Das Mailehnlied, herausgegeben vom Volksverein zu Kohlscheid



Mailehenlied, Jongespääl und andere Maibräuche in Kohlscheid

Vorbemerkung

Der nachfolgende Text und die darin wiedergegebenen Bilder geben unterschiedliche Zeitepochen wieder. Die Bilder sind aus der Zeit 1930 bis 1960 und vermittelen beispielhaft einen Eindruck davon, welche Maibräuche in vergangenen Zeiten in Kohlscheid üblich waren. Die Bilder stammen aus Privat-Sammlungen und aus dem Archiv des Heimatverein Kohlscheid. Als Ergänzung zum Mailehenlied folgt ein altes Mailied der Maijungen zum Ausrufen der Paare.
Wir wünschen viel Spaß und Erkenntnisse beim Lesen und Sehen.

Der Mailehenbrauch

Das Herannahen des Monats Mai gibt Anlass, sich mit den Traditionen, Geschichten und Bräuchen zu beschäftigen, die sich um diesen Monat ranken. Die Maibräuche wurden im gesamten Rheinland und darüber hinaus in ganz Deutschland praktiziert, wobei dieser Text hauptsächlich die hiesige Region behandeln soll. Aufschluss gibt das „Mailehenlied“, wie es „ seit Jahrhunderten im Wurmgebiet vom Volke gesungen wird“.  
Der Ursprung des Mailehenliedes ist ungewiss. Es stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert und war Teil des Mailehenbrauches. Das Lied ist in der niederdeutschen Sprache verfasst, die bis in das 17. Jahrhundert auch in der hiesigen Region verbreitet war.

Über den Inhalt des Liedes

Der 1. Mai stand und steht heute noch für das Frühlingserwachen in der Natur.
Die Bäume werden grün, die ersten Blumen blühen, junge Tiere kommen zur Welt und auch bei den Menschen regen sich die Frühlingsgefühle.
Das Lied steckt voller Anspielungen und Zweideutigkeiten.Das jugendliche Verlangen, der sich sträubenden Angebeteten näher zu kommen, kommt darin zum Ausdruck. Die Interpretation der Bedeutung der Symbolik bleibt der Fantansie des Lesers selbst überlassen.

Der Originaltext

Om d’Poasche da gät sech de Fasten ous
Oun dann länge sech de Daage
dann köimt sech der Mai, d’r gnöigleche Mai
met alle synne gröine Blaadre
Eja! Hopsa! Valderadera!
Dat ech dech Levche dynne Mai vergoaß

Den ganzen Text der Kohlscheider Veröffentlichung und die Übersetzung können Sie hier lesen
Den Text des alten Mailieds (Wechselgesang) zum Ausrufen der Paare, finden Sie hier 
Das Textblatt des Mailehn-Lieds in seiner niederdeutschen Fassung und Weise, herausgegeben von  Gerhard Merkelbach in Kohlscheid zum Preis von 10 Pfg. finden Sie hier
Wie die Weidener Jungen ihre Mädchen heute ausrufen, haben wir hier  

Das Lehen     (Die Leihgabe)

Dieses Brauchtum war eine Art dörflicher Partnervermittlung. Unverheiratete junge Männer ersteigerten unverheiratete junge Frauen und erhielten diese  als „ Lehen „ ( Leihgabe ), verbunden mit der Verpflichtung, sich für die Dauer eines Jahres ausschließlich diesem und keinem anderen Mädchen zu widmen. Ein Mitspracherecht hatten die Mädchen nicht, fühlten sich aber geehrt, wenn sie auserwählt wurden und gekränkt, wenn sie nicht zum Zuge kamen. Im Idealfall mündete diese Partnerschaft in einer Ehe. Die jungen Männer stellten der jeweils Auserwählten einen Maibaum auf, eine mit bunten Bändern geschmückte junge Birke.
Das Mädchen mit dem höchsten Gebot wurde Maikönigin, der dazugehörige junge Mann Maikönig. Diese beiden führten den Maitanz an, gefolgt von den übrigen Paaren.
Die erwählten jungen Mädchen hatten sich bei den jungen Männern mit einer Spende – oft Eier-  zu bedanken. Den Mädchen, die nichts oder zu wenig gaben wurde ein Sack Sägemehl vor die Tür geschüttet.

