EHEMALIGE u HEUTIGE GASTSTÄTTEN, WIRTSCHAFTEN etc. in KOHLSCHEID
Die Sammlung ist im Aufbau
Zusammengestellt von Erich Hallmann letzte Aktualisierung: September 2026
Abbbildungen entstammen, soweit nicht anders angegeben, der Sammlung E. Hallmann oder werden mit Zustimmung der Urheber verwandt. Sollte ich versehentlich die Rechte Dritter an einem Bild übersehen haben, bitte ich um Nachricht über Kontakt. Kopieren oder anderweitig zu verwenden, ist nur nach Absprache gestattet.
*KO21 KoHo Friedrichstraße 2, Gastwirtschaft; 1928 von Matthias Bücken eröffnet. Wirte: Math. Bücken, Josef Bücken, Anton Rehahn, Franz Tillmann und Frau Annemie, Bettina Hamacher. Ab 2015 Umwidmung: Unterkunft für Asylanten
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Schlagzeile:Was es bedeutete, ein Wirt/eine Wirtin in Kohlscheid zu sein 1. Oktober 2026
Diese Mail erhalten alle Abonnenten des Newsletters der Geschichtsfreunde Kohlscheids; also auch die aus Übersee, dem europäischen Ausland und der weiter umliegenden Ortschaften.Liebe Freundinnen und Freunde der Kohlscheider Geschichte Ich habe lange überlegt und war mir nicht sicher, aber wenn ich nun mal über Gastronomie in Kohlscheid schreibe, dann auch ganz. Und dazu gehören die Menschen die in den letzten Jahren eine Wirtschaft leiteten oder dort arbeiteten. Und dazu gehören auch die Gebäude, wohin die Gäste gerne ohne Angst hingehen konnten.
Warum war ich nicht ganz sicher? Ich bekam erwartbare, nachvollziehbare, sowie außergewöhnlich unvorstellbare und dennoch glaubwürdige Informationen. Nicht alle haben wir aus Gründen der Diskretion eingebaut.
Nach meiner Ankündigung über die Gaststätten zu berichten, meldete sich Herbert Engels. Er ist der Enkel des seinerzeit bekannten Wirts vom Dreieck – et Schängche genannt. Er hatte einige schöne Erläuterungen und Bilder zu der damaligen Gaststätte – insbesondere die Geschichte mit dem Hoikies. Sie finden das hier: Dr Dreijeck Herbert, danke dafür.
Nachdem ich von vielen Kohlscheidern aus allen Ortsteilen immer wieder in den höchsten Tönen vom „Ferry“ (Ferry Vijgen, Haus Remy) erzählt bekam, war ich doch neugierig, weiteres zu erfahren. Ich lernte einen höchst positiv eingestellten Menschen kennen. Trotz großer Anstrengung beim Sprechen erklärte er mir die Gedanken, die ein zukünftiger Wirt vor der Umsetzung seiner Entscheidung selbstständiger Wirt zu werden, abarbeiten muss. Er brachte mir den Spruch: „Wer nichts wird, wird Wirt“. Sein Kommentar dazu: Wer nichts kann und weiß, der ist nicht lange Wirt – Er verprellt allerhöchstens die Gäste und Lieferanten. Der gesamte Bericht zu Haus Remy ist hier: Kä08 Remy, Südstraße 226, Gastwirtschaft Ferry Vijgen, danke dafür
Beim ersten Gespräch mit Tina Hamacher (KoHo) spürte ich die Leidenschaft, mit der sie über ihren Werdegang und die Zeit als aktive Wirtin berichtete. Mit Enthusiasmus und Energie verfolgte sie nach gründlicher Vorbereitung ihr Ziel: Sie wollte den KoHo wieder flott machen. Worauf sie nicht so vorbereitet war, nämlich, dass andere auch mitspielen, die ihr auch ganz nett mitgespielt haben. Ich glaube es ist gut, hier einmal aufzuführen, was sie in ein paar Jahren im KoHo auf die Beine gestellt hat. Aber zum KoHo gehört auch der Begriff Billard. Der KoHo war in einer wichtigen Zeit die Hochburg des Billardspiels in Kohlscheid. Im Bericht finden Sie nähere Informationen zu dem besten Billardspieler Kohlscheids und dem Wirt des Kohlscheider Hofs. KO21 KoHo Friedrichstraße 2, Gastwirtschaft Danke Tina, für deine Offenheit und dein Vertrauen.
Und dann noch das Gespräch mit Marlies Harff-Hennicken. Eine andere Welt tat sich auf. Sie gewährte mir Einblicke in den Familienbetrieb. Wie war das Tagesgeschäft- wie waren die Vorbereitungen zum Wochenendbetrieb? Sie erzählte mir wie damals die Kühlung funktionierte. Sie erzählte mir, was man alles in Kauf nahm, um die große Menge an jungen Kerlen aus dem Ledigenheim zu unterhalten. Sie gewährt uns Einblick in ihr Verständnis von Pflicht und Arbeit in der großen Gaststätte Harff. KO18 Harff, Südstraße 14, Gastwirtschaft, Konzerthaus Danke Marlies Harff-Hennicken für die vielen persönlichen Erinnerungen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------- In Arbeit sind die nächsten Themen: Gaststätten > Kank, Banker Eck, Eis Beißmann, Fritten Frömer, Fritten Moritz Und noch einige kleine Bauernhöfe, die noch fehlen.
Wer hierzu Geschichten weiß, bitte melden. Danke
Und wie immer: Bitte den Inhalt des Texts an die weitersagen, die keinen Zugang zum Internet haben oder diese Mail einfach weiterleiten.
Danke für Ihre / Eure Treue Viel Spaß beim Lesen und beste Grüße
Erich Hallmann
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Kohlscheider Hof
Entstehung / Lage / Situation
Markant und unübersehbar steht er da: der „Kohlscheider Hof“.
Foto: E. Hallmann, 2024
Das Haus reiht sich ein in das Ensemble der auffälligen Häuser am Ehrenmal. Nähere Beschreibung, siehe Bericht Blücherplatz.
Auffallend beim KoHo: Jeder Wirt setzte Akzente und veränderte damit die Anziehungskraft. So änderte sich im Laufe der Jahre zwar das Publikum, aber eines blieb: Der KoHo lag immer im oberen Bereich des Ansehens als Gaststätte.
Matthias Bücken nannte sein Haus plakativ „Kohlscheider Hof“. 1928 fertiggestellt, eröffnete er am Kirmessamstag (01.09.1928) seine Gaststätte.
Um die notwendige Aufmerksamkeit zu bekommen engagierte er die damals sehr beliebte „Musikvereinigung“.
Wer war Matthias Bücken?
Matthias Bücken stammte aus einer in Kohlscheid alt eingesessenen Familie. Er war verheiratet mit einer Tochter aus der Familie Contzen-(Metzgerei). Sie hatten drei Kinder. Zwei Mädchen und einen Sohn. Das älteste Mädchen heiratete einen Spediteur aus Hergenrath. Zu dem weiteren Mädchen wissen wir nichts. Das jüngste Kind war Josef. Die Frau vom Sohn Josef war aus der Familie Meens.
Matthias Bücken und seine Frau Trude führten die Wirtschaft bis Anfang der 1950er-Jahre. Allerdings hatte Matthias noch ein anderes Geschäft: Er hatte einen Opel – heute würde man sagen Transporter – und machte bis Mittag Fahrdienste.
Was motivierte ihn in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg eine zusätzliche Gaststätte in Kohlscheid zu bauen und zu betreiben? Genau wissen wir das nicht. Wir können aber vermuten, dass seine unternehmerische und gesellschaftliche Einstellung dazu führte, beide Intentionen gewinnbringend miteinander verbinden zu wollen. Die Vermutung geht auf, schaut man sich die Aktionen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts im KoHo an.
Der Weltkrieg sollte vergessen werden
Gesellschaftlicher und politischer Treffpunkt
Ab Mitte der 1920er Jahre spürten die Kohlscheider wieder das Gefühl einer aufbrechenden Fröhlichkeit und Freiheit.
Zu diesem Bild wissen wir leider nur, dass es den Saal im KoHo zeigt. Wer kann hierzu etwas beitragen?
Kultur, Theater und Musik
Im Rahmen des „Volksbildungsprogramms“ wurden im Januar 1929 in vielen Gaststätten zu den Wochenenden Orchester- und Künstlerkonzerte gegeben, natürlich auch im KoHo. Der Vorwärts und das Streichorchester der Gebrüder Dolls gaben im Oktober 1931 mit Erfolg im Kohlscheider Hof ein Frühkonzert zugunsten der Winternothilfe. Im Umkreis von Kohlscheid spielte das Streichorchester Euphonia. Die Schützengesellschaft 1906 (St. Martinus Kohlscheid-Süd und auch Kämpchen) engagierte diese Musiker um ihrem Königsfest1931 im KoHo den würdigen Rahmen zu geben.
Der KoHo schien 1932 einigen alten Kohlscheider Musikern so seriös zu sein, um sich dort wieder in alter kameradschaftlicher Weise zu vereinigen. Sie wollten künftig unter dem Namen „Orchester - Verein - Kohlscheid” die alte Tradition bei kirchlichen und weltlichen Festen aufleben lassen. Das Vorhaben gelang und der Orchester Verein hatte wieder Zukunft.
In welchem Maße am Wochenende zum Tanz geladen war, wissen wir noch nicht. Aber Anfang 1929 gab es im KoHo einen Tanzkurs einer „Tanz Lehrschule“ aus Aachen. In der Meldung wurde Matthias Bücken als Betreiber der Tanzschule genannt. Das möchten wir noch auf Richtigkeit prüfen. Weiß hierzu jemand etwas? Bitte melden
Eine gewichtige Rolle spielte der Schachclub
Es gab den Kohlscheider Schachklub 1926. Unbekannt ist der Grund für den Wechsel 1929 von der Gaststätte Tonhalle in das neue Vereinslokal Kohlscheider Hof. Trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse konnte der Schachklub 1933 seinen Mitgliederstand auf 20 aktive Mitglieder erhöhen. Die Spiel- und Lehrabende waren jeden Freitag im Kohlscheider Hof. Über die Kriegszeit hinaus wirkte der Schachclub im KoHo. So gab der Schachmeister Wotkowski, Journalist und gebürtiger Russe, im August 1950 im Kohlscheider Hof, eine Simultan-Blindvorstellung an acht Brettern. Dabei trat er gegen die Spitzenspieler der Gesellschaft an. Die erste Mannschaft des Clubs hatte noch am Vorsonntag in Eilendorf bei der Schachabteilung der Arminia 9:3 gewonnen. Der Gast blieb nach einem Kampf von 4,5 Stunden Dauer mit 6:2- Sieger.
