Pannesheider Geschichten erster Teil



Teil 1 von 3

Pannesheider Geschichten von Therese Schiffgens


Anregung mit zu forschen und zu berichten

Liebe Besucherinnen und Besucher,
dieser Bericht soll Ihnen Spaß machen und Sie gleichzeitig zur Mitarbeit anregen.
Therese Schiffgens sammelte Pannesheider Geschichten. 1983 wurden sie in den Pfarrbriefen der Pfarre St. Barbara veröffentlicht. Die Pannesheider waren damals über vieles sehr erstaunt.
Die Geschichtsfreunde und Heimatkundler des Heimatvereins haben entgegen der Gepflogenheiten die Texte ungeprüft  übernommen; lediglich etwas übersichtlicher gegliedert. Deshalb finden Sie Anmerkungen und Fragen passend zu jedem Thema in der rechten Spalte.
Wenn Sie als Bestätigung oder Ergänzung etwas wissen, dann kontaktieren Sie uns bitte. Wir werden Ihr Wissen dann in den Bericht einbringen, damit er immer "perfekter" und "kompletter" wird.  
Ein Wort zu den Fotos - die Bilder aus dem Originalbericht konnten wir nur teilweise zeigen. Als Ersatz haben wir neue oder andere alte Fotos in die Anmerkungsspalte gebracht. Sie wissen - wenn Sie alte Bilder von Pannesheider oder Kohlscheider Ansichten besitzen, dann freuen wir uns über jede Genehmigung oder Spende.
Nun viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Forschen in Ihren Quellen.

links ist jeweils der Text von Therese Schiffgens aus 1983/84
rechts sind die Anmerkungen und Fotos:

So entstand die Ortsbezeichnung Pannesheide

Vor Jahrhunderten war hier das „Ländchen zur Heyden". In der 0rtsmitte befand sich das Pannhaus, im Volksmund genannt „Pannes“ und am westlichen Ortsausgang von Pannesheide stand „Haus Heyden“.  Aus den beiden Namen: Haus-Heyden und Pannhaus (Pannes) entstand die Ortsbezeichnung Pannesheide.
Bis etwa 1908 war Pannesheide für die hiesige Umgebung der Mittelpunkt. Am 29.9.1908 wurde durch Erlass des Königs der Name Pannesheide in Kohlscheid umgewandelt.
Die Industrie hatte sich nach Kohlscheid verlagert und Pannesheide hatte nur noch historische Bedeutung.

unsere Anmerkungen:
aus dem Archiv des HV Kohlscheid
Der Erlaß des Königs:

Beginnen wir mit dem Handörnchen

Das sogenannte Handörnchen war ein altes Wegekreuz, umgeben von einem Weißdorn (Hagedorn). Es befand sich Ortsausgang der Siedlung Mühlenbach. So manches hat das Handörnchen im Laufe der Jahrhunderte gesehen und über sich ergehen lassen müssen. Dort zogen Bauern und Kaufleute mit ihren Waren, sowie Soldaten und Ritter vorbei.
Auch war das Handörnchen Treffpunkt der Bockreiter, welche auch dem Heydener Ländchen zu schaffen machten. Dort haben sie ihre Überfä1Ie geplant, und dort haben sie nach vollendeter Tat ihre Beute verteilt.
Im Jahre 1787 passierte eine der ersten Postkutschen das Handörnchen.
Es begann eine niederländische Post mit Kurpfälzischer Konzession. Ihre Fahrten gingen von Aachen aus, vorbei am Handörnchen in Richtung – Herzogenrath – Geilenkirchen – Roermond - Venlo .....  Wegen dieser Gegebenheiten hat das Handörnchen für Pannesheide eine geschichtliche Bedeutung.

unsere Anmerkungen:

Foto E Hallmann

Link Wikipedia Hagedorn

Frage: Wo finden sich Belege für die Postkutschen Linie Aachen  - Venlo ....?

Oberhalb der Kirche hieß es an der Katz

Hier beginnt auch das Viebesjängsje der Viehwaaggang. Dort wurde früher das Vieh zur Viehwaage durchgetrieben. Gegenüber war das Viehwaaghaus, Ecke Heydenstraße / Stegelstraße. Zuletzt wurde es von der Familie Hessenmüller - Mülhberg bewohnt. Es hieß hier An der Viehbesch. Hier war auch ein alter Brunnen.


Rechts vom Ausgang Viebesjängsje wo jetzt das neue Haus entsteht, stand wohl eines der ältesten Häuser. Es gehörte der Familie Pannhausen. Hier waren die Bürgermeisterei und das Standesamt zu Pannesheide.
Links vom Ausgang Viehbesjängsje war die Zehnerscheune, die ebenfalls der Familie Pannhausen gehörte.
Die Bauern mussten damals 1/1o ihres Ertrages abgeben. (Laut damaliger Gesetze)
Am Pool
In der Haus-Heyden-Straße, zwischen Ehrenmal und dem jetzigen Hausneubau, nannte man das damals am Pool, weil sich an dieser Stelle ein großer Weiher befand. Beim Ausschachten des neuen Hauses konnte man noch genau erkennen, dass das Erdreich nur mit Mutterboden angefüllt war.

unsere Anmerkungen:

Viehbesjängsje von Kirche aus

von der Heydenstraße aus

Blick von der Heydenstraße in die Stegelstraße

rechts und links vom Viehbesjängsje

Frage: Wo ist die Stelle am Pool?