Die Wahl des Maikönigs

In der Erzählung des alten Kohlscheiders Lambert Schroiff wird die Wahl des Maikönigs beschrieben, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Kohlscheid üblich war:
Die Junggesellen der einzelnen Ortsteile trafen sich zur Bestimmung des Maikönigs in ihren Gaststätten. Mit Hilfe von Spielkarten ermittelten sie den Maikönig. Es wurde derjenige, der das Herz-As zog.
Wenn der so ermittelte Maikönig sich das Amt nicht zutraute, konnte er es dem von ihm bestimmten Vizekönig übertragen.
Dem Maikönig musste sofort seinen Hofstaat benennen. Der bestand aus dem Fahnenschwenker, dem Pritschenmeister und dem Krugträger.
Der Pritschenmeister war als Zeremonienmeister für die Aufrechterhaltung der Ordnung zuständig, der Krugträger überwachte den Alkoholkosum, wobei er aus dem von ihm mitgeführten Krug anfangs sehr sparsam, später immer großzügiger ausschenkte.
Zusammen mit den übrigen Mitgliedern der Gemeinschaft bildeten sie das sogenannte „Jongespääl“.
Es ist zu vermuten, dass in dieser Versammlung der Maikönig seine Maikönigin bestimmte und auch die übrigen Maipaare zusammengestellt wurden.

Das Ausrufen der Mädchen

Foto: Eihmer, Maisingen in der Südstraße vor Lebensmittel Schillings, 1955

Foto: Eihmer, Maisingen mit Baum und Bütte zum Sammeln der Eier, Südstraße vor rechts Fahrrad Eichenbaum, 1955

Durch Ausrufen erfolgte die Bekanntmachung.
Die ausgerufenen Mädchen, oder besser deren Väter, honorierten dies mit Spenden, in der Hauptsache in Form von Geld.
Der Hofstaat hatte die Aufgabe, die Vorbereitungen für den Maiball zu treffen, so die Beschaffung eines Tanzbodens, der Musik und der festlichen Bekleidung für die Mitglieder des Jongespääls.
Am Kirmessonntag trafen die Jongespääle der einzelnen Ortsteile ,oft 7 oder 8, nach dem Hochamt vor dem Kapellepoul ( eine Art Teich) auf dem Marktplatz, um auf ihre Mädchen zu warten.
Die jungen Männer waren festlich gekleidet mit Schulterschärpen und Blumen am Hut, König und Vizekönig trugen einen goldenen bezw. silbernen Lorbeerkranz um den Hut. Die aus der Kirche kommenden Mädchen wurden von den Maijungen an sich herangezogen. Dem Maikönig war seine Maikönigin bereits zugeführt worden.
Es liegt nahe zu vermuten, dass die jeweiligen Mädchen vorher wussten, dass sie herangezogen werden sollten. Schließlich mussten sie ja Gelegenheit haben, sich ein Festkleid zu beschaffen. Außerdem war die Zusammensetzung der Maipaare bereits ausgerufen worden.

Der Festzug

Nachdem die Paare sich gefunden hatten, gingen sie im Festzug dreimal um den Kapellepoul, danach marschierte jede Maigesellschaft in ihr jeweiliges Tanzlokal.
König und Königin folgten dem Fahnenschwenker, der seine Fahne möglichst kunstvoll und elegant schwenken musste.

Maijungen Berensberg Rumpen 1956

Maijungen Umzug Kohlscheid 1948

Fahnenschwenker Heins Schaffrath Vorscheid 1948

Fahnenschwenker 1958

Maijungen Pannesheide in Luxus Coupé

Maijungen mit ihren Mädchen, neben Kleinbahn, Roermonder Straße, 1952,

Maifeier Berensberg - Rumpen, 1960 im Paulinenwäldchen

Maijungen-Klinkheide-1950-oder-1951

Maijungen Klinkheide, vor Goertz, 1937

Maijungen Kohlscheid Süd, vor Kirche Kämpchen, 1951

Maijungen Bank, Roermonder Straße, vor Hotel Zur Flotte

Im Tanzlokal angekommen, hielt der König, mehr oder weniger redegewandt, seine Thronrede und eröffnete sodann mit seiner Königin den Maiball.
Die Feierlichkeiten dauerten drei Tage.