Das Ansehen des Kohlscheider Hofs in Schachkreisen war von erster Güte. So fand im folgenden Jahr auch eine Blitzmeisterschaft statt und der KoHo war Austragungsort der Meisterschaft des Aachener Schachverbands.
Die Wichtigkeit des Schachclubs unterstrich die Gemeinde 1951 mit der Stiftung eines Wanderpokals, der bei der Kohlscheider Schachmeisterschaft erstmals ausgespielt wurde.
Politischer Treffpunkt
Lag es am Wirt, an den Gästen oder am Standort neben dem Ehrenmal? Der KoHo wurde immer häufiger von politischen Vereinigungen genutzt.
Neben den Gestaltungsgedanken für die Zukunft gab es auch die politische Unzufriedenheit. Auch in Kohlscheid manifestierte sich das durch die Bildung des „Gardevereins Kohlscheid“. Das Ende des ersten Weltkrieges, verbunden mit dem Zusammenbruch des Kaiserreiches, bedeutete auch das Ende der 26 preußischen, glorreichen Garderegimenter. Doch ihre Tradition wurde von Einheiten der Reichswehr gewahrt und gepflegt. Der als ungerecht empfundene Friedensvertrag von Versailles war die Ursache für eine besondere Entwicklung in den Reihen ehemaliger Kriegsteilnehmer. Geprägt durch ihre Fronterlebnisse hielten sie auch nach 1919 untereinander Kontakt. Nach Abzug der militärischen Besatzungsmacht bildeten sich allerorts wieder Kriegervereine zur Pflege der Kameradschaft und des vaterländischen Gedankens. Ehemalige Gardisten wählten 1930 den KoHo um den "Gardeverein Kohlscheid" zu gründen. Dieser Verein war natürlich auch dem Garde Gauverband angeschlossen. Der Verein hatte anfangs schon 35 Mitglieder, die Kameradschaft und Geselligkeit pflegen wollten. Dem Vorstand gehörten an: Adam Scheilen (Vorsitzender), Johann Küsters (Schießwart), Ludwig Hallmann( Kassenwart), Egidius Wamper (Schriftwart) und Leonhard Greven (Fahnenträger). Weitere 23 in der Kohlscheider Bevölkerung bekannte Männer waren Mitglieder.
Für eine Vereinsfahne fehlt anfangs noch das Geld. Dennoch - bereits am 15.11.1930 feierte der neu gegründete Gardeverein im Vereinslokal KoHo sein 1. Gründungsfest. Das Unterhaltungsprogramm kleckerte nicht. Es klotzte mit Auftritten des „Kohlscheider Quartettvereins Frohsinn“, der Unterhaltungsgesellschaft „Scheeter Jonge“, des Salonorchesters Jossi Joschi“ und weiterer Humoristen und Vortragskünstler.
Im November 1931 wird der KoHo das Verkehrslokal für die Freien Gewerkschaften, die Ortsgruppe der SPD und für das Reichsbanner. Für jeden Kohlscheider wurden sogar Informationen und Beratungen zu rechtlichen Angelegenheiten angeboten. Es gab Rechtsschutzstunden. Für die politische Bildung konnten Bücher ausgeliehen werden.
Erläuterungen zum Reichsbanner
Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, kurz Reichsbanner, war während der Weimarer Republik ein politischer Wehrverband zum Schutz der demokratischen Republik, der in veränderter Form bis heute besteht. Anfang der 1930er-Jahre war das Reichsbanner mit nach eigenen Angaben ca. drei Millionen Mitgliedern die größte demokratische Massenorganisation in der Weimarer Republik. Der Verband wurde am 22. Februar 1924 in Magdeburg als Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer durch eine Initiative aus den drei Parteien der Weimarer Koalition (SPD, Zentrum, DDP) gegründet. Das Reichsbanner sollte dem Schutz der Weimarer Republik gegen ihre radikalen Feinde dienen. Der damalige und heutige Bundesgruß des Reichsbanners lautet „Frei Heil!“ oder „Freiheit!“.[1] Der Bund gab die Wochenzeitung Illustrierte Reichsbanner-Zeitung, später in Illustrierte Republikanische Zeitung umbenannt, sowie die Zeitung Das Reichsbanner heraus.
In Kohlscheid gab es vor 1931 bereits eine Gruppierung des Freidenkerverbands. Man traf sich privat. Im November 1931 wurde der Kohlscheider Hof das neue „Verkehrslokal“ der Freidenker. Zur Etablierung sprach der Genosse Stroinski. Wer das war, konnten wir nicht ermitteln.
Am 13.12.1931 richteten die Freidenker im Kohlscheider Hof eine „Franzisko - Ferrer – Feier“ aus. Zum Besuch der Veranstaltungen waren alle Parteigenossen der SPD, die Gewerkschaftskollegen und die Leser der Freien Presse eingeladen. Da Weihnachten bei den Freidenkern keine Rolle spielt, trafen sich Ende Dezember 1931 die Gesinnungsfreunde am KohlscheiderHof. In einem Fackelzug marschierte man zur Turnhalle, wo eine Wintersonnenwendfeier veranstaltet wurde. Auch in den weiteren 1930er Jahre noch waren zahlreiche Termine der SPD, der Freidenker und des Reichsbanners im KoHo.
Wie zu erwarten waren auch die Nazis im KoHo nicht fremd. Es gibt zum Beispiel eine Meldung, dass im Dezember 1943 eine Zusammenkunft von 29 Helfern stattfand. Anlass war der Durchschlag im Stollen Josef-Lambertz-Straße. Hierfür standen 200 Zigaretten sowie 9 Liter Trinkbranntwein aus der Reserve der Grube Laurweg zur Verfügung.
Wieviel Umsatz das Lokal bei dieser Gelegenheit machte wird nicht angegeben.
Der Sohn Josef Bücken übernahm Ende der 1940er die Gaststätte.
Er war Mitglied im Billardclub in der Reihstraße in Aachen. Neben seiner Tätigkeit als Gastwirt war Joseph Bücken weit über die Grenzen Kohlscheids als Karambolage-Billardspieler bekannt.
Joseph Bücken – der Billardmeister aus Kohlscheid
KI hat recherchiert: „In den 1960er- und 1970er-Jahren gehörte er zur deutschen Spitze im Dreibandbillard. 1967 wurde er Deutscher Vizemeister, 1971 errang er den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften. Bei der Deutschen Meisterschaft 1968 in Köln spielte er zudem die höchste Turnierserie. Seine sportliche Kompetenz führte dazu, dass er 1968 im Rahmen der Dreiband-Weltmeisterschaft in Düren einen Schiedsrichterlehrgang leitete. Damit war Joseph Bücken nicht nur erfolgreicher Wettkampfspieler, sondern auch ein geschätzter Förderer des Billardsports. Bei der weiteren Recherche hat sich gezeigt, dass Joseph Bücken keineswegs nur Teilnehmer war, sondern offenbar zu den besten deutschen Dreibandspielern seiner Zeit gehörte. Besonders bemerkenswert sind folgende nachweisbare Erfolge:1966/67: Deutscher Vizemeister im Dreiband. Im Finale musste er sich nur dem vielfachen deutschen Meister August Tiedtke geschlagen geben. Während des Turniers besiegte er sogar Titelverteidiger August Tiedtke in einer Partie und wurde in den Turnierberichten als „Favoritenschreck“ bezeichnet. 1970/71:3. Platz bei der Deutschen Dreiband-Meisterschaft in Gelsenkirchen. 1968/69: Bei der Deutschen Meisterschaft in Köln erzielte Joseph Bücken die Turnier-Höchstserie von 10 Punkten, eine damals beachtliche Leistung. 1977/78: Sein Name erscheint noch immer in der Statistik der Deutschen Meisterschaft – ein Hinweis darauf, dass er über viele Jahre zur deutschen Spitze gehörte.“
Veranstaltungen
Was war sonst noch los im KoHo? Es wurde vieles versucht.
1949 veranstaltete an einem Wochenende die Weinhandlung Nikolay aus Uerzig mit großem Erfolg ein Weinfest. Normal wurde von den „Herren“ Bier getrunken. Die Entscheidung war einfach – es gab nur eine Wahl: Bier oder Wein. Manche „Damen“ probierten zu Hause verschiedene Weine aber eben ohne „Hintergrundwissen“.. Da war die Wahl schon nicht so einfach. Da kam die eine oder andere auf die Idee, den etwas sauer schmeckenden Wein mit Zucker zu verschönern. Auf einem solchen Weinfest wurden die Sorten zur Probe gereicht. Natürlich für die Damen und die Herren. Natürlich mit Erläuterungen zu den verschiedenen Rebsorten. Natürlich konnte man auch bei Nikolay bestellen.
Ein anderer Versuch ging ins Musikalische. Der junge Theo Vohn war ein begnadeter Akkordeonspieler. Nachdem er jeweils ein Jahr als Akkordeonlehrer einige Schüler ausgebildet hatte, wagte er im KoHo mit seinen Schülern ein anspruchsvolles Konzert zu geben. Wir wissen von zwei Terminen. 1950 und 1951.
Im Juni 1951 stellte sich ebenfalls an einem Wochenende eine fünfköpfige Mundharonika Gruppe mit großem Erfolg vor.
Veränderungen in der Führung der Gaststätte
Nach dem Krieg führte Josef Bücken die Gaststätte auf seine Art und Weise, wie wir schon gehört haben.
Dann kam ein Wechsel. Anton (Toni) Rehahn übernahm die Gaststätte. Ob er aus der Familie des Gastwirts aus der Weststraße stammte, wissen wir nicht. Wann die Übergabe an den Wirt Anton (Toni) Rehahn ist nicht bekannt. Im Adressbuch von 1968 ist sein Name Anton Rehahn aufgeführt. In der Festschrift des KBC von 1972 erscheint die Anzeige:
Festschrift KBC Turnier 1972
Danach waren Franz und Annemie Tillmann das Aushängeschild für den KoHo. Im Adressbuch 1985 namentlich aufgeführt. Franz Tillmann, gab an, seit 40 Jahren ein gefragter Vermittler in der Unterhaltungsbranche zu sein. Aufruf an die Geschichtsfeunde: Wer hat Geschichten zu den Zeiten der Wirte Rehahn und Tillmann? Bitte melden.
