. Also nicht rund um den Kohlenpott, sondern man hat hier mit einer Tradition gebrochen indem man als Strecke eine Runde von 940 Meter wählte. So werden denn auch die Scheeter zum ersten Mal ein Straßenrennen zu sehen bekommen, das von Start bis zum Ziel wie ein Film vor den Augen abläuft. Die Strecke wird die Teilnehmer vor keine leichte Aufgabe stellen, denn eine an und für sich nicht sehr starke Steigung, die allerdings hundert Mal gefahren, doch Eindruck hinterlassen wird, erfordert weiter vollendete Körpertechnik. Nun ja, unsere Straßenfahrer sind durch die vielen Rundstreckenrennen Spezialisten auf diesem Gebiet geworden und werden auch in Kohlscheid mit dem Kurs fertig zu werden wissen.
Wer fährt? Diesmal steht ein Name auf einsamer Höhe, der uns die Suche nach dem vermutlichen Sieger nicht schwer macht. Jakob Kropp , der großartige Aachener.“
Natürlich hat er das Rennen (100 Runden = 94 km) dann auch gewonnen.
Auch zu dieser Zeit schreibt die Aachener Zeitung: „Bei unseren beiden Berufsfahrern Ebeling und Esser zeigten sich abgesehen von einigen guten Leistungen, die nicht einmal allzu hoch zu bewerten sind, „Ermüdungserscheinungen“. Man bleibt nun mal nicht ewig jung; jeder Sportler muss einmal die Bitternis des Tages erfahren, an dem es nicht mehr so geht wie früher. Ebeling und Esser haben für den deutschen und insbesondere für den Aachener Radsport viel geleistet. Ihnen nachzueifern, soll das Ziel der kommenden Männer sein.“

Gesellschaftliche Wirkung

Der Verein war auch in der Gesellschaft für Klinkheide sehr rührig. Es fuhren auch Damen ein Rennen mit Start und Ziel bei Goertz. Und im Karneval beteiligte man sich.
Wann sich der Verein auflöste oder aufgelöst wurde, ist nicht bekannt.
All Heil Klinkheide

All Heil Damen Rennen

All Heil

All Heil Karneval, ob hier Esser und Ebeling zu sehen sind?

Radrennbahn Holz

In den 1920er und 30er Jahren waren Fahrradrennen sehr beliebt. Wie wir schon wissen, gab es in Heerlen eine Bahn und zwischen 1924 und 1954 gab es im Aachen Forst die Radrennbahn „Krummerück“.

https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-340939?pm=modellkommunen-rlp
https://aachennews.org/2021/07/01/unerwartet-entdeckt-ein-plan-von-aachens-radrennbahn-in-forst/

Im Fieber der internationalen Begeisterung errichteten niederländische Investoren 1932 eine Radrennbahn, um damit Geld zu verdienen. Als Standort haben sie ein Grundstück auf der deutschen Seite gegenüber dem niederländischen „Holz“ ausgesucht.
An "Holz" den fast rechtwinkelig nach Westen vorspringenden Grenzstück an der Neustraße, stand damit die von damaligen Experten schönste, schnellste, größte und modernste Radrennbahn in Europa. Internationale Radrennstars brachten große Zuschauermassen in die Halle.
Am 6. Mai 1933 war Eröffnung. Das schlechte Wetter hielt die vielen Radsportbegeisterten aus Belgien, Holland und Deutschland nicht davon ab, sich an der Kasse anzustellen. Frau Huijnen als Vertreterin der Investoren gab mit der Starterpistole den Betrieb der Bahn frei.  Mit dieser Pistole hatte der Starter Goldhausen weniger Glück. Durch einen Defekt des Auslösemechanismus der Pistole wurde einer seiner Finger gequetscht. Noch am Abend wurde der Finger in Aachen im Krankenhaus amputiert.