Die politische Dimension

Das Mailehensingen wurde zeitweise von der Obrigkeit stark missbilligt und war den Bewohnern des Aachener Reiches im 17. und 18. Jahrhundert verboten. Im Dritten Reich machten sich die Nationalsozialisten die Maibräuche zu eigen.
So spricht ein Artikel im Westdeutschen Beobachter vom 28.April 1936 im Pathos des damaligen Sprachgebrauchs vom „hoffnungsvoll Liebenden, der in zaghaftem Werben an das Fenster des schlafenden Schätzleins klopft, das züchtig verschlossen war und blieb“.
Oder: „ Da klopfte zum ersten Male das junge Herz in junger verschwiegener Liebe zum blondhaarigen Töchterlein des Nachbarn“. Natürlich musste die Nachbarstochter blond sein!
Weiter im Zeitungsartikel: „Gerade der nationalsozialistische Staat hat sich die Pflege und Erhaltung alter Sitten und Volksbräuche zur Aufgabe gemacht….“.
Die Bräuche wurden im Sinne der nationalsozialistische Ideologie interpretiert. Es wird auf die Feier des Frühlingseinzugs bei den Germanen zurückgegriffen. Das Maifest wird „bei der nordischen Rasse“ mit dem Fest der Vermählung der germanischen Götter Wotan und Freya in Verbindung gebracht. Der Maibaum wird als Überbleibsel des heidnischen Glaubens angesehen, der das Symbol der Fruchtbarkeit darstellen sollte.

In Kohlscheid war 1934 bereits folgender Geist eingezogen:
Josef Aretz zitiert aus dem WB, (Westdeutscher Beobachter):
28.04.1934
Der Tag der Nationalen Arbeit, der 1. Mai, wird in Kohlscheid festlich begangen. Die Häuser sind reichlich mit Grün und Fahnen zu schmücken. Der Festzug wird alle Vereine und Berufsgruppen vereinen. Am Vorabend wurde bereits um 21 Uhr der Maibaum eingeholt und um 23.30 Uhr auf dem Hindenburgplatz aufgestellt. Gemeinsam hört man um 24.00 Uhr die Rede des Reichsjugendführers. Am 1. Mai ist am frühen Morgen ein großes Wecken durch die HJ. Um 8.45 Uhr versammeln sich die Lehrer mit den Schulkindern unter dem Maibaum. Es erfolgt dann die Übertragung der Veranstaltung aus dem Berliner Lustgarten. Um 15 Uhr setzt sich der Festzug in der Nordstraße in Bewegung. Es spricht Ortsgruppenleiter Pg. (Parteigenosse) Gibbels zu den Teilnehmern. Um 15.55 Uhr wird gemeinsam die Rede des Führers angehört. Am Abend ist in allen Lokalen Tanz.
11.05.1934:
Am heutigen Samstag (5. Mai) erhält das Mailehnsingen einen neuen Auftrieb. Leiter und Organisator des urdeutschen Brauches ist Pg. Gilles, der Amtsleiter der NSDAP-Ortsgruppe. Die Mai­jungen der einzelnen Bezir­ke versammeln sich um 18 Uhr zum gemeinsamen Umzug auf dem Hinden­burgplatz unter dem Maibaum. Pg. Gilles gibt die Rechte und Pflich­ten der Maijungen nach dem Umzug bekannt. Nun marschieren die Mai­jungen in ihre Bezirke zurück. Um 0.30 Uhr hat jedes Mädchen einen Maischatz. Maikönigin ist Frl. H. aus dem XXgeschäft an der Weststraße. Die gesammelten Mittel werden der NSV zur Verfügung gestellt.

Die Verkümmerung des Brauches in Kohlscheid

Von den genannten Bräuchen hat sich nach dem Krieg hier in Kohlscheid lediglich das Maibaumsetzen hinübergerettet, wobei es inzwischen auch aus Krepppapierrosen gebildete Maiherzen gibt. Leider kommt es immer wieder vor, dass junge Birken wild geschlagen werden, um diese als Maibäume zu verwenden, anstatt dass die Bäume legal erworben werden.