Im Stegel (Stegelstraße)

Da wo es zu den Häusern 92 bis 100 geht, im letzten Haus, heute bewohnt von der Familie Scheeren, begann im Keller ein unterirdischer Gang, der zu Haus-Heyden führte.
Der Gang diente als Auswegmöglichkeit für die damals dort hausenden Bockreiter. Am Haupteingang von Haus-Heyden, direkt an der rechten Seite, in einer der Stallungen, war der Ausgang des unterirdischen Ganges.
Außerdem ist von den Häusern 92 bis 100 noch zu berichten, dass dort ein Fußpfad zum Heydener-Wald zu einer Quelle führte. Der Pfad war am Anfang und am Ende durch einen Stegel passierbar; dadurch entstand der Name Stegelstraße. Früher holten die umliegenden Bewohner an dieser Quelle Wasser. Man nannte es Im sauren Dresch.
Wo früher Bauer Foxen war, sagte man En dr Has.

unsere Anmerkungen:

Haus Stegelstraße 100

Erklärung zu Stegel in Wikipedia
Den Ausdruck Em sauren Dresch findet man in alten Karten
Frage: wo war der Bauer Foxen?

Am Nordausgang von Pannesheide

in der Nähe vom alten Wegkreuz, liegt der Bauernhof  Franssen, genannt Am Pütz.  Ganz früher nannte man es op dr Lues (Lohnaus). Vor 1847war dort eine Gerberei. Der Name Lohhaus kommt von Eichenlohe, womit die Felle gegerbt wurden.

Der Bauernhof Wolfs, Gut Heiligenhaus, besteht seit 1805. Das Wegkreuz gehört zum Hof. Vom Bauernhof Bischops ist nur ein etwa 3oo Jahre alter, versiegter Brunnen erhalten geblieben, der 12 m tief ist. In der näheren Umgebung gab es noch einige Brunnen und an der Schule war eine Pumpe. Damit wurden die Bewohner damals mit Wasser versorgt.  
Erst 1911-1912 wurde in Pannesheide der  Hauptwasseranschluss gelegt.

unsere Anmerkungen

Hof Franssen

aus dem Archiv HV Kohlscheid zu Gut Wolf

Gut Mühlenbach

In der Nähe der Siedlung Mühlenbach in Pannesheide liegt wohl einer der schönsten und auch ältesten Gutshöfe umrahmt von hügeligen Wiesen „Gut Mühlenbach“.
Jahrhunderte und viele Generationen überstand dieses schmucke Anwesen. Es ist eine geschlossene fränkische Bauweise.

Historie Gut Mühlenbach

Gut Mühlenbach wird bereits 1241 urkundlich erwähnt. Das Aachener Münsterstift übertrug damals Gottfried von Mühlenbach 43 Morgen Land, gelegen in Vetschau und in der Soers, gegen eine Erbpacht, Es hieß auch zur damaligen Zeit „Gut Müllenbach“  Um das Jahr 14oo hieß der Besitzer Goddard von Müllenbach. Am 15.April 1549 wurde Dietherich von Streithagen zu Mülllenbach mit dem Hofe Mütllenbach nach Absterben seines Vaters belehnt.
Gleich im Hausflur ist ein wunderschöner Treppenaufgang mit geschnitzter Rosenranke im Rokokostil.
Rechts vom Treppenaufgang befindet sich ein Erinnerungswappen von Johannes von Streithagen, welcher am 26.8.1625, verstorben ist. Er hat eine Zeitlang auf Gut Mühlenbach gelebt. Es wurde für ihn eine Totentafel angefertigt - ein Wappen mit Kreuz und Hut und ein
Harnisch (Teil einer Ritterrüstung). Die Totentafel ist heute noch im Besitz der Geschwister Berck, welche auch jetzt die Besitzer des schönen Gutes sind. 
Die Totentafel befindet. sich noch einmal irgendwo am Rhein, da Mitglieder der Familie von Streithagen  auf einer Burg am Rhein gelebt haben. Von Streithagen waren verschwägert mit der Familie von Ottengrafen in Uersfeld – Uersfelder Herrenhaus (Wasserburg).
Johannes von Streithagen   wurde in der Dominikanerkirche St. Nikolaus zu Aachen in der  Krypta beigesetzt. Es wird auch ein Junker Abraham von Streithagen genannt.