Rennbahn Holz 1933, Foto: Stadtarchiv Herzogenrath

Rennbahn Holz vor dem Start 1933
Natürlich waren die beiden Lokalmatadoren Esser und Ebeling die Garanten für hohe Zuschauerzahlen. Die Aachener Volkszeitung schreibt im Juli 1933: „Große Radrennen in Herzogenrath / Ein Bombenprogramm
Ein Zweiermannschaftsfahren über 100 Kilometer nach Art der Sechstagerennen bildet eine weitere Hauptnummer. Spitzenpaare in den Sechstagerennen des Kontinents und der neuen Welt treten an. Unter anderem Esser – Ebeling - es wird ein Kampf auf Biegen und Brechen.“
Vorne, entlang der Neustraße, flatterten bei Veranstaltungen die Fahnen: der Union Jack, die Trikolore, die Fahnen Hollands und Belgiens und - Hakenkreuzfahnen. Die Geschichte war nicht stehen geblieben. Zunächst spürte man zwar nur wenig von der neuen Zeit. Im geheimen aber glomm das politische Feuer. Als die Sportbehörden eines Tages die Teilnahme von mehr als 30 Prozent ausländischer Fahrer bei deutschen Verwaltungen generell verboten, waren die Besucher aus den limburgischen Grenzkreisen, aber auch die prominenten Gäste aus Maastricht, Lüttich. Brüssel, Antwerpen und Paris längst hellhörig geworden. Langsam begann das Interesse des Auslandes abzuflauen.
An einen Sommerabend aber geschah das weit größere Unglück. Ein Besucher wurde als gesuchter politischer Flüchtling erkannt und nach kurzer Jagd - während drinnen in der Arena der Beifall tobte - am Stacheldraht hinter der Bahn erschossen.
Zur nächsten Veranstaltung im September - man schrieb immer noch das Jahr 1933 marschierten Demonstranten an der Holz auf. Das Urteil über die Rennbahn war gefällt. Die Bahn sah noch ein paar Parteiaufmärsche und -kundgebungen.
Radrennbahn Holz 1934 mit Grube Domuniale
Nach dem II. Weltkrieg hätte man die Arena wieder benutzen können. Knöcheltiefe Flugasche der benachbarten Grube Domaniale hatte die Planken der Rennbahn konserviert. Aber jetzt begann die Bevölkerung in ihrer Not die Bahn abzubrechen. Brennholz war damals wichtiger als eine Rennbahn. Vergebens bemühte sich die Stadtverwaltung Herzogenrath, von den noch lebenden Gesellschaftern wenigstens so viel Vollmacht zu erhalten, um den Bau vor weiteren Plünderungen bewahren zu können. Vorsorglich wurde ein Wachmann in der Anlage postiert. Eines Nachts wurde der Wachmann bei seinem Rundgang erschlagen. Die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten. Im Jahre 1952 wurden die "Reste" der Radrennbahn verschrottet.

Die Familie Kropp

Der Begriff „Rennradfahren“ ist in Kohlscheid fest mit der Familie Kropp verbunden.
Die Radsporttradition der Familie Kropp, fand ihren Anfang in dem bekannten Radfahrprofi Jakob Kropp und ging über die nächsten drei Generationen weiter mit Cornel, Dieter und Marsel Kropp.
Doch zuvor einige Erinnerungen an den Kohlscheider Jakob Kropp. Er fuhr für „Zugvogel“ Aachen.
1936, Jakob Kropp gewinnt die Aachener Straßenmeisterschaft. In einem Zeitungsartikel wird er aufs Höchste gelobt.
Als 18jähriger gewinnt er die 115 Kilometer Fahrt durch die Eifel in einer Zeit von 3:31:40 Stunden
Den „Dürkopp“ Wettbewerb beendet er als Zweiter. Auf dem Foto rechts der junge Jakob Kropp.

Interessant am Rande: Auffallend der üppige Siegerkranz und die Blicke der Funktionäre.

1937, die Zeitung erwartet von ihm den Gewinn des Westmarkpreises. Dieses Rennen wird seit 1923 gefahren. „Ein neuer Mann, Jakob Kropp steht zurzeit im Mittelpunkt radsportlichen Geschehens. Nach zehn Jahren ist erstmals wieder ein Aachener in der Deutschen Nationalmannschaft.“  
Der „Rechtsrheinische Straßenpreis“, der in Köln über 88 km gefahren wird, bringt ihm eine weitere Ehrung. Erstmals berichtet die Zeitung auch über eine rege Teilnahme der HJ am Rennen.