Laut der Aussage eines Zeitzeugen endeten die Maibälle in Kohlscheid in den 1950er Jahren. Ein bereits im Konzerthaus Harff organisierter Ball konnte nicht stattfinden, weil die Maigesellschaft finanziell nicht in der Lage war, die Forderung der GEMA zu erfüllen.
Einer der letzten Kohlscheider Maibälle hat in dem für gehobene Veranstaltungen bekannten Casino Laurweg stattgefunden, wofür die Kohlscheider Maijungen von den anderen Maigesellschaften als „de Scheeter Heere“ oder „de Nackse“ (die Angeber) bezeichnet wurden.

Der Maibaum wird gesetzt, Markt, 2012

Was es auch noch im Mai gab

Bis in die heutige Zeit erhalten haben sich die Maiandachten. Sie sind darauf zurückzuführen, dass im Jahre 1863 Pfarrer Rick bestimmt hat, dass aus seinem Nachlass 600 Taler zur Stiftung einer Maiandacht verwendet werden solle. Weitere Informationen finden Sie im Beitrag, der Mitte Mai erscheint.
 
Vor dem Krieg und bis in die 1960er Jahren ging an mehreren Tagen im Mai eine Prozession früh morgens mit der Geistlichkeit, den Meßdienern und den Bauern durch die Felder. Bei diesen Bittgängen erbat man die Früchte der Felder und eine gute Ernte. 
Ebenso war es in christlichen Familien üblich, Ende April in der Wohnung einen Marienaltar auf zu bauen. Vor diesem Altar konnte dann im Marienmonat Mai gebetet werden.

Um die Jahrzehntwende 1960er / 70er Jahre veranstaltete die CAJ Kohlscheid einige Jahre hintereinander immer am 1. Mai. sehr erfolgreich eine Auto Ralley.  

Bis in die 1960er Jahre bekamen Arbeiter und Angestellte von ihren Unternehmen zum 1.Mai  das sogeanannte Maigeld. 
EH: Im ersten Lehrjahr (Beginn 1.April) 1964 bekam ich 5 DM. Jedes weitere Jahr eine Mark mehr.


Der vollständige Liedtext Version Kohlscheider Volksverein

Om d’Poasche da gät sech de Fasten ous
Oun dann länge sech de Daage
dann köimt sech der Mai, d’r gnöigleche Mai
met alle synne gröine Blaadre
Eja! Hopsa! Valderadera!
Dat ech dech Levche dynne Mai vergoaß
 

Köimt sech dann d’r Mai, d’r gnöigleche Mai
Köimt däh sech heran noa gedroome
Dan gonn’ch vor zöit Lev Schloaffensterche stoan
Spets‘ all de Koa kläffesche Zonge

Doa’ch vöir’t Fenst’rche stoang’t Dörche waas g’schloaße
Stangh opp! fynn Hätzlevche, loaß mich ‚ren
Onn planz‘ dynne Mei, dynne Koulle-Mei
Onn planz‘ dynne Mei lev met Loaste!“
 

„Wo well’ch mynne Mei met Loaste planze?
Lev, ech benn bang, hä möiht mech b’freese!
En went’rsche Naht ehß völl kalder als d’r Daag
Synn Krafte möiht ehmme befreese“
 
„Ehß’n went’rsche Naht völl kalder als d’r Daag
Soll ehmme synn Krafte befreese?
Dann planz‘ ehmme en dynn Vaddesch Boomgaard
Synn Krafte wiedt her dann behalde“
 
„Enn mynn Vaddesch Boomgaard doa stäht en Lind‘
Ene Lindenboom allzuschöine
Daropp soaß de Fraw Nahtegal onn songh
Se songh von de Levd‘ allzeschöine“
 
„O Nahtegal, kleen Vögelin lieve!
Möigt ech dynn Sänge ens anhüire
S‘ hat mech versahd’ne wonderschöin brav Mahd
Ech wollte, dat et net en wüire!
 