2013, dann gibt es in der Festschrift „100 Jahre KBC „ die Anzeige:
„Hamacher, Bettina, Hotel und Gaststätte, Kohlscheider Hof,…. Veranstaltungen: In unserem Hause gastieren regelmäßig lokale Bands sowie bekannte DJ´s aus ganz Deutschland. Wir bieten Ihnen das ganze Jahr über eine tolle Auswahl an musikalischen Highlights und Events. Besuchen Sie hierzu unseren Veranstaltungskalender auf : www.ko-ho.de“
Bettina Hamacher (in Kohlscheid bekannt mit dem Namen Tina) erzählte mir im August 2026 von ihrer Leidenschaft Wirtin zu sein. Nach vielen Jahren Arbeit in der Gastronomie war sie voller Energie und Entschlossenheit den KoHo zu übernehmen.
Lesen Sie ihren Bericht.
Bettina Hamacher:
Mein Werdegang in der Gastronomie
Bereits als Schülerin und Jugendliche habe ich in der Gastronomie ausgeholfen. So habe ich schon früh ein bisschen Taschengeld nebenbei verdient. Und da habe ich gemerkt, dass mir diese Arbeit liegt, dass mir das gefällt.
Neben meinem Hauptberuf habe ich immer in der Gastronomie im Service oder auch in der Küche gearbeitet. So habe ich auf allen Stellen praktische Erfahrungen gesammelt. Lange Zeit war ich bei Hannelore Neitzel im Haus Remy und auch am Markt. Die Gasthäuser Kempchen und Haus Bosten lernte ich kennen. Lange Zeit arbeite ich bei Käpp Fischer in Klinkheide.
Irgendwann kam der Gedanke auch die Theorie zu lernen. Ich besuchte abends Kurse bei der Handwerkskammer. Zum Beispiel wie man den Tisch richtig deckt, wie man richtig zapft und das Getränk präsentiert. Dann kam eine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft im Gast- und Hotelgewerbe. Dabei habe ich den Schankschein und den sogenannten Frikadellenschein erlangt.
vielleicht einmal interessant zu wissen - was sind der Schankschein und der Frikadellenschein?
Der Schankschein (damals Bierführerschein) ist rein auf das Bierbrauergesetz bezogen.
Wer das Zapfen professionell beherrschen möchte, muss weit mehr wissen als nur, wie man den Hebel zieht. Die Schulungen umfassen meist vier Kernbereiche:
Technik & Physik (Die Zapfanlage)Der richtige CO₂-Druck: Der Zapfdruck muss exakt auf die Biertemperatur und die Leitungslänge abgestimmt sein (z.B. ca. 1,2 bar bei 6 °C). Falscher Druck führt entweder zu reinem Schaum oder abgestandenem Bier.Fasswechsel: Das sichere Anschlagen und Abschlagen von KEG-Fässern ohne Kohlensäureverlust.
Schankhygiene & GlaskulturDie Reinigung: Schlecht gereinigte Leitungen ruinieren den Geschmack und sind ein Hygieneproblem.Das "bierreine" Glas: Gläser müssen absolut fettfrei sein. Fett- oder Spülmittelreste zerstören die Schaumkrone sofort. Ein gutes Glas wird vor dem Zapfen immer mit kaltem, klarem Wasser ausgespült.
Die Zapftechnik (Schritt für Schritt)Das 3-Minuten-Pils vs. Schnelles Zapfen: Früher dachte man, ein Pils brauche 7 Minuten. Heute weiß man: Dadurch wird es nur warm und schal. Ein perfektes Bier dauert maximal 2 Minuten. [1]Der 45-Grad-Winkel: Das Glas wird anfangs schräg gehalten, damit das Bier an der Wand entlanggleitet und nicht zu viel Kohlensäure verliert. [1, 2]Hahn ganz auf: Der Zapfhahn wird immer komplett geöffnet, niemals nur halb (das erzeugt nur Schaum). [1, 2]Kein "Eintauchen": Der Zapfhahn darf beim Nachzapfen niemals das Bier oder den Schaum im Glas berühren
Der Ausdruck„Frikadellenschein“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für die offizielle Bescheinigung nach § 43 Infektionsschutzgesetz (IfSG).
Früher nannte man das Dokument auch schlicht „Gesundheitszeugnis“ oder „Gesundheitspass“; in der Praxis hört man heute oft auch den Begriff „Rote Karte“.
Die Bescheinigung ist gesetzlich für alle Personen vorgeschrieben, die gewerblich mit leicht verderblichen Lebensmitteln in Kontakt kommen – sei es in der Gastronomie, in Metzgereien, Bäckereien, Kantinen oder bei der Essensausgabe in Kitas und Schulen.
Was beinhaltet die Belehrung? Anders als beim alten Gesundheitszeugnis (vor 2001) findet heute standardmäßig keine medizinische Untersuchung (wie Blut- oder Stuhlproben) mehr statt. Stattdessen handelt es sich um eine reine Schulung (mündlich, schriftlich oder digital per Video), die folgende Kernpunkte beinhaltet:
Erkennung von Symptomen: Vermittlung von Wissen über Anzeichen ansteckender Krankheiten (z. B. anhaltender Durchfall, Erbrechen, Fieber, infizierte oder offene Wunden).
Tätigkeitsverbote nach § 42 IfSG: Aufklärung darüber, bei welchen konkreten Infektionen oder Verdachtsfällen (z. B. Salmonellen, Noroviren, Hepatitis A) das Arbeiten mit Lebensmitteln gesetzlich streng verboten ist.
Meldepflichten: Die Verpflichtung des Angestellten, dem Arbeitgeber das Auftreten solcher Symptome oder Diagnosen unverzüglich mitzuteilen.
Hygieneregeln im Alltag: Grundlagen zur Vermeidung von Keimübertragungen, wie korrektes Händewaschen, der Umgang mit Arbeitskleidung und die Desinfektion von Arbeitsgeräten. [1, 2]Wichtige Fristen zur GültigkeitDer Einstieg: Die Erstbelehrung wird vom zuständigen Gesundheitsamt oder einem beauftragten Arzt durchgeführt. Die Bescheinigung darf bei der ersten Arbeitsaufnahme nicht älter als drei Monate sein.
Lebenslange Gültigkeit: Wurde die Arbeit innerhalb dieser drei Monate aufgenommen, bleibt das Dokument dauerhaft gültig.
Folgebelehrungen: Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, das Küchen- und Servicepersonal nach Arbeitsaufnahme alle zwei Jahre erneut zu diesem Thema zu unterweisen (Folgebelehrung). [1, 2]
Zuletzt habe ich auch noch die Ausbildereignungsprüfung während meiner Zeit im KoHo abgeschlossen. Dort habe ich eine Auszubildende als Fachkraft im Gastgewerbe und im Hotelfach erfolgreich ausgebildet.
Etwas, was ich nicht in Kursen gelernt hatte, war die Erfahrung mit dem Trinkgeld. Bei Jupp Kämpchen durfte ich mein Trinkgeld nicht für mich allein behalten. Ich musste mit Jupp, Käthchen und Dirk und Küchenhilfen teilen. Das kannte ich so nicht. Für mich war mein Trinkgeld immer mein Erfolgserlebnis, welches ich durch meinen guten Umgang den Gästen gegenüber selbst verdient hatte. Der Stundenlohn war mir gar nicht so wichtig, aber mein Trinkgeld war mein Heiligtum, meine Anerkennung.
Die beste Ausbildung und Erfahrung sammelte ich dann bei dem Metzger Lemmen.
Der hatte an der Hotmannspief seinen Fleischerladen. Er betrieb aber auch einige Kantinen. Für Lemmen habe ich hauptberuflich die Kantine in der Sparkasse am Elisenbrunnen geleitet. Wie gesagt, ich habe alle Sparten der Gastronomie abgedeckt: Einkauf, Buchung, Service, Ausschank, Organisation, Planung – also all die Aufgaben eines heutigen Wirts und Eventmanagers. Ich hatte ein bestimmtes Budget zur Verfügung und musste damit einkaufen und alle Sparkassenmitarbeiter und Events im Rahmen dieses Budgets versorgen. Damit habe ich gelernt, den korrekten Einkauf zu planen, vor allem die Warenmenge und die Ausgaben. Zum Beispiel beim Frühstücksbuffet: Wie viel Butter kann man ausgeben, damit man im Budget bleibt? Mir waren ein Koch, eine Spülkraft und zwei Küchenhilfen unterstellt.
Dazu gehörte die komplette Bewirtung der Sparkasse, d.h. auch die Besprechungsräume und Meetings- und Schulungsräume zu bewirten und zu bestücken. Die Bewirtungen in der obersten Chefetage (6. Etage) wurden ausschließlich von mir perönlich erledigt. Die Arbeitszeiten waren von 6:00 Uhr morgens bis 14:30 . Wie immer gab es Ausnahmen. Es gab öfter Abendveranstaltungen, besonders zur Zeit der Umstellung auf den Euro. Da waren in der Sparkasse oft Informationsabende.
Der starke Wunsch eigenverantwortlich Wirtin zu werden
Ich war Vertriebssachbearbeiterin in einer Firma, ansässig in Alsdorf‑Höngen. Das machte mir Spaß.
Aber es kam auch immer häufiger der Gedanke: Ich hole immer die Kohlen aus dem Feuer, warum nicht endlich mal für mich selbst - Warum nicht in meine Tasche arbeiten, warum nicht eine Gaststätte übernehmen? Mein Sohn war im Judo‑Club Kohlscheid, und jedes Mal, wenn ich ihn zum Training fuhr, (die trainierten damals in der Turnhalle in der Kircheichstraße), kam ich immer am KoHo vorbei. Das leer stehende Gebäude gab mir immer einen Stich ins Herz. Und der Gedanke war wieder da. Ich kontaktierte den Bierverleger Hansen und Bildstein. „Kann ich mir das Objekt mal ansehen?“ Hier war ich bekannt und die haben sich über meine Kontaktaufnahme sehr gefreut.
Mir wurde versichert, dass sie das Objekt für den Eigentümer Herrn Bernd Renn aus Benediktbeuren zur Gefälligkeit vermitteln und es gäbe keinen bindenden Brauereivertrag. Der Eigentümer würde der Brauerei nur einen Obulus für die Vermittlung zahlen.