 Das Herrenhaus

Das heutige Herrenhaus besteht seit 1788- Zur linken Seite des Haupteinganges war der Ratssaal. Es ist ein länglicher großer Raum mit Tonnengewölbe. Von dort aus kommt man in eine alte Schmiede mit Esse und Amboss. In diesem Raum befinden sich auch zwei große Mühlsteine.
Im Haus sind noch alte Kamine und sehr schmale Nebentreppen vorhanden.
Das Herrenhaus geht ins Gesindehaus  Es besteht auch ein altes Backhaus. Dieses gehörte zum Wirtschaftsgebäude und war noch bis vor einigen Jahren in Betrieb. Vom Backhaus aus ging ein unterirdischer Gang bis Haus Heyden. Der Eingang war noch bis 1938 vorhanden und war ein ausgemauertes Gewölbe.

Der Garten

Tritt man hinaus in den Garten, so sieht man ein von Efeu und Weinlaub umranktes Herrenhaus mit den Stuhbogen ?-Fenstern, eingerahmt in Blaustein. Auf der rechten Seite war eine Hauskapelle. Unter der Altarnische soll die Grabstätte eines derer von Streithagen sein.
Der Garten ist umgeben von uralten Mauern. Es ist ein typischer Bauerngarten mit einem Rondell in der Mitte. Er ist in vier Felder, die mit Buchsbaum eingefasst sind, eingeteilt.  
Im Rondell ist eine Sonnenuhr auf einem mit Steinmetzarbeiten gezierten Sockel, der die Jahreszahl 1791 und die Zeichen MM aufweist. Der Schlussstein der Scheune trägt die Jahreszahl 1757 J.H.S.+.

Die Scheune

Die Scheune ist etwas 30 m lang. Die Dachbalken sind grob bearbeite ineinander gefügte dicke Baumstämme. Der Dachstuhl beweist das große handwerkliche Können der damaligen Zeit.

Die aktuelle Nutzung

Seit 19o1 wird der Hof bewirtschaftet von der Familie Remy (heute von Josef Remy). Es ist bereits die dritte Generation, die hier ansässig ist und Haus und Hof bestens verwaltet.
Die heutige Hofanlage stammt aus dem 18. Jahrhundert und steht unter Denkmal-Wertschutz

unsere Anmerkungen:

Gänse von Gut Mühlenbach

Heckenfigur 1980 

Heckenfigur 2021

Zugang zum Hof 2021

Schlussstein: Anno 1786 darunter ein Kreis mit einem Stern mit 8 Spitzen. In dem Stern ein Kreuz und IVS. (meistens wird IHS geschrieben, was bedeuted IVS?)

Gußtafel am Backhaus angebracht: 1657 und vermutlich "Johannes von Streithagen"

Frage: Im Backhaus gibt es ein gemauertes Loch im Boden. Ist das der Eingang zum Gang nach Heyden?

Blick in die große Scheune 2021

Frage
Wer weiß mehr über den Hof zu berichten?

Über die Autorin

Therese Schiffgens war in Pannesheide sehr aktiv. Sie kannte viele Leute, unter anderem aus ihrer Arbeit in der Pfarrgemeinde und im Kirchenvorstand. Beruflich war sie als Schneiderin unterwegs. Sicherlich gab die freundschaftliche Verbindung zu der Lehererin Adele Rothkranz den Anstoss, die Geschichten aufzuschreiben.
Liebe Besucher der Seite,

es war wieder einmal eine Gemeinschaftsarbeit. Herr Pfarrer Thoma hatte die Idee, diese Geschichten aus den alten Pfarrbriefen zu veröffentlichen. Er gab die Idee an den Archivar der Pfarre Christus unser Friede weiter. Er wandte sich an die geschichtsfreunde-kohlscheid.de. Gemeinsam mit dem Archiv des Heimatvereins wurden der Text neu geschrieben und Bilder gesucht oder neu fotografiert. 

Unser Dank

  • gilt Therese Schiffgens für die Sammlung und Aufschreibung der Geschichten
  • gilt dem Pfarrer Thoma für die Idee und die Genehmigung zur Veröffentlichung
  • gilt Winfried Simons, dem Archivar des Pfarrarchivs und Mitglied im heimatkundlichen Arbeitskreis des Heimatvereins Kohlscheid, der den Text aufbereitete
  • gilt Marianne Schülke, die den gesamten Text auf Fehler kontrollierte
  • gilt jetzt bereits allen Lesern die Ergänzungen, Berichtigungen und Antworten geben. 
    Bitte hier schreiben

Quellen

  • Archiv Pfarre Christus unser Friede
  • Archiv HV Kohlscheid
  • Internet, Wikipedia
  • Lexikon christlicher Kunst 1980, Herder Verlag

Zu guter Letzt:
Wenn Sie auch Geschichten über Pannesheide oder Bank oder Kämpchen oder andere Ortsteile wissen, dann melden Sie sich bei uns. Wir halten gerne alles für kommende Generationen fest. Wenn Ihnen der Bericht gefällt, schreiben Sie bitte einen Kommentar.
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