Hat dech versahd en wonnderschöin brav Mahd
Wöillst du, dat et ne esou wüire?
Dann gang du’t Ströißche allsängens oop `n av
Se möiht dech noach enmoal anhüire“
 
„Hätzlevche däig achter de Döire stoan
Se späilet oach een kleen Flöitsche
Noa’n späil, Hätzlevche, wat du späile kanns
Du späiles mech doach net zum Danze?“
 
„Soll ech noa späile, wat ech späile kann?
Späile ech dech doach net zoom Danze?
Ehß et dech noach so völl d’rom zu doan
Omm der leve Koulle Mai z’planze?“
 
„Hätzlev, woa blävste de ieschte Mainaht
Du met mech geine KoulleMei haß g’braht
D’ ieschte Mainaht woor ‘ch krank ‘n ver goaß der Mei
Eja! Hops! Valderadera!“
 
„Hätzlev, woa blävste de zweide Mainaht
dat du mech geine KoulleMei haß g’braht
D’ zweide Mainaht doa ränet, onn ‘ch woad naaß
Eja! Hops! Valderadera!
Da tech dech Levche dynne Mmei vergoaß
 
„Hätzlev, woa blävste de dreede Mainaht
dat du mech geine KoulleMei haß g’braht
D’ dreede Mainaht hehv’ch der Mei’n zerbroach et Schwäit
Eja! Hops! Valderadera!
De jonge Mahd ehß noach ihrenwäit!“
 

„Ich hann ä Längche met Gäisch gesienet
Enn dat dräit wall föinfhondert Gräve
Wenn jedwedder Gärv eyne Kopp änn hei
Dann wüir ech joa net ze verdärve!“
 
„Dat Bierche, wat opp ‘n Essigfäßche lidt
Dat en wäidt als oftemoals suure
Enn jonge Mahd, de ‘ne aue Mann troat
 Derr en stät et joa bau zu truure.“

Die Übersetzung 


Um Ostern gehen sich die Fasten aus
und dann längen sich die Tage
dann kommt sich der Mai, der vergnügliche Mai
mit all seinen grünen Blättern
Eja! Hopsa! Valderadera!
Daß ich dir Liebchen deinen Mai vergaß
  
Kommt dann der Mai, der vergnügliche Mai
kommt es sich herangedrungen
dann geh ich, um vor der Liebsten Schlaffensterchen zu stehen
spitz (nur) alle die bösen, kläffischen Zungen
 
Als ich vor dem Fensterchen stand, das Türchen war verschlossen:
„Steh auf, mein Herzliebchen, lass mich ein
und pflanzen deinen Mai, deinen Maizweig
Und pflanzen deinen Mai lieb mit Vergnügen (Lust)
 
Wo will ich meinen Mai mit Vergnügen pflanzen?
Liebste, ich bin bang, dass er mag befrieren!
Eine winterliche Nacht ist viel kälter als der Tag
Seine Kräfte mögen ihn befrieren
 
Ist eine winterliche Nach viel kälter als der Tag
sollen ihm seine Kräfte befreiren?
Dann pflanze ich ihn in deines Vaters Baumgarten
seine Kräfte wird er dann behalten
 
In meines Vaters Baumgarten da steht eine Linde
ein Lindenbaum allzuschöne
darauf saß die Frau Nachtigall und sang
sie sang von der Liebe allzuschöne
 
Oh Nachtigall, kleines Vögelein, liebes
mag ich dein Singen einmal anhören
es hat sich mir versagt eine wunderschöne brave Magd
ich wollte, dass es nicht so wäre!
 
Hat sich dir versagt eine wunderschöne Magd
willst du, dass es nicht so wäre?
Dann geh du das Sträßchen all singend auf und ab
sie mag dich noch einmal anhören
 
Herzliebchen tat hinter der Türe stehn
sie spielte auch auf einem kleinen Flötchen
Nun spiel, Herzliebchen, was du spielen kannst
du spielst mir doch nicht zum Tanz? 
 
Soll ich nun spielen, was ich spielen kann?
Spiel ich dir doch nicht zum Tanze?
Ist es dir doch noch soviel darum zu tun
um den lieben Maizweig zu pflanzen
 
Herzliebster, wo bliebst du die erste Mainacht,
da du mir keinen Maizweig hast gebracht?
Die erste Mainacht war ich krank und vergaß den Mai
Eja! Hops! Valderadera!“
 
Herzliebster, wo bliebst du die zweite Mainacht,
da du mir keinen Maizweig hast gebracht?
Die zweite Mainacht da regnete es, und ich wurde naß
Eja! Hops! Valderadera!“
daß ich dir Liebchen deinen Maizweig vergaß!
 