Das war schon mal für mich interessant und der Bierverleger Herr Sauer besichtigte mit mir und meinem Mann das Objekt. Oh Graus, wie sah es dort aus! Das alte Inventar war zwar aus massivem Holz, jedoch in die Jahre gekommen. Hinter der Theke befand sich ein großes Loch. Das heißt, der Boden war durch und man konnte vom Thekenboden in den Keller sehen. In der Küche waren noch alte Steintröge, die erinnerten an Futtertröge für das Vieh. Die wurden als Spüle benutzt, jedoch ohne Wasserhahn oder irgendwelchen Anschlüssen. Die Toilettenanlagen auf dem Hof waren total verwüstet und abrissbereit. Sie lagen frei auf dem Hinterhof. Der Bierkeller hatte keine Kühlung und es lag kein fester Boden. Von den Wänden blätterte überall der Putz.
Der kleine Gesellschaftsraum, der früher von einem Kohlscheider Billardclub genutzt wurde, hinterließ die Spuren vom Abriss der Billardausstattung ( Tisch, Billarduhr, Stöcke usw.) Der schöne Holzboden war hinüber.
Foto: Slg Tina Hamacher; Beispiel für desolaten Holzboden an vielen Stellen
Der große Saal hatte eine alte Flügeltür mit Butzenscheiben, die auch sehr in die Jahre gekommen war. Die alte Holzvertäfelung im ganzen Lokal war morsch und rissig.
Doch irgendwie hatte ich das Gefühl. Hier ist dein zu Hause, hier willst Du alt werden.
Ich setzte mich mit dem Bauordnungsamt und dem Gewerbeamt in Verbindung Hier wurden mir die Auflagen genannt, die ich erfüllen müsste um dort wieder zu eröffnen. Wichtig waren für mich auch die Öffnungszeiten. Bei mir galt immer Ende offen. Weil das Lokal so lange still lag, war eine Neuabnahme mit Brandschutz, Bauschutz und Hygienebestimmungen komplett erforderlich.
Die Investitionsliste war sehr lang. Der teuerste Teil war die komplette Stromversorgung. Die musste kernsaniert und komplett neu gemacht werden. Bei den Vorgängern gab es nur eine ganz normale Haushaltskaffeemaschine und eine normale Stereoanlage. Also von Starkstrom – keine Rede. Die Enwor forderte eine KW Erweiterung. Zudem war es erforderlich, dass ich einen ISDN fähigen Verteiler über die Enwor kaufen musste, damit die Zählerstände per ISDN von der Enwor abgelesen werden konnten. Dies hat allein 17.500 Euro gekostet. Vor dem Haus musste ein komplett neuer Stromkasten durch die Enwor aufgestellt werden. Dies alles lag bei rund 12.000 Euro. Der Elektriker kostete auch 6.000 Euro.
Ich habe sämtliche Angebote von Baufirmen, Sanitärfirmen, Schreinern, Malern, Gaststätteneinrichter, Kältetechnikfirmen, Werbetechnikfirmen ( für die Außenreklame), Fensterbaufirmen, Schreinereien usw. eingeholt und hatte nun eine Summe, die schon enorm war.
Ich war mir sicher, ich wollte mir nicht das Geld bei der Brauerei holen, sonst hätte ich eine Bindung eingehen müssen und das hätte zu einer Fass- und Getränkebindung geführt, die mir den Einkauf und den daraus resultierenden Gewinn schmälern würden. Ich ging also zur Sparkasse und das war auch gut so.
Beim Eigentümer und bei der Brauerei habe ich mich mit einem Buiseness Plan beworben, Sie waren überrascht, weil sie so etwas noch nicht gesehen hatten. Ich habe eine PowerPoint Präsentation mit meinem neuen Konzept vorgelegt, was Sie begeistert hat.
Bereits als ich den Gedanken gefasst hatte, den KoHo zu übernehmen, habe ich über Vieles vorgedacht und Fragen wie z.B. was will ich an Getränken und an Unterhaltung anbieten, wie will ich meine Kunden bedienen, Öffnungszeiten etc. überlegt und den ganzen Ablauf konzipiert. Wer macht welche Arbeit, wo wird eingekauft etc.
Damit hatte ich die Türe für mich aufgestoßen. Ihre Reaktion:
„Okay, wir machen das mit dir.“
Ich möchte behaupten, die Brauerei kannte mich bereits. Ich war ja schon gut vernetzt, hatte mir in Kohlscheid als in der Gastronomie einen Namen gemacht und war hier sehr bekannt und beliebt. Jeder wusste, dass ich zu gebrauchen bin. Außerdem hatte ich mir im Vorfeld auch in Aachen einen guten Namen gemacht; ich war ja beim alten Herrn Lemmen lange Jahre beschäftigt. Beim Eigentümer habe ich dann angefragt, welche Kosten am Gebäude er übernehmen wird, Er sicherte mir zu, dass er sich an allen Kosten, die das Gebäude angehen, zur Hälfte beteiligen würde.
Ich war mir sicher, ich schaffe das.
Der Vertrag
Das war im Sommer 2007. Ja, und dann kam es zu einem Vertrag, der letztendlich überhaupt nicht gut für mich war. Ich hatte mich mit der Brauerei geeinigt, brauereifrei zu sein.
Aber dann meldete sich auf einmal der Eigentümer. Er sagte: „Nee, nee, das Objekt konnte gar nicht über die Brauerei vergeben werden, sondern über den Immobilienmakler W. Letztendlich wurde ein Vertrag über Vermittlung von W. mit dem Eigentümer aufgesetzt. Ich musste aber immer wieder nachfragen, wann wir den Vertrag endlich abschließen können.
Herr W verlangte von mir eine Courtage von 2.500 Euro. Ich wollte nicht bezahlen, doch er klagte es ein und der Eigentümer hat gegen mich ausgesagt, sonst hätte er ja den Makler bezahlen müssen. Ich hatte aber schon investiert und alle Arbeiten in Auftrag gegeben.
So zahlte ich die Maklergebühren.
Endlich kam der Vertrag. Herr Renn war nicht persönlich aus Benediktbeuren angereist, sondern schickte den Bierverleger. Da traf mich der Schlag. Der Eigentümer hatte sich das Geld, für die Beteiligung an der Restaurierung des Gebäudes von der Brauerei geholt und ist mit Ihnen eine Bindung eingegangen und in meinem Vertrag war ich dann zur Abnahme der Getränke zu überhöhten Preisen verpflichtet. Das nannte man Rückvergütung.
Diese Rückvergütung wollte ich doch verdienen! Was sollte ich nun tun? Der Umbau war in vollem Gang und ich hatte bereits meine Festanstellung gekündigt. Es gab kein Zurück mehr.
Ich habe unterschrieben und habe mir gedacht, das schaffe ich auch.
Die Investition
Ich habe bis auf die Baufirma nur Kohlscheider Firmen beauftragt, die ich später auch zu meinen Gästen zählen durfte. Die Baufirma kam aus Aachen. Die durfte ich später aber auch zu meinen Gästen zählen.
Der Küchenraum musste kernsaniert werden. Es musste eine Küche hergestellt und eingerichtet werden, die nach den neuesten Gastronomie Bestimmungen zugelassen wurde. Sprich Bodenabrieb, R12.
Alle Wände mussten im Arbeitsbereich deckenhoch gefliest sein, im Nichtarbeitsbereich so hoch wie der Türsturz
Vor den Fenstern musste ein Fliegengitter angebracht werden und die Fenster mussten zu öffnen sein.
Die Deckenlampe brauchte einen Spritzschutz.
Ein Bodenabfluss musste sein.
Vier Waschbecken: ein Gemüsebecken, ein Spülbecken, ein Handwaschbecken und ein Becken für Putzarbeiten mussten imstalliert werden.
Darüber hinaus habe ich das ganze Innenleben, die komplette Stromversorgung, die kompletten Toilettenanlagen und deren Überdachung, neu machen lassen.
Früher war es modern, die Gläser von der Theke herunterhängen zu lassen. Das Thekenoberteil war ein riesiger Korpus, den ich komplett entfernt habe. Die Theke habe ich komplett umgebaut. Sie erschien letztendlich nach dem Umbau nach oben hin offen und heller und insgesamt freundlicher.
Foto: Slg. Tina Hamacher; Bild Theke neu Blick Richtung großer Saal
Dann gab es eine uralte Flügeltür, die zum kleinen Saal führte. Diese habe ich von der Schreinerei Vohn aufbereiten lassen und für den großen Saal einen passend erscheinenden Nachbau anfertigen lassen. Überhaupt habe ich alles aufgepeppt, alles gestrichen.
Ein sehr großes Projekt war nötig, weil die Toiletten und der Bierkeller, nie mehr abgenommen worden würden. Es gab noch „gewachsenen Boden“ also nicht wasserdicht verfestigt.
Foto: Slg. Tina Hamacher; die kompletten Toilettenanlagen und deren Überdachung musstenn neu gemacht machen werden.
Damals gab es die ganzen Bestimmungen, dass man im Bierkeller stehen können musste. Alle Wände mussten glatt und abwaschbar sein. Wenn ich neuen Estrich verlegt hätte, wäre aber die gewünschte Höhe nicht mehr erreicht worden. Ach du meine Güte, das war eine riesige Baumaßnahme.
Ich hatte Glück, dass mein Mann, Jürgen bei MoBau beschäftigt war. Er kannte sich aus mit Baustoffen und er hatte dementsprechend gute Kontakte. Einige Aachener Firmen haben dann korrekt gearbeitet, um die Bestimmungen einzuhalten.
Dann war da noch die Kühlung. Früher war das einfach: Altbau, der Keller war kalt und oben in der Theke war noch diese Begleitkühlung. Damit hat man sich damals beholfen und zufrieden gegebenen.
Ich persönlich habe dann eine riesige Kühlzelle gekauft, worin 10 Fässer passten. Und eine weitere Kühlzelle, wo Kastenware reinging, nämlich Cola, Limo, Wasser und Bier.
2008 habe ich mit dem Umbau begonnen; im Januar 2009 habe ich eröffnet
Also insgesamt war das eine richtige Investition in Höhe von knapp 180. 000 Euro.
Tinas KoHo
Als Wirtin konnte ich selbständig, unternehmerisch tätig sein und praktisch frei Schalten und Walten. Die Kosten und Einnahmen lagen in meiner Verantwortung, abgesehen von dem, was ich als Pacht bezahlen musste.