Jacob Kropp

1939 Als Vorschau auf die Rennsaison bringt eine Aachener Zeitung das „Radsportgeflüster 1939“. Natürlich wird wieder auf den „Wehrmachtsangehörigen“ Kropp gesetzt. Viele seine Mittbewerber fallen aber wegen der Militärzeit aus.
Wie es ihm in den folgenden Jahren gegangen ist, konnten wir nicht ermitteln.
Auf alle Fälle gründete er den RV „Endspurt“ in Kohlscheid.
1951 dann, kam es zu dem tödlichen Unfall bei einem Bahnrennen auf der Bahn in Krummerrück.
Marsel Kropp bewahrt als Andenken an Jakob den Helm, den er beim Unfall trug.

R.G. Sturmvogel 1953 Kohlscheid eV

Cornel Kropp, der Neffe von Jakob Kropp, bemängelte die Arbeit des RV Endspurt. Seiner Meinung nach verwirklichte der Verein nicht das Vermächtnis des Gründers Jakob Kropp. Cornels Idee, einen neuen Verein in Kohlscheid zu gründen, schlossen sich viele an.  (Siehe Bild,)
1953 war es soweit. Zusammen mit Ludwig Horbach, H. Knauf und Peter Breuer wurde Cornel Kropp als Vorstand des "RG. Sturmvogel 1953 Kohlscheid eV" im Vereinsregister eingetragen. Mitgründer waren unter anderen der Wirt Hubert Harff, Arno Westermann und sein Vater und Großvater, Arnold Bechholz, Cornel Polz.
Der Sturmvogel  wurde zum Ausrichter des berühmten Rennens zum Gedenken an Jakob Kropp. Nicht zuletzt fand der Verein Beachtung, weil der Fahrer Helmut Kuckelkorn von „Endspurt“ zu „Sturmvogel“ wechselte.

Ganz links Dieter Kropp, 3. von links Arno Westermann, Mitte sitzend Cornell Kropp, 6. Von rechts H.Kuckelkorn

RG. Sturmvogel - Mitglied im Bund Deutscher Radfahrer

Der Verein war ab 1953er bis in die 2000er Jahre durch seine jeweils Ostern stattfindenden Jakob Kropp Gedächtnisrennen einer der bekanntesten Radsportveranstalter im Raum Aachen. Schon 1954 gab es den Pokal einer Stiftung der Gemeinde Kohlscheid für die „Jakob Kropp Erinnerungsfahrt“. Dieser Pokal, auf den der Verein mit Recht sehr stolz war, schmückte lange Zeit (neben vielen anderen) das Vereinslokal H. Harff, in der Südstraße.
Ab 1953 rollten unzählige Räder der Rennmaschinen von Radrennfahrern mit renommierten Namen über die Rennstrecke des traditionellen Nordkurs der R.G. Sturmvogel Kohlscheid. Radrennmatadore aus vielen Ländern waren am Start.
Durch die Initiativen des Sturmvogels wurden zahlreiche Radsportveranstaltungen als Querfeldein- und Berufsfahrerrennen sowie Abend-Kriterien vom Verein selbst und befreundeten Vereinen abgehalten.
Als Beispiel hier der Verlauf der 9. Touristikfahrt Rund um den Selfkant.
Von Beginn an war die Arbeit mit dem Nachwuchs von allergrößter Wichtigkeit. Die Vereinsmacher wussten: Ohne diese Entwicklungsarbeit stellen sich keine Erfolge ein.
Dieser Verein setzte sich durch. Als Mitglied im Bund Deutscher Radfahrer hatte man eine gewisse Verpflichtung, die man im Vergleich mit anderen Vereinen übererfüllte. Die gewaltige Nachwuchs- und Trainerarbeit, die Veranstaltungen von Rennen vieler Arten und nicht zuletzt die gesellschaftlichen Aktivitäten brachten viel Ruhm und Anerkennung. Die Bindung der Mitglieder und Fahrer jeglichen Alters an den Verein war entsprechend hoch.
Die Devise des Vereins ging voll auf:
„Wenn sich alle darüber klar sind, dass ein Verein nur durch aktive Mitarbeit mit Leben erfüllt werden kann, wird die RG. „Sturmvogel“ auch weiter eine führende Rolle im Radsport einnehmen können.“
Zwei Auszüge aus der Festschrift -35 Jahre Sturmvogel-:
1980 übernahm Cornels Sohn Dieter das Ruder. Er kannte den Verein bis ins kleinste Detail. Als Fahrer kannte er die sportliche Seite und als Sohn die Aufgaben des Managements.
Marsel Kropp war bis 2008 als Geschäftsführer im Verein tätig.  1996 bereits zog er mit seiner jungen Familie nach Eschweiler. 2004 organisierte er das Gedächtnis Rennen und fuhr selbst mit. 2008 wechselte Marsel als Fahrer in den Verein RSV Düren.