Herzliebster, wo bliebst du die dritte Mainacht,
da du mir keinen Maizweig hast gebracht?
Die dritte Mainacht hieb ich den Mai und zerbrach das Schwert
Eja! Hops! Valderadera!“
Die junge Magd ist noch ehrenswert!
 
Ich habe ein Längchen (langes Feldchen) mit Gerste gesät
und das trägt wohl fünfhundert Garben
wenn jede Garbe einen Kopf (dicke Ähre) hätte
dann wär ich nicht zu verderben
 
Das Bierchen, das in einem Essigfäßchen aufliegt
das wird oftmals sauer:
Eine junge Magd, die einen alten Mann traut
der steht es bald an zu trauern

Mailied als Wechselgesang 

(Das Mailied aus bisher unbekannter Quelle. Wer hierzu etwas weiß, bitte melden. )

Alle:
„Öm de Ustere doa gönt sich de Faste us,
Und da längen sich de Tage;
Da kömmt sich der Mai
Der geliebte Kohlemei,
Kömmrt er sich herangedrungen.“
Bursche:
„Ei so gang ich vor mein zaterig Schlaffensterchen stoan,
Und das Türchen war zugeschlosse:
Steh auf mein Herzlieb und laß nmich herein,
Du empfangest deinen Mai,
Deine lieben Kohlenmai,
Du empfanget deine Mai mit Freuden.“
Mädchen:
„Wo will ich meinen Mai dir mit Freunden pflanzen an?“
Das en kann mir ja nicht geschehen.
Denn mein Bettchen steht so fest,
Trägt sich eine schwere Last;
Pflanze du deinenMai,
Deinen lieben Kohlemai, da draußen!“
Bursche:
Wo will ich meinen Mai
Dir da draußen pflanzen an,
Das en kann mir ja nicht geschehen.
Bin bang er möchte mich befrieren;
Denn eine winterrische Nacht
Ist viel kälter als der Tag.
Pflanz du deinen Kohlemei im Busen.“
Mädchen:
„In meines Vaters Garten
Da stand sich einen Baum,
Einen Lindenbaum,
Und der war grüne,
Und drauf saß sich eine grau Nachtigall und sang,
Sie sang von der Liebe all so schön.“
Bursche:
„Grau Nachtigall, grau Nachtigall,
Du kleines Vögelein!
Könnt ich dich noch einmal anhören!
Denn es hat mich versagt
Eine wunderschön brave Magd;
Ich möchte, daß es nicht so wäre.“
Mädchen:
„Hat dir denn versagt,
Ein so ´ne wunderschön brav Magd
Du, du wünschest, daß es nicht so wäre.
Ei so jank dees Nat
Dat Ströeßche all sehngens auf und ab,
Sie möchte dich noch einmal anhören!“    
Alle:
„Herzliebster wohgl hinter die Mauer stand
Und spielte auf sein klein Flötche.“
Mädchen:
 „Spiel nur drauf mein Herzlieb,
Allwei, was du spielen kannst,
Du spielst mir ja nicht zum Tanz.
Herzliebster, wo bliebst du die erste Mainacht,
Daß du mir keinen grünen Mai hast gebracht?“
Bursche:
„Um die erste Mainacht,
Da ich an mein Schätzchen dacht
Und da regnet es und ich wurde naß.“
Alle:
„Hopsa falderallala,
Die Jonge mett die Mädchere söend noch emmer doa,“
Mädchen:
„Herzliebster, wo bliebst du die zweite Mainacht,
Daß du mir keinen Kohlemai hast gebracht?“
Bursche:
„Um die zweite Mainacht
Da ich an mein Schätzchen dacht,
Da hieb ich den Mai
Und zerbrach miur das Bein.“
Alle:
„Hopsa falderallala,
Die Jonge mett die Mädchere söend noch emmer doa.“
Mädchen:
„Herzliebster, wo warst du die dritte Mainacht,
Daß du mir keinen Kohlemai hast gebracht?“
Bursche:
„Um die dritte Mainacht
Da ich an mein Schärzchen dacht,
Da wurd ich krank
Und vergaß mein Schatz.“
Alle:
„Hopsa falderallala,
Die Jonge und die Mädchere söend noch iereweet.“
Ausrufer:
„Höret, höret alle zu,
Was der Kaiser und König befehlen tut!
Er befellt nach seinetwegen,
Wat för zwei dat vöer beienen solle läge.
Dat sall see! – Wee sall dat see?
Dat sall see met Name genannt:
NN met Name genannt!
NN (Jong) met Name genannt!
Es et och alle mole leev? (Alle): Joa!
„Steh nur auf mein Herzlieb,
Du empfangest deinen Mai,
Deinen lieben Kohlenmai,
Du empfangest deinen Mai mit Freuden.“