Der KoHo hatte früher einen ganz bestimmten Ruf. Der KoHo, da waren die Höteren vom EBV und der Gemeindeverwaltung und vor allen Dingen die Billardgesellschaft. Für die war der KoHo der Treffpunkt. Der KoHo war auch aufgrund der Lage und der Atmosphäre etwas Besonderes.
Aber dadurch, dass der KoHo so lange blank lag und niemand wusste, wann der wieder aufgemacht würde, ist der Billardverein nach Harff gegangen. Der Billardtisch ist mit gewandert. Was zurückgeblieben ist, waren diese alten, dekorativen Billarduhren, die man so klicken musste. Sie wurden mittlerweile nicht mehr benötigt, die haben sie mir zurückgelassen.
Aufruf an die Leser: Wir suchen ein Bild vom Billardsälchen mit Billardtisch und Wandapplikationen
Die dunkelbraune Vertäfelung in dem Sälchen verblieb durchgehend auch bei mir noch.
Also ich habe versucht, den alten Charakter zu erhalten. Für die Säuberung und Ausbesserung von Schadstellen an Wänden und Decken, auch für diesen schönen Fußboden habe sehr viel Geld ausgegeben.
Foto: Slg. Tina Hamacher; Bild Saal heute, alter Billardsaal
Foto: Slg. Tuna Hamacher; Blick in großen Saal
Die Wirtschaft
Als ich den Gedanken gefasst habe, ich übernehme den KoHo, hatte ich ja mein Konzept gemacht. Nach ein paar Tagen wußte ich:
Mein Konzept ging auf.
Getränke
Im Ausschank gab es König Pilsener, Bitburger, Sion Kölsch, Diebels Alt, Erdinger Weizen und die üblichen Spirituosen. Das gängigste Bier jedoch war das Bit.
Dazu hatte ich auch eine Auswahl an Rot- und Weißweinen, Sowie Prosecco und Sekt.
Kurz vor der Eröffnung habe ich noch in einer bekannten Discothek in Aachen gearbeitet, um auch die aktuellen Getränke der jungen Leute kennenzulernen und anbieten zu können.
So hatte ich auch eine kleine Cocktailbar mit einem Barmixer für die Wochenenden bereit.
Einige Stammgäste wünschten Wodka Schnee und Eierlikör aus einem Waffelbecher mit Sahne.Auch das bekamen sie bei mir.
Küche
Ich habe eine gut bürgerliche Küche während der ganzen Öffnungszeiten angeboten. Auch nachts, konnte man bei mir noch eine hausgemachte Suppe, ein frisches Baguette (keine Tiefkühlkost) eine hausgemachte Frikadelle oder eine Folienkartoffel mit selbstgemachten Kräuterschmand essen. An Kleinigkeiten habe ich Platten mit Käse, Dips, Peperoni, Baguette Brot und Salami angeboten.
Ansonsten hatte ich Schnitzel aus der Pfanne, Eintöpfe (täglich wechselnd), Sauerbraten, Salatteller usw. im Angebot. Als Beilage habe ich Bratkartoffeln, Salzkartoffeln Nudeln oder Reis angeboten. Keine Fritten.
Für Fritten hätte ich noch einen Fettabscheider im Küchenboden und ieinen Dunstabzug, der bis über den Hauskamin hinausreicht, benötigt und das hat sich für mich nicht gerechnet. Wieviel Fritten hätte ich verkaufen müssen, bevor sich das amortisiert?
Jeden Morgen gab es ein reichhaltiges Frühstückbüffet für 5,00 Euro.
Unterhaltung:
Zur Unterhaltung während eines Besuchs bei mir gab es Kicker, Spielautomaten und einen Flipper.
Natürlich hatte sich auch ein Sparverein gegründet.
Der obligatorische Zigarettenapparat hing auch auf.
Ich hatte ja einen Veranstaltungskalender, der jedes Jahr neu entworfen wurde, so dass die Gäste immer wussten was, wann im KoHo los ist.
Unter Anderem gab es auch Kicker oder Skatturniere. 1 x / Woche konnte man im Ko-Ho Salsa Tanzen mit „Guiseppe „ aus Aachen. Jeden 1. Sonntag im Monat haben wir Bingo gespielt.
Höhepunkte waren immer Termine mit Life Musik.
Damit war für jedes Alter und Alle etwas dabei.
Foto: Slg. Tina Hamacher; KoHo Abends vor Events beleuchtet
Life Musik
An den Wochenenden hatte ich immer Veranstaltungen. Entweder Life Musik oder einen DJ. Immer mit einem neuen Motto.
Viele bekannte Bands, darunter auch Lagerfeuertrio. Die spielten bei mir das erste Mal in Kohlscheid in einer Gaststätte. (Das sind die, wo der Schlagzeuger eine Kiste hat).
Die Wheels, Comeback, Eve, Bauhofprojekt( Peter Horbach und Bert Reuber, die haben zwei oder drei Monate bei mir gespielt)
Bekannte Sänger wie z.B. Jupp Ebert und bekannte DJs hatte ich verpflichtet.
Roberta, die kleine Italienerin, damals war die noch ganz bekannt. Sie hatte lange Haare und war mit Ihrem Manager liiert. Die bestand auf einen abgeschlossen Raum zum Pausieren und um sich umzuziehen.
Die Firma „James - Sound und Event“ hatten mit mir zu Karneval immer einen Festvertrag für alle Tage mit komplettem Equipment, (Beleuchtung und Akustik,etc.)
Foto: Slg. Tina Hamacher; Aufbau von James Sound und Event im KoHo
Zu Veranstaltungen hatte ich immer eine Toilettenfrau und Security.
Feierlichkeiten
Also ich hatte Beerdigungen, Hochzeiten, Kinderkommunionen, runde Geburtstage, sonstige Feste, alles, was es an Festlichkeiten gibt.
Das Essen konnten die Ausrichter kommen lassen oder ich habe es auf Absprache selbst gemacht. Ich habe meistens alles selbst gemacht.
Foto: Slg. Tina Hamacher
Der KoHo hatte bei Feierlichkeiten Sitzplätze für bis zu 150 Gäste. Ich sagte immer, 150, weil man muss ja auch ein bisschen Luft kriegen soll und wegen der Bewegungsfreiheit.
150 fanden in der gesamten Wirtschaft locker Platz, bei Veranstaltungen waren öfters auch schon mehr Gäste da. Manches Mal mussten wir den Eintritt verweigern Mit der Zeit bekam ich ein Gefühl dafür, wann der Kipppunkt erreicht war. Ich wollte nicht, dass mir die Gäste umkippen wie die Fliegen.
Ganz große Ausnahmesituation war zu Karneval, dann war immer alles besonders.
Harley Freunde
Zeichnung: Martin Scholtes; Slg. Sebastian Scholtes
Diese Zeichnung vom KoHo mit meinem Moped bekam ich von Martin Scholtes geschenkt. Wir waren „Mopedfreunde“ und haben viele schöne gemeinsame Ausfahrten gemacht. Da ich mein Hobby in den KoHo einbauen wollte, galt im KoHo "all bikes are welcome". Wir haben viele Harley Events, Stammtische, Hochzeiten, Jubilar Feiern und Saison-Eröffnungs- und Abschluss Partys, sowie Harley Osterhasen Partys, und "Runs" im KoHo gefeiert.
Die Biker kamen nicht nur aus der Region, sondern aus der Schweiz, aus England, aus Österreich, aus den weiten Niederlanden, aus Belgien, Luxemburg und aus ganz Deutschland. Der KoHo war in der Bikerszene bekannt.
Foto: Slg- Tina Hamacher; An schönen Tagen wurde auch draussen serviert
Ich habe in dieser Zeit natürlich auch den großen Umbruch miterlebt, nämlich dass die Leute nicht mehr so häufig in die Gaststätten gingen wie vorher. Das große Gaststättensterben hatte sich bereits abgezeichnet. Einen extremen Rückgang brachte das Nichtrauchergesetz.
Hinzu kam, dass viele ältere Gäste, die immer freitags und am Wochenende kamen, starben und sie wurden nicht mehr ersetzt. Die jungen Leute hatten keinen Bock mehr, in eine Kneipe zu gehen; sie gingen lieber in Diskotheken oder trafen sich anderswo.
Dann gab es die weitere große Veränderung. Fußballvereine, Tennisclubs begannen Vereinsheime zu bauen. Die Erstellung war auch günstig, weil sogar ein „Riesengebäude“ von den Mitgliedern, die im Bau‑ und Gewerbebereich tätig sind, als Hilfe für den Verein gestemmt wird.
Sie hatten ihre eigenen Häuser nicht nur für die Mitglieder. Für Feierlichkeiten wurde vermietet. Der Unterhalt ist günstig, die Auflagen sind gering. Jeder, der mal aushilfsweise die Theke gemacht hat, steht am Zapfhahn.
Und dann wurden auch noch die Veranstalter des Stadtfestes in Kohlscheid auf mich aufmerksam. sie realisierten dass der KoHo, dem Publikum was Attraktives bietet. Sie haben meinen Eventkalender eins zu eins kopiert, haben sich viele dieser Gruppen, die bei mir richtig Stimmung gemacht haben, aufs Stadtfest geholt.
Mein Publikum schwenkte um: „auf dem Stadtfest hören wir die umsonst, im KoHo müssen wir 5 € Eintritt zahlen“. Das war eine herbe Veränderung.
Ende und Bilanz
2015 kam die Flüchtlingswelle. Auch im Hotel wurden Flüchtlinge untergebracht.
Mein Vertrag stand kurz vor dem Ende.
Der Eigentümer hatte andere Pläne als weiter an mich zu verpachten. Ein langfristiger Vertrag mit der Stadt war für ihn wesentlich lukrativer.
Ja, also es ist ja kein Geheimnis, dass die Erzählung durch Kohlscheid ging, dass man mich auf eine unschöne Art und Weise raus katapultiert hat um einen Vertrag mit der Stadt zu machen. Mein persönliches Inventar habe ich alles verkauft. Aber, ich konnte ja keine Türe mitnehmen, ich konnte ja die Elektrizität nicht mitnehmen die Toilettenanlagen. Alles, was ich nicht mitnehmen konnte und damit nicht verkaufen konnte, hat die Stadt Herzogenrath ohne Ablösung übernommen.
Letztendlich haben sich meine ganzen Investitionen dennoch gelohnt. Ich bin mit mit vielen zehntausend Euro Verbindlichkeiten gestartet und habe fünf Jahre von den Einnahmen gut davon privat gelebt und bin plus‑minus null rausgegangen.