In der Zwischenzeit bildeten sich einige Freizeitgruppen, die regelmäßig ihre Runden gemeinsam drehten. Vereinsarbeit als solche wurde nicht mehr geleistet.
2013 löste sich der Verein auf.

Rückblickend folgende Feststellung :

Die Familie Kropp war über mehrere Generationen und viele Jahre lang der Antrieb des Radrennvereins „Sturmvogel - Kohlscheid“. Die Kropps verstanden es, ihre Begeisterung für den Radsport auf viele überspringen zu lassen.
Und heute?
Auch wenn der Sturmvogel nicht mehr existiert, der Radsport hat in Kohlscheid immer noch einen hohen Stellenwert. Nicht zuletzt durch das Fachgeschäft und die Aktivitäten von Achim Gülpen. Er selbst hat bei Sturmvogel angefangen und im Laufe seiner Karriere als Nationalfahrer viele Erfolge eingefahren. Er kannte sie alle, die Kropps, den Helmut Kuckelkorn, die vielen Helfer und die fleißigen Arbeiter im Sturmvogel. Und nicht zu vergessen, er weiß um die Begeisterung der vielen ehemaligen Fans des Vereins und der vielen Freizeitfahrer.

Bedeutende Fahrer

Die A Jugendmannschaft von 1957

Diese sechs jungen Sportler leisteten die Erfolgsarbeit zu Beginn
Cornel Kropp 1957: „Die hinter uns liegenden Jahre sind durch Harmonie  und Kameradschaft innerhalb des Vereins geprägt.“
So wurden die sechs regelmäßig zu den großen Rennen geschickt. Alle errangen immer ansehnliche Siege oder Plätze.
Dank der guten Betreuung im Verein, ihrem Talent und Trainingsfleiß entwickelten sich dann Dieter Kropp, Helmut Kuckelkorn und August Korte zu Spitzenfahrern. Man sprach von den „drei K aus Kohlscheid“.
Bedingt durch die beiden Radfahrprofis Dieter Kropp und Helmut Kuckelkorn, wurde der „R.G. Sturmvogel“ weit über die Grenzen hinaus bekannt.
Ein Zeitungsausschnitt aus dem Jahr ? belegt den stolzen Auftritt des Vereins und der jungen Fahrer :

Dieter Kropp, Jahrgang 1938

Als Jugendfahrer errang er 45 Siege.
1958 konnte er in einem Rennen über 136 km den amtierenden Deutschen Meister Fischerkeller (Köln) schlagen. Für diesen Sieg erhielt er das „Goldene Rad der Stadt Idar Oberstein“ eine der damals begehrtesten Trophäen im Radsport.
1959 siegte er beim Rennen -250 km rund um Hannover –
Insgesamt erreichte er 58 Siege.

Dieter Kropp stolz im Trikot der Natinalmannschaft

Dieter Kropp war Kohlscheids Held in vielen Straßenschlachten. Die Zeitungsmeldungen überschlugen sich, wenn sie über die spannenden Aufholjagden, Ausreißerattacken, taktisch klugen Berganfahrten und vor allem über die exzellente Zusammenarbeit mit den anderen Kohlscheider Fahrern dramatisch berichteten.
1961, eine Knieverletzung war die Ursache für das Ende der aktiven Laufbahn.
So hatte die berühmte Kohlscheider Phalanx, die „drei großen K“  (Kuckelkorn, Kropp, Korte) aufgehört zu bestehen.