Werden Eier gebracht, dann singt der Chor:
Dat Mädche, dat es jott,
Dat let de Eier in de Bott
Vallera, vallera, vallerallala!
Werden Eier nicht sofort gebracht, dann singt der Chor:
„Lot os net sue lang stoehn,
Wer mösse noch noeh Salmanes john“
Werden Eier keine gebracht, dann singt der Chor:
„Dat Mädche dat es schläeht
Dat es de Jong net wäet!

Schlußbetrachtung

Vergleichen wir die alten Gepflogenheiten, Abläufe und Bräuche mit unserer heutigen Zeit: Was ist geblieben, wo stehen wir heute in unserer Gesellschaft? Nehmen wir uns Zeit, gemeinsam im Verein mit Freunden einen Brauch zu pflegen? 

Passt es in die heutige Zeit, die alten Bräuche in Kohlscheid wieder aufleben zu lassen?
Sind wir daran interessiert und ist es überhaupt gewollt? Sicherlich ist es auch eine  Generationenfrage.
Im Vergleich zur damaligen Zeit hat sich das soziale Leben völlig verändert. Damals fanden Berufsleben und soziale Beziehungen überwiegend innerhalb des Wohnortes statt. Man blieb unter sich. Jeder von außerhalb war ein Fremder und wurde mit Misstrauen betrachtet. Reisen fanden kaum oder gar nicht statt. 
Die Gemeinschaft hatte früher eine höheren Stellenwert. Heute steht mehr das Individuum im Vordergrund.
Die Partnersuche hat sich vollkommen verändert, Stichwort Onlineplattformen. Durch Internet, Fernsehen, Soziale Medien und Reisen sind wir quasi in der ganzen Welt unterwegs.

Über die Autorin

Marianne Schülke, Jahrgang 1949, verbrachte ihre Jugend in Kohlscheid. Nach ihrem juristischen Studium arbeitete sie 40 Jahre am Amtsgericht in Köln. Als Tochter unseres Geschichtsfreundes Albert Diederen ist ihr das Gebiet Heimatkunde nicht fremd. Seit vielen Jahren befasst sie sich mit Entwicklungen und Veränderungen von Gesellschaften und Sozialverhalten.


Quellen:

Ein wichtiger Zeitzeuge für Kohlscheid aus dem 19. und 20. Jahrhundert ist Lambert Schroiff. Josef Gasten bringt in seinem Buch "St. Katharina" die Ausführungen von Lambert Schroiff zu den Maibräuchen. Wir bringen die komplette Geschichte als PDF. Die Genehmigung, Auszüge aus dem Buch von Josef Gasten hier zu veröffentlichen, bzw. zu zietieren, liegen uns von Elmar Gasten vor. Unsere Recherche nach Nachfahren von Lambert Schroiff blieben  bisher erlfoglos. Hier Link zum PDF
- Heimatverein Kohlscheid, 1932, e.V.
- Sistemich; Sammlung Brauchtum
- Westdeutscher Beobachter; 28.4.1938
- Echo der Gegenwart April 1933
- Bilder aus Privatsammlungen, die dem Heimatverein Kohlscheid 1932, e.V. übergeben wurden (c) Heimatverein Kohlscheid
- Bilder von Foto Eihmer, aus dem Ausschuß zu dem Film "Kohlscheid 1955", (c) Karl Schlebusch

Dank

an Marianne Schülke für die Recherche und Aufarbeitung des Themas. Sie hat auch den gesamten Text geschrieben und auf Fehler kontrolliert
an Familien Voss, Doris Westermann, Ruth Brauers und die Serviceabteilung der Stadt Würselen für musikalische Informationen
an den Heimatverein Kohlscheid für die Bilder aus dem Archiv
Liebe Besucher der Seite,

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