Wenn früher Vereine, Parteien oder andere Gruppierungen in den Gaststätten Veranstaltungen hatten, so veranstaltete in meinen Jahren der KoHo vielseitige Gelegenheiten sich zu treffen, zu tanzen, sich zu unterhalten, - einfach um Spaß zu haben.
Also, insgesamt betrachtet hatte ich schon einen Wahnsinnszulauf.
Ich habe den KoHo von null auf 100 gebracht. Meine Arbeit war eingeschlagen wie eine Bombe. Wenn es mal in der Gaststätte nicht so gut lief, habe ich das Geld aus den Hotelzimmern geholt. Also ich habe wirklich gut verdient. Ich habe mir selber privat auch einiges leisten können.
Ich hatte eine lange Zeit meine Freude gehabt und durch das, was ich immer machen wollte, viel Bestätigung und Erfüllung gefunden.
Nach der Entscheidung, keinen Vertrag mehr zu bekommen, war ich am Boden, man hatte man mir mein Herz rausgerissen. Da habe ich mich erst mal fangen müssen.
Heute- das Telefon geht zu Hause immer noch: “Tina, du machst ja zur Zeit nichts, kannst du mir mal aus der Patsche helfen?“
Den Kontakt zu diesem Metier habe ich nicht verloren, ich bin nach wie vor in der Gastronomie bekannt.
Trotz der ganzen Veränderungen hätte ich den KoHo gerne weitergeführt.
Foto:Tina Hamacher; Tina (links) in ihrem Element
Anhang
Erich Hallmann: In meinem Archiv gefundene weitere Erinnerungen und Informationen zum KoHo.
Erinnerungen von meiner alten Freundin Annemie:
Ich hab 1950 im KoHo meinen Mann kennengelernt. Mit dem bin ich zum Tanzen gewesen. Das war in dem kleinen Sälchen und gesessen haben wir wo der Billardtisch steht. Mein Mann, der ging nicht nach Harff. Er kannte aber auch den Josef Bücken persönlich. Und wenn etwas ganz besonderes war, also Karneval und Silvester gingen wir zum Casino. Wir gingen auch gerne zum Schroiff, wenn die Bühnengesellschaft einen Abend hatte. Aber mit Freunden zum Tanzen, da gingen wir in den Hof. Das war das Stammlokal meines Mannes. De hau der mong no Hof stoe. (Er hatte nur den KoHo im Kopf).
Erinnerungen von Erika und Josef Martinelli
Josef Martinelli Musiker zur Kirmeszeit
Erika: „Ich wohnte am Ehrenmal, meine Eltern gingen das ganze Jahr nirgendwo hin. Nur nach dem Kirmes Rundgang gingen sie in den KoHo. Ich war 14 Jahre alt, es war also 1952. Und ab da spielte Josef am Klavier. Er spielte dort zur Kirmes für zwei, drei Jahre. Und ich ging mit meinen Eltern in diesen Jahren zum KoHo. Den Josef hatte ich seither im Kopf.
Josef: Wir spielten Anfang der 50er Jahre zur Kirmes im KoHo und zu anderen Terminen bei Jansen in Pannesheide, Meine Mitspieler waren Jüppche Schings, jünger als ich und Bandleader Peter Preuth, Postbeamter, er war viel älter als ich. Jüppchen Schings war nachher ein bekannter Akkordeonspieler. Klar, wir haben vor den Auftritten auch schon mal geprobt, bei Peter Preuth zu Hause. Das Repertoire war Tanzmusik, einfache Lieder – Kornblumenblau, und solche Schlager aus der damaligen Zeit, die man kannte. Im KoHo war der Billardtisch für den Kirmestanz weggeräumt. Das Klavier stand sofort rechts neben der Tür, also im Billardraum. Wir brauchten keinen Strom, also alles ohne Verstärker und Lautsprecher. Wir spielten drauf los und die Leute waren froh, wenn sie Musik hörten. Wir fingen an und da sprangen die sofort op un wore anet danze. Un net wie hüh, Mann und Frau tanzten ja damals zusammen. Wenn et Jüppche de Ärm wïeh dänge, da nahm ich mir das Akkordeon und Jüppchen setzte sich ans Klavier. Die do anet danze wore, die merkete dat jarnet.
Die Leute waren die, die in der Gegend wohnten, also aus allen Schichten. Die Leute waren vorher auf der Kirmes und dann koeme se noch jet danze. Wir spielten aus „Spaß an de Freud“ und wir kriegten dann auch schon Geld dafür. Ich meine, dass ich da bei Jansen zwei Mark die Stunde gekriegt habe. Wir spielten von 7 bis 12 Uhr also 10 Mark. Als Vergleich, ein Bier kostete vielleicht drei bis vier Groschen. Der Wirt war Josef Bücken, der Billardspieler.
Erinnerungen des ehemaligen Stammgastes Josef Nellessen
Während des Krieges waren ja viele Männer verpflichtet; die Wirtschaften waren entsprechend leer. In den schlechten Zeiten gab es auch kaum etwas zu trinken. Hin und wieder wurde auch etwas schwarz gebrannt. Die Grube Laurweg hatte ca. 2000 Beschäftigte, die in drei Schichten arbeiteten. In der Josef-Lambertz-Straße war ab Bürgermeisteramt nach Kämpchen hin nur Feld. Alle die, die von Kämpchen kamen, gingen die Südstraße hoch, bis zum Engels Schängchen, dann am Ehrenmal vorbei, die Weststraße hinunter bis zur Grube. Die gingen nicht durch das Feld zum Kohlscheider Hof, der war zu vornehmen. 1947 waren die Eltern von Josef Bücken noch in der Gaststätte Kohlscheider Hof.
Der Kohlscheider Hof war von der Gestaltung und der Einrichtung her etwas abgehobener als die anderen Gaststätten. Im Kohlscheider Hof ging es immer gesittet zu. Die Gäste kamen aus der Verwaltung aus der Post und es waren einige höhere Angestellte vom EBV als Stammgäste da. Der Josef Bücken hatte als Billardspieler den Billardtisch aufgestellt. Neben dem Eingang rechts war das Sälchen mit dem Billardtisch. Links neben dem Eingang gab es einen runden Tisch. Hier versammelten sich bereits morgens die Rentner. Sie waren zu sechs oder fünf. Sie spielten kombiniert. Drei oder vier spielten Skat und zwei von ihnen spielten immer Billard. Wenn eine Skatrunde oder das Billardspiel zu Ende war, wechselten die Spieler das Spiel. Zu Karneval wurde der Tisch in Richtung Ausgang Hof gerollt. So konnte neben dem Eingang eine Theke für harte Getränke und Likörchen und Sekt eingerichtet werden. An den Tagen wie Kirmes und Karneval waren die Getränke ein wenig teurer, davon wurde die Kapelle bezahlt. Im Billardsaal wurden bei Kirmes und Karneval in den vier Ecken Glasplatten aufgestellt die hinterleuchtet waren. Dadurch wurde der Raum zu einem besonderen Sälchen. Es wurde das „Ko-höchen“ genannt.
Es gab eine Zeit als ich sehr gerne und oft den KoHo besuchte. So oft, dass meine Mutter meinte: „ich lass dir da dein Bett aufstellen, dann brauchst du nicht nach Hause zu kommen.“
Judith Amkreutz
Sie schrieb mir folgende Informationen:
Hallo Herr Hallmann
Das Foto ist im Kohlscheider Hof gemacht worden zu Karneval. Im Hintergrund sieht man noch die Doppeltür zum Saal.
Vorne auf dem Bild sind mein Vater Felix Amkreutz mit meiner Mutter Marianne Amkreutz, dabei sind Allo König mit seiner Frau Brigitte rechts, die Zigarettenspitze zeigt auf meine Tante, die Schwester meines Vaters Marlene Amkreutz (verheiratet mit Ludwig Claerding). Bei den anderen bin ich mir nicht sicher.
In der Freundesgruppe meines Vaters waren von jung an: Allo Koenig (der kleine Allo genannt), Frau Brigitte Allo Prinz(der schwarze Allo genannt) Briefträger, Heinz Bücken (Coca Cola), Frau Hannelore arbeitete im Westkauf Hans Noppeney (gelernter Schneider, später Autoverkäufer), Erich Geduldig ( Roermonder Straße aus dem Blumengeschäft) Willi Prinz (Rumpener Straße) Frau Maria Mathias Dovermann
Sie haben immer sehr viel zusammen unternommen und hatten auch über 50 Jahre einen Stammtisch im Kohlscheider Hof. (Ich fand eine sehr persönliche Rede zu dem 50. Jahrestag des Stammtischs.)
Liebe Grüße nach Kohlscheid
Judith Amkreutz aus Fuerteventura, wo ich seit vielen Jahren lebe
EH: Judith Amkreutz ist die Tochter des Möbelhändlers Amkreutz, der neben der Post am Ehrenmal sein Geschäft gebaut hatte. Er hatte den Brief an den Führer geschrieben.
Danke Judith Amkreutz für das Fotomir den abgebildeten Zeitgenossen, an die sich sicher noch viele Geschichtsfreunde erinnern werden.
Karnevalsdienstag, nicht nur für das Amt
Das Amt – das Bürgermeisteramt- wurde 1909 gebaut. Elf Jahre nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1929 wurde der KoHo unweit des Bürgermeisteramts eröffnet. Ob der Belegschaft des „Amts“ bereits vor den 1950er Jahren ein karnevalistischer Frühschoppen im KoHo geboten wurde, konnten wir nicht herausfinden. Während der Aufbaujahre wurde es zum Brauch: Am Karnevalsdienstag gegen 11 Uhr gingen die vom Amt zum KoHo.
Frage an die Leser: Bekamen die vom Amt vorher Biermarken oder ähnliches vom Amt?
Der Koho war vorbereitet. Eine kleine Musikband war engagiert. Oft kamen auch Abordnungen der Karnevalsgesellschaften vorbei. Natürlich waren auch der Bürgermeister und die Hüteren auch dabei. Die vom Amt nahmen die Gelegenheit an diesem Vormittag auch mal mit ihrer Kollegin aus dem eigenen Büro oder auch aus einem andern Büro mal zu tanzen. Gegen Mittag hatten die ersten genug getrunken und verzogen sich nach Hause. Hartgesottene Kohlscheider Karnevalisten fielen jetzt in den KoHo ein. Sie profitierten von der mittlerweile hervorragenden Stimmung. Im Laufe des Nachmittags wurde es dann immer ruhiger bis zum „Sonnenuntergang“. Dann füllte sich der Koho wieder. Die letzten Karnevalsstunden ging es dann nochmals hoch her. Der KoHo füllte sich bis auf den letzten Quadratzentimeter. Auch eine Menge Möhnen mischten sich unter die Feiergemeinde. Die angesagten Karnevalsschlager des Jahres wurde noch mehrmals gegrölt. Ich selbst erinnere die Suppe, die noch da war, während das Pferd im Flur stand. Einige hörten nochmal die „Wahrheit“ wie die Möhne sie empfand.