August Korte, Jahrgang ????

Er war das große Talent im Schatten von Dieter Kropp und Helmut Kuckelkorn. Aber er gehörte zu der Super Straßenmannschaft, die alles zu schlagen im Stande war.

Helmut Kuckelkorn, Jahrgang 1937

Die größte Bekanntheit in Kohlscheid, im Bezirk, in Deutschland und International hatte Helmut Kuckelkorn.
Nachdem sich seine Siege bei den Jugendrennen häuften, wurde er gefördert. Er gehörte zu den Talenten, die sich nicht zu quälen brauchten. Bei einer Fahrt mit Freunden zum Schwimmen an den Rursee bemerkte er dieses Talent. Von da ab fuhr er zielgerichtet Sieg um Sieg ein. 
Mit dem Rad, der Taktik im Rennverlauf, den anderen Fahrern wusste er umzugehen. Aber als junger Mensch passierte ihm ein gravierender Fehler im Umgang mit den Funktionären.
Franz Josef Küsters, der den Helmut 20 Jahre nach seiner aktiven Zeit besuchte, schreibt: „1956 fuhr er in der Straßen Nationalmannschaft. Die Zeit des großen Erfolgs hatte begonnen. An das Auf und Ab in der Nationalmannschaft denkt er heute amüsiert zurück. Er war nämlich zunächst einmal so schnell raus wie er reingekommen war.
Als er sich in Hannover beim Conti-Preis über das Präsent für den vier Platz, eine wertvolle Kaffeegarnitur (Was fängt man als neunzehnjähriger schon mit einem silbernen Kaffepott an“) mokierte, wusste er nicht, dass es die Frau des BDR Präsidenten Ewert war, die ihm den Pott überreicht hatte. „Unsportliches Verhalten“ wurde ihm vorgeworfen, aber ein Jahr später fuhr er dennoch wieder in Schwarz Rot Gold. „Die kamen doch an mir nicht vorbei“ grinst er. Zur WM 1951 nach Zandvoort durfte er dennoch nicht. Ewert befand, er spreche ein zu schlechtes Deutsch. Schließlich könnte er ja mal aufs Treppchen kommen und das mache dann für den BDR einen schlechten Eindruck.“

Helmut Kuckelkorn im Nationaltrikot

1961 wurde er Profi bei dem Ruberg Rennstall. Er war Wasserträger für den luxemburgischen Spitzenfahrer Lui Gillen. In dieser Rolle fuhr er die klassischen Rennen in Europa. In einem Sommer fuhr er 37 Rennen. Dann kam das große Rennen - die Tour de France. Er fuhr mit. Leider musste er nach einem gebrochenen Wirbel in der vierten Etappe aufhören.
Er wechselte 1962 noch zum Rennstall Groene Leeuw in Belgien, aber der Wirbelschaden brachte das Ende der großartigen Laufbahn.

Sieger beim Querfeldeinrennen; man beachte den Lenker

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere fährt er souverän in Kohlscheid als Profifahrer den Nordkurs.
(Als Spiegel der Zeit hier die komplette Zeitungsseite mit auch anderen Sportberichten)

Richtung Roubaix: Kuckelkorn (L) und Mahe kämpfen um den Anschluss ans Hauptfeld

Marsel Kropp hat Helmut in guter Erinnerung:
“Ich habe ihn als aufrichtigen immer gut gelaunten Menschen erlebt, der immer eine Geschichte aus den vergangen Jahren zu jeder Situation parat hatte. Er hat viele Menschen zum Lachen gebracht - er war einfach ein Original“.


Marsel Kropp, Jahrgang 1967

mit 14 Jahren fuhr er für den Sturmvogel sein erstes Rennen. Trainiert wurde er von seinem Vater Dieter.
Bis 2008 fuhr Marsel Kropp in der Amateurklasse für den RG Sturmvogel Kohlscheid. Danach bis 2013 für den RSV Düren.
2004 lieferte er ein Glanzstück ab. Als Geschäftsführer des Sturmvogel plante und organisierte er das große Rennen in Kohlscheid. Nicht genug damit, er fuhr auch selbst mit und konnrte es gewinnen. Eine sehr gute Schilderung dieser Glanzleistung bringt die Aachener Nachrichten unter dem Titel: Siegerqualität vor und bei den Radrennen  

2005 konnte er noch für den Sturmvogel den Bezirksmeister Titel erlangen.