Und dann kam 23:55Uhr. Ganz wenige verschwanden vor Mitternacht, denn es hieß Punkt 24 Uhr: DEMASKIERUNG. Das war auch der Anfang vom Ende. Die Wirtin, der Wirt drängte jetzt auf Kasse. Selbst die ständigen Naahtsbraggeler wurden vor die Türe gesetzt.
Der wohl für den KoHo umsatzträchtigste Tag im Jahr war der Karnevalsdienstag.
Foto: E. Hallmann 2025; Traurig - so finde ich, wirkt das alt ehrwürdige Haus heute.
Dank an:
Josef Aretz für Infos aus den Büchern Spuren der Vergangenheit Josef Nellessen für seine Erinnerungen an seine Zeit im KoHo Judith Amkreutz für die Übermittlung der gesammelten Unterlagen ihres Vaters Annemie K. für die immer aufschlussreichen Gespräche zu und über Kohlscheid Bettina Hamacher (Tina) für die Schilderung ihrer Erlebnisse in der Gastronimie
*Kä08 Remy) Kesseles 82 (heute Südstraße 226), Gastwirtschaft, Wirte: 1877 – 1903 Joseph Remy sen., 1903 - ? Josef Remy jun., F. Remy ? - ? , Margarethe Remy ? - ?, Albert Remy ? - ?, Hannelore Neitzel ? - 1989, Ferry Vijgen 1992 - 1997, Brüder Guido u Georg Wirtz 1997 - ?, ? Lemmermann ? – derzeit. In den Adressbüchern: 1927 Remy F Gastwirt, 1927 und 1950 Margarethe Remy, 1957, 1962 und 1975 Albert Remy
Erstellt Juli 2026
Zur Abgrenzung:
In der Südstraße, alte Hausnummer Vorscheid 84, neue Nummer 139, gab es eine Wirtschaft, die 1901 ein Carl Remy übernahm. 1908 übernahm diese Wirtschaft der Stellmacher Simon Barth.
Carl Remy saß 1913 in der Südstraße, neue Nummer 4. In diesem Haus wurde am 1.12.1913 die „Spar und Darlehenskassenverein e.G.m.u.H. Kohlscheid” gegründet. Ein Gründungsmitglieder ist der Geschäftsinhaber Carl Remy. Seine Funktion wird als Rendant bezeichnet.
Ob er verwandt ist mit dem Josef Remy aus der Restauration in Keßeles ist nicht bekannt. ----------------------------------------------- Lage / Situation
Die Gaststätte Remy liegt „an der Grube Kämpchen in der Ortschaft Kesseles“, am Schnittpunkt Ende Südstraße. Links geht es nach Würselen, rechts und geradeaus nach Kämpchen.
Der Standort wird 1894 noch Keßeles 82 genannt.
1903 wurden in Kesseles 535 Einwohner gezählt.
1897 In Kesseles brennt es beim Gastwirt Josef Remy; der Schaden wird von der Versicherung mit 1.350,00 Mark vergütet. (Altakten Kohlscheid 1-150)
Gegenüber der Restauration gehörte der Familie Remy eine große Wiese. Am Rand verlief ein Fußweg auf dieser Wiese, von der Südstraße bis nach Roland. Für diesen Weg zahlte Remy Grundsteuern. 1886 beantragte Remy die Aufhebung dieses Fußweges. Der Gemeinderat lehnte ab, weil selbst eine nur teilweise Unterdrückung „des uralten Weges” für die Bewohner eine Härte darstellt.
1904 wiederholte Remy den Antrag. Erst 1907 beschließt der Gemeinderat nach einem erneuten Antrag die Aufhebung des Weges.
Zur Wasserversorgung gibt es eine Meldung vom August 1904:
Weil sie bei Trockenheit und im Winter nur bedingt über Wasser verfügen. bitten alle Bewohner von Kesseles und 26 von Roland die Gemeinde um Verlängerung der Wasserleitung. beginnend an der Arbeiterkolonie”. Ihnen ist auch mit "Grubenwasser" geholfen. Weiterhin wünschen sie "eine Beleuchtung ihrer Wohnplätze”.
Vor der Existenz dieser Wasserleitung muss das Wasser aus einem Brunnen gekommen sein. Ich konnte nicht herausfinden, wo in der Nähe der Gaststätte ein Brunnen war. Wer hat Informationen? Bitte melden.
Restauration J.Remy; Foto: Aufnahmedatum unbekannt, Sammlung Karl Remy
Wirtsleute Remy
Für Joseph Remy wird 1877 der Erlaubnisschein zum Betrieb einer Gastwirtschaft ausgestellt.
Die Restauration Remy, Joseph, Keßeles 82, muss sehr gut „gelaufen“ sein. In der Liste der angefallenen Steuern bei einem zu versteuerndem Einkommen über 6000 Mark, wurde sie 1894 mit Steuern in Höhe von 1300 Mark an Platz 1 von 13 aufgeführt.
1884 wird Joseph Remy in einer Kirchenakte als Mitglied des Kirchenvorstands aufgeführt.
Dort wird er als Ackerer und Wirt bezeichnet.
Wie lange er auch landwirtschaftlich tätig war, ist nicht bekannt, aber 1914 wird er noch in der Liste der landwirtschaftlichen Betriebe unter Südstraße 226 aufgeführt. (nicht zu verwechseln mit Peter Remy, der Gut Mühlenbach gepachtet hatte)
1903 übernimmt im Januar Josef Remy jun. die bisher von seinem Vater Joseph geführte Gaststätte. Die Konzession wird am 12.06.1903 erteilt. Die Vermutung liegt nahe, dass Josef Remy jun., wie alle Wirte, sehr umtriebig war, also „seine Finger“ in vielen Angelegenheiten hatte.
So war es selbstverständlich, dass er 1915 seinen Heuvorrat der Heeresverwaltung für die Militärpferde meldete. Oder, 1927 und 1929 war er bei den Zylinderschützen (Schützengesellschaft 1908 Kohlscheid) der Scheibenkönig.
Im Laufe der Zeit wurde die Gaststätte innerhalb der Familie noch dreimal übergeben.
Im Adressbuch 1927 wird aufgeführt: F. Remy, Gastwirt, 1950 erscheint Remy, Margarethe im Adressbuch. 1957, 1962 und 1975 finden wir Albert Remy im Adressbuch.
Bedeutung der Wirtschaft für Kämpchen
Reges Vereinsleben
Viele Vereine wurden im Lokal gegründet und hatten dort ihr Vereinslokal. So z.B. die 1906 gegründeten St. Martinus-Flobertschützen-Gesellschaft Kohlscheid-Süd Oder im Januar 1933 hat der Brieftaubenverein „Treu zur Heimat, Kohlscheid-Süd” hat dort seine Vereinsausstellung.
Das Lokal erfüllte selbstverständlich auch die Funktion Treffpunkt für die Kämpchener zu sein
Herbert Topa gibt uns den typischen Bericht eines Stammgastes: Ende der 60er Jahre habe ich mit dem Fahrlehrer Dovermann und Metzger Willi Mahr zusammen abends ein, zwei Bier bei Remy getrunken.
Ich musste ja nach einem schweren Tag „die Post wegbringen“. Nach drei vier Wochen hatte meine Frau mich erkannt: „du musst die Post nicht wegbringen, geh du mit den Jungs ein Bier trinken“ . Das war unser kleiner Freiraum. Wir arbeiteten 12 Stunden zusammen. Jeder von uns musste früh wieder raus und so war das beschränkt auf ein, zwei Stündchen.
Nach dem Umzug in den Wiesengrund war Remy zu weit, da bin ich nach Kiesling gegangen. Da war dann die alte Garde, die schon immer dort seit langem verkehrte. Hans Müller, den kannte ich ja, weil auch Frisör, hatte mich in diese Gesellschaft eingeführt.
Kein Fest wurde ausgelassen
Bereits 1889 wurde intensiv an allen Fastnachstagen gefeiert; jedoch war Maskierten an allen Tagen der Zutritt nicht gestattet. In der Zeitung wurde im Juli 1904 gemeldet: „Auf der Wiese von Remy in Vorscheid war ein Radfahrerfest, das leider unter dem regnerischen Wetter litt.
Die Wiese
Die Fußballfreunde in Kohlscheid wissen um die Bedeutung der Wiese gegenüber der Gaststätte.
Ab Januar 1914 war die Wiese der neue Fußballplatz für den KBC.
Im Juni 1914 schloss sich der KBC dem Westdeutschen Spielverband an. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges nahm der KBC an 25 Spielen teil, die er alle gewann.
1919 gab es neu in Kohlscheid den „Kohlscheider Spielverein 1919„Union”. Die Union spielte zuerst auf einer Wiese südlich vom Straßenbahndepot. Als der KBC die Wiese von Remy verlies, übernahm die Union den Platz.
1927 wollte der KSV, auf der Wiese von Remy spielen. Doch das klappte nicht. Auch das Bemühen, im Raum Oststraße/Hoheneichstraße eine Wiese zu erhalten, klappte nicht. Wir wissen dass auf dem Platz unten in der Nordstraße jahrelang gespielt wurde.
Die Wiese war also bei den Fußballern sehr begehrt, das lässt auf einen geraden Platz ohne „Hubbeln“ schließen.
Kirmes
Immer gab es den Versuch die Kohlscheider Kirmes nachzuahmen, Für Klinkheide wurde es nicht genehmigt. In Bank gab es auf dem Platz vor dem Pfarrheim 2 Jahre die Bemühung.
In Kämpchen auf der Remy Wiese drei Jahre lang.
Bau Hochhaus
Vermutlich waren die glückliche Lage und die Größe der Wiese der Grund für den Bau eines großen Wohnhauses. Wann und wie es entstanden ist, wissen wir nicht. Ob sich aus den Reihen der neuen Mieter auch neue Gäste für die Wirtschaft rekrutieren ließen, wissen wir auch nicht.
Foto: E Hallmann
Wirte
Albert Remy verpachtete die Wirtschaft an Hannelore Neitzel. Wir wissen leider nicht, ab wann und bis wann genau sie die Wirtin war.
Sie präsentierte sich in der Festschrift des KBC von 1983:
Die gemütliche Gaststätte für Tag und Feierabend, Hannelore Neitzel, für kleine und größere festliche Anlässe stehen 3 Gesellschaftsräume zur Verfügung,….Bitburger Pils, König Pilsener, Hannen Alt,…. Seit 1936 Vereinslokal der Siedlergemeinschaft Kohlscheid Süd
In der Festschrift der Narrenzunft, 50 Jahre, von 1985:
Remy Neitzel Hannelore Die gemütliche Gaststätte für Tag und Feierabend; für kleine und größere festliche Anlässe stehen 3 Gesellschaftsräume zur Verfügung
Natürlich verstand auch sie das Geschäft mit den Vereinen. So waren zum Beispiel der Obst- und Gartenbauverein und der Kohlscheider Turnverein "Einigkeit" monatlich im Jahr zu Versammlungen im Lokal.
Ja, und dann kam die Zeit, dass Hannelore Neitzel nicht mehr so arbeiten konnte, wie sie wollte. Sie konnte nicht mehr Frittieren. Durch einen großen Riss im Kamin war der Dunstabzug nicht mehr gewährleitet. Der Eigentümer Remy wollte nicht in eine umfassende Sanierung investieren und verkaufte 1990 das Haus an den Bauunternehmer Klaus Barth. Die Anbindung an die Gastronomie hatte der durch die „Frittenbude“ seiner Frau in der Kämpchenstraße.
Ferry Vijgen Der Wirt von 1992 bis 1997.
Er hatte großen Anteil an der Gestaltung und damit am Um- und Ausbau der Gastwirtschaft.
Ferry Vijgen war ein besonderer Wirt. Heute noch schwärmen ehemalige Gäste von diesem sympathisch auftretenden Menschen. Er war in hohem Masse den Gästen zugewandt und arbeitete sehr phantasievoll.
Lesen Sie seine Anzeige in der Festschrift des KBC von 1996:
Im März 2026 hatte ich die Gelegenheit einiges von ihm persönlich zu erfahren. EH: Wie sind Sie nach Deutschland gekommen? Sind Sie ganz gezielt beruflich oder sogar wegen der Gaststätte gekommen?
Ferry Vijgen:
Ich war in Holland zu Hause beschäftigt. Nach Deutschland gekommen bin ich durch meine Frau, die in Kämpchen Dornkaul wohnte, oben an der Ecke bei Bauer Sturm, deshalb bin ich nach Deutschland gekommen. Danach war in Aachen beschäftigt.
In Aachen hatte ich eine Stelle im Außendienst beim Zeitungsverlag. Ich war als junger Mann der einzige unter all den älteren Herren.
Ich verkaufte Anzeigen für die Aachener Volkszeitung. Ich war 24 oder 25 Jahre alt.
Deutsch habe ich zu Hause und in der Schule gelernt und ich konnte schnell Deutsch lernen so wie andere Sprachen auch, wie Englisch, Italienisch, Französisch. Zum Beispiel konnte ich auch ganz schnell das Öcher Platt sprechen.
Es ist jetzt so, dass ich sehr viel zu tun hatte und wir viele Aufträge hatten, aber irgendwann wurde es langweilig. Aber ich traf dann immer viele Unternehmer, unter anderem auch den Jacobi vom Biergroßhandel Marder. Sein Bruder hatte die Gaststätte in Laurensberg, Haus Linde.
Ich komme ja selber aus der Gastronomie. Meine Geschwister, also meine Familie, wir haben jetzt noch in Holland, ein Hotel in Heerlen und außerdem noch Gastronomie.
In Haus Linde hörte ich, dass die Wirtschaft Remy in Kohlscheid, leer steht. Viele Jahre wurde die Wirtschaft von Remy selbst geführt. Danach führte Hannelore Neitzel lange Jahre die Wirtschaft.
Die Wirtschaft am Markt Alt Bayern wurde von der Sparkasse umgebaut. Nachdem der Vertrag von Hannelore Neitzel bei Remy ausgelaufen war, eröffnete 1990 Hannelore Neitzel die Wirtschaft am Markt.
Remy hatte das Haus Remy an den Bauunternehmer Klaus Barth (Kämpchen, Imbissstube) verkauft. Klaus Barth hat die Wohnungen und den Fußboden in der Wirtschaft umgebaut, bzw. renoviert.
Klaus Barth fand keinen Wirt, denn die Wirtschaft hatte eine altbackene Anmutung. Glückliche Fügung war, dass Klaus Barth auch in Haus Linde verkehrte. Der Wirt von Haus Linde, ein guter Freund von mir, auch heute noch, brachte uns zusammen. Er wusste, dass ich mit Gastronomie vertraut bin. So kam es, dass wir einen Pachtvertag über fünf Jahre abschlossen.
Zuerst habe ich neun Monate lang renoviert.
Mit meiner Familie zusammen habe ich viele Gedanken und Ideen gesammelt. Ich habe bei den Leuten aus den Vereinen Vorstellungen und Wünsche abgefragt. Dann haben wir im Familienkreis ein Konzept gemacht. Die Finanzierung stand. Im Herbst 1992 habe ich eröffnet. Vorher habe ich aber bei den Vereinen und wichtigen einflussreichen Personen für mein Konzept geworben.
Dann gab es noch die Entscheidung zur Benennung der Kneipe. Ich wollte den Namen Remy beibehalten und das habe ich mit dem alten Herrn Remy noch besprochen. Und er hatte mir mit Freude genehmigt, dieses Haus nach wie vor oder diese Wirtschaft nach wie vor unter dem Namen Remy zu führen.
Für die Gaststätte waren es 70 Sitzplätze und im Saal 80 Sitzplätze. Insgesamt hatten wir Platz für ca. 200 Leute, denn im Keller gab es noch Stehtische. An der Theke konnten bis zu 20 Leute stehen bzw. Platz nehmen.
Dann haben wir die Eröffnung geplant. Wir haben also eine Woche vorher auf einem Plakat bekannt gegeben: „Am nächsten Samstag eröffnen wir, alle sind willkommen“.
Die Gäste wussten nicht, dass alles kostenlos war. Um 18 Uhr haben wir die Tür geöffnet. Um 18:45 Uhr war die Polizei bereits da. Sie hatte einen Teil der Südstraße abgesperrt.
Um halb elf morgens haben wir Frühshoppen gemacht, so wie das auch früher war.
Ab Mittag hatten wir Mittagstisch bis abends. Wir hatten selbstverständlich einen Koch und Bedienung. Ich hatte fast jeden Tag vier bis fünf Mitarbeiter beschäftigt.
Innerhalb von drei Monaten baute sich das Geschäft enorm aus. Wir hatten ein sehr gutes Geschäft samstags abends, sonntags abends. Fast alle Kohlscheider kamen. Gegen Mittag kamen die Unternehmer, Bauunternehmer, Handwerker.
Letztendlich war bei uns im Haus Remy der gleiche Stil, dieselbe Gelegenheit, dieselbe Machart, dasselbe Publikum wie in Haus Linde beim Sockel.
Wir waren von vornherein im Austausch. Wir machten Muscheln zusammen, wir machten Spargel zusammen. Wir hatten fast dieselbe Karte. Wir hatten auch dieselbe Biersorte, nämlich König Pilsener.
Meine Stärke war aber, dass ich auch Beerdigungskaffee machen konnte. Ich hatte Verbindungen mit den Bestattern aufgenommen.
Das Ganze baute sich auf: Wir hatten Hochzeiten, Kinderkommunionen, Feiern jeder Art. Irgendwie hatte sich herumgesprochen, dass das man bei uns gut feiern konnte und vor allem, dass man auch ein gutes Buffet bzw. gutes Essen bekam.
Die Gäste kamen nicht nur aus Kämpchen und Kohlscheid, nein wir hatten Stammgäste ortsübergreifend, z.B. aus Aachen, Bardenberg, Würselen und sogar aus Alsdorf.
Wir haben fünf Jahre lang ein hervorragendes Geschäft gehabt.
Irgendwann im Urlaub haben wir beide, meine Frau und ich, gesagt, wir sind immer nur am Arbeiten. Wir müssen irgendwie auch sehen, dass wir mal etwas für uns haben. Und deshalb habe ich den Pachtvertrag nicht verlängert.
Zusammenfassung von E. Hallmann: Durch Zufall hatte der Niederländer Ferry Vijgen aufgrund seiner Kompetenz, die er im Familienverband erworben hatte, Lust darauf bekommen, diese Gaststätte Remy zu eröffnen. Er hatte ein gutes Konzept entwickelt, das funktionierte, weil er vorher mit vielen einflussreichen Menschen aus den Vereinen gesprochen hatte. Und das alles funktionierte. Sein Konzept funktionierte, weil er eine vernünftige, gute Küche anbot und ein qualitativ hochwertiges Bier. Nicht zuletzt war seine höfliche, den Menschen zugewandte Art mit verantwortlich für den enormen Erfolg.
Aber nach fünf Jahren erkannte er, dass sein Leben auf der Strecke blieb.
Wie ging es weiter?
In den fünf Jahren hatte Haus Remy einen derartig guten Ruf, der schwer zu halten war.
Guido Wirtz und sein Bruder Georg übernahmen, aber sie wechselten nach ca. einem Jahr in die Gaststätte Bosten, Horbach.
Und danach wurde aus dem Haus Remy wieder mal ein anderes Lokal unter einem neuen Wirt und Namen. Der Nachfolger war der Fußballspieler von Alemannia, Stephan Lämmermann. Die Wirtschaft nannte sich nun „Bei Lämmi“
Leider haben wir hierzu keine Daten und Geschichten. Wer kann weiterhelfen?
*W10 Kaisergarten, Industriestraße 2, China Restaurant
*W07 Casino Laurweg, Kaiserstraße 101, Restaurant ( Repräsentationlokal des EBV, Kaiserstraße 101, nur zeitweise der Öffentlichkeit zugänglich; in Betrieb von 1896 bis 2004; Wirte und Geschäftsführer: 1905 Eheleute Klein, 1930 Geschwister Beckers, 1950 „Ökonom“ Josef Herzog, 1968 Heinz Koppelkamp, 1979 Eheleute Willi u Rosemarie Schöder, 2003 Pächter: Michael Herff
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