Marsel mit Trikot Team Kohlscheid

Seine Laufbahn setzte er als Fahrer beim RSG Köln fort. Die Mannschaft des Vereins kämpfte auch in der Bundesliga mit.

Cornel Bücken, Jahrgang 1951

Alle kennen ihn als Steinmetz in Kohlscheid. In jungen Jahren war er begeisterter Radrennsportler. In den 1970er Jahren war er Mitglied der Straßenradsport Nationalmannschaft. Er gewann einmal das Rennen „Rund um Köln“, belegte bei vielen Rennen vordere Plätze und fuhr ebenso bei internationalen Wettbewerben mit.
Die Steinmetzen Cornel Bücken und sein Sohn Sven schufen ein Denkmal für einen verstorbenen Freund. Die Skulptur  ist die Erinnerung an keinen geringeren als den bekannten Radsportler Rudi Altig.
2018 schreibt Brigitte Doetz (ehemalig Leichtathletin bei DJK Kohlscheid) zur Radszene in der Region und zu Cornel Bücken.


Die Begeisterung für den Radsport in den 50er und 60er Jahren

Um ein wenig die Begeisterung einzufangen, hier einige Presse Schlagzeilen Berichte und Bilder aus den Sammlungen von Jaki Gilliam und Marsel Kropp. Leider fehlen bei einigen das Datum und der Name der Zeitung.  

D Kropp, H Kuckelkorn mit drei weiteren Nationalfahrern Foto: J. Schmitz

Juli 1959, beim Sechsländerkampf am Aachener Hangeweiher: Als Weltmeister Gustav Schur aus Leipzig mal nicht von den Autogrammjägern umlagert war, stellte er sich mit vier Fahrern der Nationalmannschaft den Fotografen.
Von links: Dieter Kropp, Helmut Kuckelkorn, Walter Berens, „Täve“ Schur und Ludwig Troche
Als Beispiel ist hier ein Artikel, der uns gut in die Szene einführt, komplett zitiert.

"Keiner konnte Kuckelkorn folgen
Kohlscheider Doppelerfolg beim letzten Radrennen der Saison
Mit dem „Großen Kohlscheider Herbstpreis“, einem Amateurrundstreckenrennen über 56 Kilometer, das die RG Sturmvogel, Kohlscheid, am Samstagnachmittag auf einer neuen, nur 700 Meter langen, aber idealen Rennstrecke im Aufschließungsgebiet Kohlscheid-Hoheneich durchführte, ging für den Aachener Bezirk die diesjähige Saison zu Ende. Dieser Ausklang wurde zu einem Rennen eines Fahrers, des 20jährigen, stämmigen Kohlscheiders Helmuth Kuckelkorn. Bereits in der zweiten der 80 Runden gelang es Kuckelkorn, sich vom Feld zu lösen, zu einem Zeitpunkt, als der schärfste Rivale, Dieter Kropp, in einen Sturz verwickelt war. Und dann fuhr Kuckelkorn ein großartiges Rennen. Ganz auf sich allein gestellt, drehte er die Runden auf der kurzen Strecke, und in keiner Runde stoppte man für ihn Zeiten, die über einer Minute lagen. In der 27. Runde überrundete Kuckelkorn das gesamte Feld und setzte sich erneut an die Spitze. Eine dramatische Wendung schien sich in der 38. Runde anzubahnen, als Kuckelkorn in einen Massensturz eingangs der Zielstraße verwickelt wurde. Dieter Kropp witterte seine Chance und zog ab, um etwa eine halbe Runde gegenüber Kuckelkorn gutzumachen. Kropp vermochte sogar seinen Vorsprung in den“ nächsten Runden noch zu vergrößern, aber dann zeigte es sich, dass Kropp nicht groß in der Alleinfahrt ist. Als er einsah, dass er doch nicht zu Kuckelkorn aufschließen konnte, ließ er sich ins Feld zurückfallen. Indes arbeitete sich Kuckelkorn wieder  einer prächtigen Alleinfahrt, in der lediglich zwei mehrmals überrundete Fahrer an seinem Hinterrad blieben; ohne auch nur über kurze Strecke die Führung übernehmen zu können, an das Feld heran und hatte damit wieder Rundenvorsprung. Der Kampf um den zweiten, Platz war eine, klare Sache des spurtstarken Kropp, so dass der Kohlscheider Kehraus. mit einem Kohlscheider Doppelerfolg endete. Die Organisation durch den Verein war ausgezeichnet und die Unterstützung durch Polizei und Deutsches Rotes Kreuz wie immer anerkennenswert.
Jugendklasse A über 21 Kilometer 30. Runden): 1. Hans Basten (RV Broichweiden) in 31,05 Minuten; 2. Herbert Bloch (RV Broichweiden); 3, August Korte (Sturmvogel Kohlscheid); 4. Günther Reimann RV Würselen); ----------
Hauptklasse über 56 Kilometer (80 Runden): 1, Helmut Kuckelkorn (Sturmvogel Kohlscheid) in 1:23,41 Stunden; eine Runde zurück 2. Dieter Kropp (Sturmvogel Kohlscheid); 3. H. Verhaert (Zugvogel Aachen); ------------"

Sensation – Eine geschlossene Schranke stoppt die Spitze.

Der Beschriftung auf der Rückseite des Bildes ist nicht hinzuzufügen.

Anmerkungen:

Die Räder

Wie schwer war damals ein Rennrad? Zu Kuckelkorns Zeiten wog ein Rad 12 bis13 Kilo, heute 6 bis 7 Kilo wegen Carbonrahmen
Bezahlte der Verein die Räder? Nein
Wo kauften die Fahrer die Räder? Im Fachgeschäft (Es gab in Kohlscheid laut Adreßbuch 1950: Eisenwaren Josef Eichenbaum Südstr., Eisenwaren Eck Weststraße) Wer weiß hierzu mehr?
Wurden die Räder dem Körper angepasst? Ja, damals auch schon
Wer wartete die Räder? Die Fahrer selbst bzw. das Fachgeschäft
Gibt es Fotos von damaligen Rädern? Wir suchen solche Fotos. Wer kann rund um das Thema Radrennsport Fotos beisteuern?
Einige Informationen zur Entwicklung der Rennräder in den letzen 100 Jahren:
https://www.roadbike.de/aktuelle-rennrad-neuheiten/ 
https://www.fahrrad.de/info/entwicklung-des-fahrrads/

Einige andere Namen für Radvereine:

RV Staubwolke Fichten-Krefeld, KSC Schmitter 1930 Köln, RSC Adler Köln, Neußer Radfahrverein 1888, RC Schwalbe 03 Solingen, RSC Zugvogel 09 Aachen

Dank an:

J. Gilliam, der mit vielen Geschichten begeisterte. Er stellte viele Zeitungsberichte zur Verfügung
Marsel Kropp, der sein Archiv weit öffnete und viele Bilder und Zeitungsberichte beitrug. Er redigierte auch den Bericht und korrigierte an vielen Stellen.
Marianne Schülke, die wiederum den geamten Bericht mit Adleraugen gelesen hat und nach Fehlern absuchte.
die vielen Reporter und Schreiber der zitierten Zeitungsartikel

Quellen:

Stadtarchiv Herzogenrath
Super Sonntag, Aachener Nachrichten , Aachener Volkszeitung, Bild Zeitung
Archiv Heimatverein Kohlscheid
Sammlung Schümmer Klinkheide 

Aufruf:

Wer kann noch Weiteres über All Heil berichten oder hat alte Fotos?
Insbesondere Fotos und Geschichten von Esser und Ebeling werden gesucht.
Wer kennt die Strecke der Rennen von All Heil?
Wer weiß etwas über das Ende des Vereins All Heil?
Wer hat noch weitere Details zum Sturmvogel?

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